1. #1
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    Mit Taschen voller Geld

    (eine Neubearbeitung in Blankversen)

    Bobby

    Ach ja! – Am Samstag ist der Abschlussball!
    Ich sitz im Bus, die Tasche voller Geld
    und soll mir heute noch ein Ballkleid kaufen,
    auch Schuhe (Pumps) und schließlich zum Frisör.
    Die Stadt ist groß. Ich suche überall.
    Boutiquen hier, Boutiquen da, nichts passt!
    Ein Tässchen Kaffee wär jetzt wunderbar.
    Im Kaufhaus drehe ich in Richtung Bar.

    "Hallo! Was soll das?", schreit's in meinem Ohr,
    "Kannst du nicht einmal tun, was man dir sagt?"

    "Ach, sei doch still! Du dämliches Gewissen,
    ich mache trotzdem immer, was ich will!"


    Da steht, ich werde magisch angezogen,
    ein großer Kasten mitten im Geschäft;
    und eigentümliches Geraschel zieht
    mich magisch an. Naja, die Neugier siegt
    schon bin ich dort und schaue ganz entzückt.
    Acht schwarze Kulleraugen blicken mir
    ins Herz hinein. Oh, nein! Was soll ich tun?
    Es sind vier - mit viel zu großen Pfoten.

    "Hallo! Was wird das?", schreit's in meinem Ohr.
    "Das wagst du nicht, du ungezognes Gör!"

    "Sei du bloß still, du lästiges Gewissen,
    und schau nur hin. Wie niedlich sind die Vier."


    Ich greife schnell hinein in diesen Kasten.
    Schwarzweiß, der Kleine mit den frechen Augen -
    schon hab ich ihn auf meinem Arm und dreh
    mich nach der Kasse um. Bezahle rasch
    mit Geld aus meiner Tasche. Ballkleid, Schuhe
    und Schmuck, auch der Frisör - vergessen ist
    die Welt für's Fellknäul. Partner, Tanz ade!
    Die Taschen leer. Der Ball ist nicht so wichtig.

    Doch Ach! - "Was soll das, Balg!?", schreit es da laut.
    "Jetzt bist du völlig überdreht? Ich fass
    es nicht! Was willst du denn zuhause sagen?"

    "Dass ich zufrieden bin mit meinem Kauf.
    Der kleine Fratz passt mir genau – und schau
    nur hin - er passt mir auch noch richtig."


    Mit Bobby auf den Armen fahre ich
    im Bus zurück und dort - erwartet mich
    dann doch - die harte Sause.

    (Bobby ist/war ein Hund.)
    Geändert von Liara (01.03.2018 um 08:39 Uhr)

  2. #2
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    Liebe Liara,
    das ist eine sehr hübsche Story mit Tiefgang und fast perfekten Blankversen.
    Die letzte Strophe scheint mir überflüssig.
    Ein schönes Gedicht, in dem die Liebe zu einem Kätzchen über das vergängliche Vergnügen einer Fete siegt.
    Liebe Grüße,
    Festival

  3. #3
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    Hallo lieber Festival,

    danke für dein Lob. Diese Blankverse waren wesentlich schwieriger, als wie ich mir das vorgestellt hatte. So als Freestyle-Dichterlinchen dachte ich, das könnte ich locker. Ja, nix war's mit einfach.
    Mit der letzten Strophe denke ich nach.

    Aber es war kein Kätzchen, sondern ein Welpe, der zu einem fantastischen, mittelgroßen Hund heranwuchs und ein langjähriger treuer Begleiter wurde. Es hatte sich allemal mehr als gelohnt.

