Thema: Ein Paradoxon

  1. #1
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    Ein Paradoxon

    Ein Paradoxon
    Liebe vorlügen
    Missbrauch ausleben
    Schaden zufügen
    Krankheit abgeben


    L.A.F. Strässler – Feb18
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
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  2. #2
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    Lieber L.A.F. Strässler,

    was man anderen antut will man von sich abgeben (Krankheit). Hier wird der Unterschied gemacht zwischen sich und anderen (zweierlei Maß). Diese Einstellung empfinde ich als Paradoxon.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hi Hans, mhhhh. Nicht-Betroffene koennen das kaum verstehen/nachvollziehen (Paradoxon), sie sollten es jedoch unter allen Umstaenden und jederzeit als die Wahrheit eines Opfers/Taeters respektieren, denn hier geht es um Leben oder Tod: Es kommt, dass der einzige, letzte Ausweg fuer ein Opfer von Missbrauch scheint, das Kranke waehlen (Liebe vorluegen), selber Taeter sein, um sich von den inneren Qualen/Zerrissenheit befreien zu koennen, um die Krankheit abgeben (weitergeben!) und den Teufelskreis verlassen zu koennen. Schmerzen/Schaden zufuegen, sich selber oder/und anderen, um Erloesung zu erfahren. LG, L.
    Geändert von L A F Strässler (14.02.2018 um 01:15 Uhr)
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  4. #4
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    Hey L., was mich an deinem Text beeindruckt vorne weg: Du beschreibst hier glasklar einen Prozess ohne jegliche Interpretation oder Wertung und das bei einem hoch emotionalen Thema. Chapeau! So etwas habe ich kaum je gesehen.

    Nur so wie von dir beschrieben - über alle Stationen des Elends - scheint es also möglich, irgendwann einen Ausweg zu finden. Wer eine Abkürzung nehmen will, belügt sich selber. Ja, als Nichtbetroffene fällt es mir schwer, das nachzuvollziehen im Sinne von "nachempfinden". Ich kann es aber verstehen und anerkennen - auch das Paradoxe daran, das meinem Weltbild eine Beule verpasst. Danke für diese Lektion, liebe Grüsse, Karin
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  5. #5
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    Ja Karin, danke, es ist die Hoelle, verletzte (Kinder-)Seelen, was aber nie kranke Strategien, die eigenen Taten entschuldigt, besonders wenn dadurch neue Opfer, Taeter geschaffen werden. Um auszubrechen, bedarf es uebermenschlicher Staerke, die man nur im Tod finden kann. L.

    Ich schrieb mal:

    Vorwort
    Denn alles kommt und geht so schnell,
    verliert sich mit dem Tageshell:
    kein Strahl kann mich erreichen,
    kein Schein ist mir ein Zeichen.
    [1985]
    -
    Eine Welt ohne Notausgang
    Gefangen im sinnentstellenden Gebäude
    Einer traumatischen Kindheit
    Besetzt für den kranken Abgang
    Verkörpert weder die Leichtigkeit
    Noch die Lebensfreude
    Alles erstickt von einem schweren Vorhang
    Auf der tragischen Suche nach Geborgenheit
    Und einer Freiheit

    Für immer verhedderte Marionetten
    Gefesselt in Eisenketten
    Dieses Rollenverhalten endet in Verbitterung
    Dem Dürsten nach Vergeltung
    Verzweiflung
    Und ist der Schauplatz für die Selbstzerstörung
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  6. #6
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    Zitat Zitat von L A F Strässler Beitrag anzeigen
    Ja Karin, danke, es ist die Hoelle, verletzte (Kinder-)Seelen, was aber nie kranke Strategien, die eigenen Taten entschuldigt, besonders wenn dadurch neue Opfer, Taeter geschaffen werden.
    Die Frage nach Schuld und Entschuldbarkeit und wie jeder Einzelne oder die Gesellschaft mit der Tatsache umgeht, dass sich diese kranken Strategien (gegen sich oder andere gerichtet) immer und immer fortpflanzen, ist eine brennende. In deinem Gedicht beschreibst du aber einzig, dass es solches Verhalten gibt, gar für ein Missbrauchsopfer überlebenswichtig ist. Genau diese Loslösung von der Schuldfrage fand ich eben an deinen Zeilen so gut, und ich denke, die Besprechung des Textes sollte auch auf dieser Ebene bleiben. LG K.
    Geändert von Gugol (15.02.2018 um 13:30 Uhr) Grund: Präzisierung von "kranken Strategien"
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  7. #7
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    Hallo LAF Strässler,

    ein inhaltlich gewichtiges Gedicht zu diesem Thema und zwei scharfsinnige Kommentare von Gugol.

    Ich frag mich, ob vorlügen in diesem Zusammenhang das richtige Wort ist. Für das Opfer und den späteren Täter ist Liebe und Missbrauch vielleicht sogar (zumindest teilweise) deckungsgleich, weil ihm das so vermittelt wurde.

    Täter zu werden, weil man nie mehr Opfer sein will - ein Motiv das nicht nur beim sexuellen Missbrauch eine Rolle spielt.

    Nachdenklich gelesen
    Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  8. #8
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    Es ist ein Paradoxon (um zu leben, muss ein Opfer von Missbrauch sterben), jedoch seine Wahrheit erkennt nur, wer als Kind (!) selber missbraucht wurde. Nicht-Betroffene koennen nur beschraenkt krank denken, aber nie vollkommen, deshalb sind die Kommentare zwar klug aber basierend auf einer (zumindest teilweise) gesunden Seele, Kindheit meilenweit von der Wahrheit, dem Denken und Tun (siehe das Gedicht) eines Opfers oder Taeters entfernt. Danke. Ich hab hier nichts mehr zu sagen, danke. LG, L.


    Ein Beispiel fuer kranke Strategien, ein anderes waere, selber zum Taeter werden:
    Sich selber koerperliche Schmerzen zufuegen (z.B. sich ritzen, schneiden), weil es das einzige ist, das den seelischen Qualen, der Hilflosigkeit, der inneren Zerrissenheit, der Angst, dem Ekel usw. standhaelt und Linderung bringt.
    Geändert von L A F Strässler (15.02.2018 um 05:12 Uhr)
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