1. #1
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    steine bewegen

    die kirche steht im dorf, das soll so bleiben
    noch ist kein kerl geboren, dies zu ändern
    nicht hier und nicht in andern bundesländern
    da kannst du deine lampe blitzblank reiben

    da kannst du lang auf deine herkunft pochen
    lass deinen hammer stecken, leg die kelle
    an eine gott und papst genehme stelle
    der stein, den du versetzt, ist nicht gebrochen

    ich weiss, du baust dir deinen eignen dom
    und wo du hintrittst, wächst das neue rom
    der halbe himmel harrt auf deinen segen

    doch blitzt aus deinen sündhaft teuren jeans
    nur blanke haut und, ehrlich: niemals schien’s
    dass deinetwegen steine sich bewegen
    Geändert von kaspar praetorius (15.03.2018 um 15:45 Uhr) Grund: gugol

  2. #2
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    Jawoll, das ist thematisch ganz fein durchgezogen. So was mag ich sehr: Eine Idee/Metapher setzen, sie ausbreiten ohne dabei lang zu werden und am Ende ein gekonntes Fazit ziehen.
    Ich hadere nur mit einer einzigen Formulierung: "blitzt der Stoff aus abgewetzten Jeans, aus dem die Träume sind" Die Jeans sind doch aus Stoff, wie kann da aus ihnen Stoff blitzen? Ok, der Stoff, aus dem die Träume sind, ist natürlich was anderes als der Jeansstoff. Wäre der Satz umgestellt "doch blitzt der Stoff, aus dem die Träume sind, aus abgewetzten Jeans", käme ich damit besser klar. Aber dann ist der Reim dahin. hmm...
    LG gugol
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
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  3. #3
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    hallo gugol
    komme von der alemannischen fasnacht und bin so zufrieden mit der welt, dass ich gerne sowohl auf den stoff von abgewetzten jeans wie auf träume verzichte. resultat siehe oben.
    kaspar
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
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  4. #4
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    Grund: gugol Bin ich also verantwortlich für die Entsorgung. Nun denn, mir gefällt es ohne die Träume. Die Aussage ist so bodenständiger.
    ausgezogen
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  5. #5
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    Hi kaspar,

    grundsätzlich finde ich die sprachliche Gestaltung deines Sonetts gelungen. Du hast dich sehr deutlich ausgedrückt und ich finde diese Zeilen hier besonders schön:

    "ich weiss, du baust dir deinen eignen dom
    und wo du hintrittst, wächst das neue rom"

    "doch blitzt aus deinen abgewetzten jeans
    nur blanke haut und, ehrlich: niemals schien’s
    dass deinetwegen steine sich bewegen"

    Die hierin vorherrschende aktuelle Sprache hebt das Sonett aus dem Altertümlichen ins Neue und macht es damit für mich auch genießbar und in der Tat, solche Leute gibt es, die so drauf sind, wie der, der hier beschrieben wird.

    Schön

    Liebe Grüße,
    MiauKuh
    Geändert von MiauKuh (11.02.2018 um 19:08 Uhr)

  6. #6
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    hallo zusammen
    warum sollte ich beim stolpern durch die welt der dichter und denker nicht hilfe in anspruch nehmen, welche aus träumen reale epidermis macht?
    und wieso sollte die sonettform irgendwie die sprache beeinflussen? schmeisst doch mal alle eure sonettdichter aus dem 19. jhdt. aus den schulbüchern raus, nehmt englische und französische sonette in diese bücher auf! dann stellt sich heraus, dass mein "sonett" keines ist, sondern lediglich in dessen äusserer form geschriebene replik.
    wenn jetzt einer kommt und denkt, da hat sich der autor was gedacht, solches gibt es tatsächlich, und ja, man kann es lesen, wenn dem so ist, dann habe ich ohne es zu wollen mich mehr angestrengt beim reimen, als ich im sinn hatte.
    danke für hilfe und feedback
    kaspar praetorius

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