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    Geistvolle Gespräche am Thresen

    N, D, am Ende vor einem Weingeist sitzend:

    N: Vielleicht nur ein Strahl in einer einzigen lauen Sommernacht. Selten geht bei manchem Gewürm ein Licht auf.

    D: Ja, das muss wirklich ein besonderes Ereignis vor seinem Erlebnishorizont sein.

    N: In solch einem bewegenden Moment leuchtet er aus sich heraus, kann ganze drei Zentimeter weit schauen und er kann fliegen.

    D: Und die Nachtjäger freuen sich auch. Erleuchtet und hellwach glaubt er plötzlich, ein Licht in die dunkle Welt gebracht zu haben, alles erkennen zu können und daran zu wachsen bevor er sich wieder selbstzufrieden in seine geistige Umnachtung begibt und vergeht.

    N: Doch im Grunde ist er ein Wurm geblieben, denn da, wo er lebt, wird er nie über sich hinauswachsen können.

    D: Könnt ich nie. Wurm bleibt Wurm. Irgendwann muss für ihn Schicht im Schacht sein. Jahrelang nur noch funktionieren und kriechen, ist ja genaugenommen eigentlich kein richtiges Leben, per definitionem, während der Rest Weisheit schon zu Lebzeiten abgedankt hat.


    ,,ich bin dann mal weg!" tönt ein netter Herr vom Nachbartisch.


    N: Jemand soll ihm heute morgen ein Licht auf sein Grab gestellt haben.

    D: Wem?

    N: Dem Wurm, und wieder ging ihm ein Licht auf. Wissen ist Macht, glaubte jener Wurm jahrelang zu wissen, und er setzte zeitlebens auf Wissenszuwachs,

    D: Wissen zu Wachs meinst du, zu Staub zu Erde, ein totes Wissen. Ist dieses Wissen nun mit ihm gestorben? Was meinst du?

    N: Der Wurm ist längst durch künstliche Intelligenz ersetzt. konnte ein primitiver Conputer doch damals schon mehr als er.

    D: Wüsste der Wurm bestimmt heute auch , wenn er denn nur noch leben würde. Im Nachhinein wäre er um vieles schlauer,

    N: In solch einem kurzen Wurmleben bleibt ihm im Grunde nur die Zersetzung und die Sabottage, um effektive Spuren in der Welt zu hinterlassen, die Spuren der Zerstörung. Säulen zersetzen, umwerfen, damit neues entsteht, damit der Platz für die Nachkommenschaft gesichert ist.

    D: Das nenne ich mal ein Programm, ein Malprogramm, eine Malware nach dem Motto nach mir kommt Sinn oder eine ganze Sinnflut.

    N: Sintflut!

    D: Die Sinnflut kommt nach der Sintflut, dann erst wird postmortal dem Untergegangenen der Sinn eingeflößt. Ob in den Museen und Büchern oder Filmen, das ist die Reanimation des Untergangs.

    N: Sinn?

    D:genaugenommen viele Sinne, Der Untergang lebt weiter.

    N: Der Wurm lebte also für seine kleine Wirtschaft, Millionen und Abermillionen brannten im Aberwitz für ihre Wirtschaft aus, nur damit diese weiter und weiter und weiter wächst und das Leben verlängert. Wie das Sterben für eine Bienenkönigin.
    D: Wie dass Bienensterben selbst. Wer kam nur auf diese Schnapsidee mit dem Tequila und dem Wurm?

    N: Das kann ich dir genau sagen, da kam eines Tages der Mezcal auf die Erde .

    D: Meskal?

    N: Ja, Herr Mezcal kam auf die Idee, als ihm ein Wurm in seinem Tequilla ertrunken war, dass man sozusagen ein ganzes Wurmleben betrunken sein könnte.

    D: Ist das wahr? Vielleicht war der Wurm die Wiedergeburt von Herrn Mescal.

    N: Das mit dem Mescal kannst du mir ruhig glauben.

    D: OK, ich glaube.
    N: Und die Wirtschaft muss immer weiter wachsen, und der kleine Wurm muss immer dran glauben,
    D: Muss sie nicht!

    N: Muss sie ja doch! Das waren reine Glaubensfragen, wussen die Turmbauer von Babel damals schon zu beklagen, bevor der Turm einstürtze.

