1. #1
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    Wetterkapriolen

    Die Sonne schien an einem Sommertag
    und in der Ferne tönte frohes Lachen,
    als könnte sich nie wieder wer verkrachen,
    weil einfach Frieden auf der Erde lag.

    Dann braute sich am Himmel was zusammen.
    Gewittersturm und starker Regenguss
    verwandelten das Land in einen Fluss
    und wollten wutentbrannt das Glück verdammen.

    Noch eh die grauen Wolken sich verzogen,
    erblickte ich den zarten Regenbogen
    und wusste: Einzig durch den Sonnenschein

    entstünde nie ein solches Farbenspiel.
    Ein hoher Preis; doch für ein hehres Ziel
    muss nebst dem Frieden auch ein Krach mal sein.


    Nach dem Motto meiner Oma: "D Liebi muess zangget ha."

  2. #2
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    Liebe gugol,

    ein Sonett (aha). Die erste Strophe stellt das Fröhliche in den Vordergrund, die zweite das Negative. Die dritte und vierte Strophe führen beides Zusammen zum Notwendigen, wodurch die beiden Strophen eine Synthese darstellen. Sehr fein Auch insgesamt ist die Darstellung des Wetters mit dem was kommt, geschieht und sein muss, als Gleichnis eine gelungene Sache.

    Insbesondere finde ich die dritte und vierte Strophe gelungen, denn das hier:

    "[...] erblickte ich den zarten Regenbogen
    und wusste: Einzig durch den Sonnenschein

    entstünde nie ein solches Farbenspiel.
    Ein hoher Preis; doch für ein hehres Ziel [...]"

    empfinde ich genießend in sprachlicher Hinsicht. Mir gefallen daran die Klangähnlichkeiten in "Einzig" zu "Schein" zu "ein" zu "Preis" und dann auch "nie" zu "Spiel" und "entstünde" "solches" "spiel" und da klingt viel zusammen und das halt auf eine sehr angenehme, auch noch sprachlich korrekte Weise, dass dieser ganze Satz einfach schön daherkommt und als solcher schon schön ist.

    Während die anderen Verse in ihrer Form durchaus künstlich wirken, ist eben dieser Satz für mich deswegen herausstechend, weil er ein echter ist und trotzdem in das enge Sonettkorsett passt.

    Liebe Grüße

  3. #3
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    Danke für deinen lobenden Kommentar. Gerade an den von dir hervorgehobenen Zeilen habe ich am meisten rumgebastelt und immer wieder was geändert. Interessanterweise empfinde ich das Sonett nicht als Korsett (oh das reimt sich ja, wäre vielleicht gar ein lustiges Thema für ein Sonett über das Sonett oder so ). Im Gegenteil, bei dieser Form finde ich recht leicht in eine Sprache, die mir eigen ist. Ob sie schön, passend oder was auch immer ist, wäre dann eine andere Frage. Jedenfalls mag ich Sonette gern. Auf den Anspruch an These/Antithese/Synthese habe ich aber erstmals richtig geachtet. LG gugol

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