    Liebe Grüße
    Liara
    Geändert von Liara (28.02.2018 um 22:22 Uhr)

  4. #4
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    Liebe Liara,
    dann müsstest Du statt "miau" einfach "wauwau" setzen.
    Ich zitiere mal einen Vers, wo ich ein bisschen Perfektion vermisse:

    "Sei du bloß still, du lästiges Gewissen"

    nomalerweise würde ich den so sprechen:

    Sei du bloß still, du stiges Gewissen = XXxXxXxxxXx

    Als Blankvers kann man es so lesen:

    Sei du bloß still, du lästiges Gewissen

    dann hast Du die gewünschten fünf Jamben, aber wer sagt "läs ti ges Ge wi -ssen" ?

    Du hast die Blankverse ohne Leierei über die Bühne gebracht (und dieses Leiern kann schnell passieren und nicht absichtslos hat Schiller vom hinkenden Jambus gesprochen.
    Aber bei ein bisschen Übung versteht man, wieso der Blankvers lange Zeit die bevorzugte Versform war.

    Goethe hat (ich glaube in Italien) sein Prosawerk "Iphigenie" bis auf einen Einschub (Das Lied an die Parzen) komplett umgearbeitet. Ein Beispiel:

    Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern
    Ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram
    Das nächste Glück vor seinen Lippen weg,
    Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken
    Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne
    Zuerst den Himmel vor ihm aufschloß, wo
    Sich Mitgeborne spielend fest und fester
    Mit sanften Banden aneinanderknüpften.
    Ich rechte mit den Göttern nicht; allein
    Der Frauen Zustand ist beklagenswert.
    Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann,
    Und in der Fremde weiß er sich zu helfen.
    Ihn freuet der Besitz; ihn krönt der Sieg!
    Ein ehrenvoller Tod ist ihm bereitet.
    Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!
    Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen
    Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar
    Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt!

    Hier kann man schön verfolgen, dass die Versendungen mal männlich, mal weiblich sind und es wäre "tödlich", wenn man die Verse Zeile für Zeile liest und nicht über das Versende hinweg spricht:

    Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen ist Pflicht und Trost;
    wie elend, wenn sie gar ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt!

    Noch mal: Du hast das sehr gut gemacht und ich lobe gern, wenn es was zu loben gibt!

    Liebe Grüße,
    Festival

  5. #5
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    Hallo Heinz,

    vielen Dank für dein Lob. Das habe ich von einem erfahrenen Blankversdichter doch gerne entgegen genommen.
    Nur mir gefallen weder "miau" noch "wauwau". Vielleicht fällt mir ja mal was anderes ein, solange lasse ich es so.

    Gruß
    Liara

  6. #6
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    Liebe Liara,

    das ist eine zu Herzen gehende Geschichte, schön aufgebaut mit dem sich einmischenden Gewissen und dem Ignorireen desselben. Du hast Prioritäten gesetzt und gut investiert. Auch ein Abschlussball kann eine schöne Erinnerung werden, ist aber nur ein Abend, eben schnell verpufft und das Kleid nur einmal getragen. Schön zu erfahren, dass der Kleine nach dem Donnerwetter zu Hause nicht wieder zurück in die Kiste im Kaufhaus musste. Und ich hab wieder was dazugelernt (in puncto Blankverse).

    LG Richy

  7. #7
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    Liebe Liara,

    ein treues Haustier, das einem viele Jahre Freude macht, ist allemal mehr wert, als ein Abschlussball. Besser hättest du das Geld nicht anlegen können.

    Wie gefällt dir meine kleine Anregung?

    Mit Bobby auf den Armen fahre ich
    im Bus zurück und dort - erwartet mich,
    was solls - die harte Sause.

    Gerne gelesen und verweilt.

    Liebe Grüße
    Sid
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  8. #8
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    Liebe Richy, lieber Sid,

    ich danke euch vielmals für eure schönen, positiven Kommentare. Und ja, es hat sich mehr als gelohnt, auf diesen dämlichen Abendfummel zu verzichten.

    Bobby war mit Abstand der freundlichste und treueste Hund, den ich je hatte und dazu noch ziemlich gescheit.

    ("was soll's" gefällt mir auch sehr gut, aber ich bin noch ein wenig unschlüssig, was mir besser gefällt)

    Liebe Grüße
    Liara

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