    D: Der ist doch gar nicht eingestürzt, die Erdlinge haben plötzlich gelallt, sie waren verwirrt.

    N: Der Wurm steckt eben immer im Detail.

    D: Da steckt doch schon der Teufel. Und wie zum Teufel hat die kleine Wirtschaft damals an der Ecke reagiert?

    N: Sie hat zum Trost angebaut, umgebaut, ausgebaut, war zum Schluss jedoch nicht mehr ganz bei Trost, Sie hat sich langfristig verkalkuliert, und stranguliert, auf ewiges Wachstum setzend. Viele wanderten aus, dorhin, wo das Geschwür am schnellsten wächst.

    D: Eine viel zu große Dorfkneipe für ein aussterbendes Seelendorf. Eine Insel der Glückseligen .

    N: Eigentlich war es die Totgeburt vom Wirtschaftswachstum durch Betrinken, denn das war schließlich die Geschäftsgrundlage und Idee, zusammen mit Frikadellen und Senf,

    D: Den man überall und immer ungefragt kostenlos als Witrschafswunder dazu bekam.

    N: Da sollte man die Wirtschaft also betreten, sich setzen um sich zu betrinken, eine kleine Insel der Glückseligkeit. Nicht denken, nicht fühlen, nur trinken, und Kerben für die Tage schlagen. Wirtschaftsboom oder Wirtschafsbumm, wie man den schwarzen Freitag nannte der dann alles plötzlich in die Luft jagte.


    Nein, Freitag war nur maximal pigmentiert, er war kein Menschenfresser! ,weiß der Mann an der Theke lallend zu korrigieren, gestatten, Kruse, Ihr könnt mich aber auch Robin nennen. (Er kippt sich noch einen, bevor er selbst umkippt. Bumm.)


    N: Nach und nach kippen die Betrinker hier noch alle vom Hocker. Und eben diese Fachkräfte fehlen der Wirtschaft, die ja quasi davon lebt.

    D: Hätte der Kruse bloss nicht auf das Märchen von der Wirtschaft gehört, dann hätte er sein Arbeitslosengeld hier nicht vertrinken. müssen. Doch solche weise Erkenntnis kommt wie sooft zu spät.

    Betretenes Schweigen, nur ein Tinnitus ist unüberhörbar.

    N: kannst du meinen Tinnitus hören?

    D: Solch ein Tinnitus ist ja doch nur ein Nachhalltick.

    N: Und was heißt hier überhaupt nachhaltig, wenn alles doch irgendwann sterben muss? Wie nachhaltig solls denn sein? Auf ewig geht eh' nicht.
    D: Haben wir uns da nicht alle damals gehörig verhört, verzockt, oder falsch nachgefragt beim Wirtschaftswachstum.

    N: Kerzen wachsen ja auch nicht, wenn sie brennen, schon gar nicht in den Himmel, wie die Bäume, als es sie für uns noch gab.
    D: Doch, Kerzen wachsen!

    N: Nein sie wachsen nicht, kannste mir glauben.

    D: Oho, der Glauben ist wieder gefragt, nur was soll ich dir heute glauben. Der frühe Vogel fraß heute morgen immerhin den letzten Wurm derErde. Was hättest du ihm geraten?
    N: Vogel, friss oder stirb, besser noch friss ihn, bevor du stirbst, hätte ich ihm gesagt, damit der Wurm irgendwann im Himmel ankommt.

    D: Nein, das ist alles eine Mär, den Erdling hat es für mich nie gegeben!
    N: Aber seine großspurigen Fußabdrücke, im Staub der Zeit hat er hinterlassen, und Fake news soll er sich auch ausgedacht haben . Wahrscheinlich ist das nur diese Wirkung von dem Mescala, alles nur Erfindung! fühlst du nun als Wurm oder Erdling?

    D: weiß nicht, egal, Hauptsache Geist.

    N: Haha, ein Flaschengeist, der getrunken werden will

    D: Aber du! Müsstest dich jetzt selbst mal hören. Welch eine Pfeife! Ein eingebildeter Tinnitus, der nicht weiß, ob es ihn gibt.
    Geändert von Anjulaenga (12.02.2018 um 02:05 Uhr)

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