Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Mieze Schindler

    Sie werden mich nach und nach verlassen. Aber man kann Abhilfe schaffen: die Gleitsichtbrille. Misslicher: das Hörgerät.
    Nicht zu bearbeiten: andere Baustellen. Die Erdbeere zum Beispiel. Ein Klang, vertraut wie die Stimme der Mutter. Erinnerung.
    Der Tastsinn: heiß – kalt – warm - zärtlich. Wie wird sich das anfühlen? Vielleicht wie nichts.

    Beschwörend, flehentlich werde ich Worte bemühen: Freesie, Darjeeling, Fango.

    Die Namen der Dinge Schatzkammern, tausendtürig
    Konserven

    später Nebel
    Geändert von Okotadia (13.02.2018 um 18:36 Uhr)

  2. #2
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    Mieze Schindler, habe ich gegoogelt.
    Schreibst du über MS oder einfach nur über den "normalen Verlust" der Sinne und Empfindungen?

    Wie auch immer mit dieser Erdbeere hast du mich erwischt, die hat ein Walderdbeergeschmack und das ist einer dieser Düfte/Geschmäcker, die bei mir ein echtes Glückgefühl auslösen. Ja, sehr traurig. Wenn es alles nur mehr in der Erinnerung gibt (wobei olfaktorische Erinnerungen sehr stark sind, bei mir jedenfalls, ich rieche die Walderdbeere gerade) dann ist der Nebel eigentlich ein Trost.

    Aber trotzdem, dass "später Nebel" mag mir nicht so richtig passen. Ein ganz spontaner Vorschlag nur so als Anregung:

    Die Namen der Dinge, der Düfte, Schatzkammern,
    tausende Türen

    die sich schließen.


    Betroffen gelesen!

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Liebe albaa,

    ja, es ist eine kleine Hommage an die aromatischste und wohlschmeckendste Erdbeersorte, die ich kenne. Weil sie ertragsarm ist und die Früchte nicht lagerfähig, bekommt man sie praktisch nicht mehr zu kaufen und sie verabschiedet sich aus unserem Bewusstsein - wie unsere Sinne im Alter.

    Ich habe das schon mehrmals bei alten Leuten beobachtet: Die Enttäuschung, dass sich bestimmte Sinneserlebnisse nicht mehr einstellen wollen, besonders wenn es um Gehör, Geruch und Geschmack geht. Kein Grillenzirpen mehr, die Leibspeise schmeckt nach nichts, ist nicht richtig heiß (auch wenn sie eben noch gekocht hat)...
    Man zehrt dann noch eine Zeitlang von den Erinnerungen - die, wie Du beschreibst, sehr präsent sein können - aber auch die verschwinden mit der Zeit.
    Was bleibt im Kopf eines Sterbenden, der schon seit Tagen oder Wochen kaum mehr ansprechbar ist? Ich stelle es mir vor wie Nebel, aus dem ab und zu ein paar Fetzen Erinnerung auftauchen.

    Schade um Mieze Schindler...

    LG und danke fürs Hineinfühlen
    Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

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