1. #1
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    Courbet und du, 180°

    L'origine du monde nennt Gustave
    Courbet den sinnlich religiösen Akt.
    Saugt' mich die Vulva auf in ihren Trakt –
    von mir blieb' nicht einmal ein Epitaph.

    Das ganze Weib drumrum ist nur Dekor,
    dabei doch üppig, schön und weich und voll.
    Es ist das Meer ums rettende Atoll.
    Versinken suchend (geil) steh ich davor.

    All solcher Lärm geht deinem Foto ab.
    Nicht mal die Brüste sind darauf zu sehn,
    obwohl von ihnen aus (sehr fotogen)
    dein Bauch sich schimmernd spannt zu dir hinab.

    Brutaler Überfall ist dein Ding nicht,
    sogar die Beine hältst du halb verschränkt,
    doch wird mein Blick von deiner Scham versengt,
    dein filigraner Busch macht mich erpicht.

    Dein Körper lockt wie eine Landebahn,
    wenn ich dort aufsetz, öffnen sich die Knie
    und droht mir la petite mort, on dit.
    Vor solchem Sog wög ich nicht mal ein Gran.
    Geändert von Michael Domas (09.03.2018 um 01:09 Uhr) Grund: filigran statt ziseliert, vgl. Festival #7

  2. #2
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    "dein ziselierter busch macht mich erpicht"
    so, leute, geht gedicht!
    es ist gereimt und hat esprit
    und ist bei leibe kein "on dit".

    würd' ich länger hier verweilen
    von mir blieb nicht einmal ein epitaph
    drum lass ich dich mit deinem autograph
    und geh zum einkauf (huch, muss mich beeilen!)

    kaspar

  3. #3
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    Lieber Kaspar,

    so jedenfalls könnte Gedicht gehen, wenn L'origine du monde erlaubt bleibt (dass über die Entfernung des Bildes diskutiert wird, war ja der Anlass, meine Hommage daran einzustellen). und wenn man einen Reim auf Gustave oder Courbet findet.

    Dein Einkauf scheint Dich vor'm Hungertod bewahrt zu haben, so bleibt noch Zeit, über ein Epitaph für Dich nachzudenken.

    Michael
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  4. #4
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    danke für den guten plan mit dem epitaph.
    wo sollen wir männer denn noch nahrung holen, wenn "nicht mal die brüste sind darauf zu sehen"?
    wusstest du, dass dieses bild die auftragsarbeit für einen muslimischen grosskopf war?
    so gesehen, wird uns die islamisierung des abendlandes schliesslich die grosse freiheit bringen, nicht?
    kaspar

  5. #5
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    Lieber Kaspar,

    Du denkst bei den fehlenden Brüsten aber nicht an die Nährammen, derer sich zahnlose Aztekenkönige bedient haben sollen.

    Über die die grosse freiheit, die uns die islamisierung des abendlandes schliesslich bringen wird, haben wir uns ja schon anlässlich Houellebecqs „Unterwerfung“ ausgetauscht.
    Dass Courbets bild die auftragsarbeit für einen muslimischen grosskopf war, wusste ich nicht. Man lernt nicht aus

    Michael
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  6. #6
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    naja. immerhin kriege ich ab und zu ein paar wertvolle tipps. aber irgendwann ist fertig mit lernen.
    wo die milch fliesst, ist aber immer nützlich zu wissen, das seh ich an meinen enkeln.
    kaspar

  7. #7
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    Lieber Michael,
    reden wir vom selben Bild? Wenn bei Deinem keine Brüste zu sehen sind, dann haben die Verkäufer Dich mit einem Ausschnitt abgespeist. Der "ziselierte" Busch? "Etwas auf weicher Unterlage mit Hammer und Punzen bearbeiten" - die Beschreibung des Ziselierens muss Dich verwirrt haben.
    Aber - es bleibt ein außergewöhnlich Gedicht!
    Liebe Grüße,
    Festival

  8. #8
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    Lieber Festival,

    nein, nein, das Gedicht redet ab S3 von einem anderen Bild, einem Foto.

    Beim „ziseliertem Busch“ an die Technik des Ziselierens zu denken statt an das optische Ergebnis, tut natürlich weh. Dann ersetz ich mal durch „filigran“. Kommt zwar auch aus der Metallverarbeitung, aber da hört man's nicht mehr, oder?

    Lieber Kaspar,

    davon, dass der Betrachter nicht wüsste, wo die milch fliesst, ist wohl nicht auszugehen, er erwähnt die Quelle ja

    Michael
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