1. #1
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    le coup de foudre (Liebe auf den ersten Blick)

    Meine geliebte Monique, geboren in der Stadt der Liebe, Urururenkelin eines römischen Imperators und einer seiner Hofdamen, verwandt mit einer Lady aus London, die einen Liebhaber aus Marseille in ihr Bettchen ließ, war lange Zeit als billige Arbeitskraft in den Pariser Zentralmarkthallen beschäftigt. Nebenbei durfte sie als Rattenfängerin arbeiten, schöner war es aber, wenn die Metzger oder die Bierwagenkutscher sie hin und wieder auf ein Schlückchen einluden.
    Dank ihres Aussehens wurde das Juwel von einem adligen Müßiggänger entdeckt. Sehr schnell avancierte sie zum beliebtesten Accessoire der blaublütigen Verehrer.


    Als ich sie kennen lernte, konnte ich mein Glück nicht fassen
    Zeit, sie eurem geistigen Auge erscheinen zu lassen:

    Schlank und rank - o nein, das ist sie nicht,
    eher schon ein bisschen kurz geraten ist die Kleine,
    trägt ein niedlich-stupsig Näschen im Gesicht,
    reizvoll ist der Schwung der eleganten Beine.

    Dein Kurzhaarschnitt, dein leuchtendes Haar,
    der treue Blick der Augen, wie wunderbar
    gerundet sind lieblich deine kleinen Ohren!
    Mein Schatz, ich hab an dich mein Herz verloren.

    Ein Pfeil Cupidos mir tief ins Herze fuhr,
    als ich dich erstmals sah. Triomphe de l'amour
    war die Parole jenes Frühlingstages,
    die Pulse hämmerten: Wag es! Sag es! Wag es!

    Ich raffte allen Jugendübermut zusammen,
    und was ich nie erhofft, gewünscht, bedacht,
    geschah - ich konnte gleich dein Herz entflammen
    und denk noch heut an unsre erste Maiennacht.

    Du warst verspielt und hast dich ganz ergeben,
    es war ein Züngeln, Kraulen, Toben
    a la francaise und du lagst meistens oben,
    für mich begann mit dir ein neues Leben!

    Am Morgen strecktest du die trägen Glieder
    und lecktest zärtlich meine Liebeswunden.
    Ich schrieb dir später meine schönsten Lieder,
    wir haben uns, du mich, ich dich, gefunden.

    Drei Monde später, es war im Monat Thermidor,
    der Name sagts dem Kenner, wars recht heiß;
    auf einer dog show in Paris, da führte ich dich vor
    und dir verlieh man dort den ersten Preis.

    Auf einem Schildchen stand: Monique ist Nummer Eins,
    bouledogue a la francaise, ihr Herrchen nennt sich Heinz.
    Dein Stummelschwänzchen wippte ganz erregt,
    ich war begeistert, sehr erschüttert und bewegt.
    Geändert von Festival (03.03.2018 um 13:34 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Festival,

    gratuliere! Absolut gelungen! Du bist vollkommen auf den vollkommenen Hund gekommen.

    Nachdem uns Liara mit ihrer "Rostlaube" gekonnt listig hinters Licht geführt hat, erscheint deine "geliebte Monique" wortgewandt "schlank und rank", geschmückt mit acht juwelenreichen Strophen, und erinnert den Leser an Gedichte von Heine.
    Schon die "Introduction" mit dem Abstammungsnachweis lässt den Leser schmunzeln. Was darauf folgt, schmeckt wie "Champagner" aus Reims. Prost!

    Carolus

  3. #3
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    Lieber Carolus,
    ich danke Dir sehr für Dein überschwängliches Lob!
    Heine hatte ich nicht im Sinn, wollte mich nur für den Coup Sidgranis rächen, der mich mit seinem Gedicht aufs Kreuz gelegt hatte.
    Liebe Grüße,
    Festival

  4. #4
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    Lieber Festival,

    in die letzte Strophe haben sich gleich zwei Tippfehler eingeschlichen:

    Auf einem Schildchen stand: Monique ist Nummer Eins,
    bouledogue a la francaise, ihr Herrchen nennt sich Heinz.
    Sein Stummelschwänzchen wippte ganz erregt,
    sie war begeistert, sehr erschüttert und bewegt.
    Spaß beiseite, das ist wirklich eine zu Herzen gehende und vortrefflich gelungene Ode auf die liebliche Monique. Der Überraschungsfaktor hielt sich bei mir allerdings in Grenzen, es waren vorweg einfach zuviele Andeutungen und Hinweise.

    Das soll diese Liebeserklärung keineswegs schmälern, manche Geliebte wäre froh, würde sie je eine solche bekommen.

    Gerne gelesen und viele Bilder im Kopf gehabt.
    Liebe Grüße
    Sidgrani
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  5. #5
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    Lieber Sidgrani,
    ich gebe zu - der Überraschungsfaktor reicht nicht ganz an Deinen heran.
    Die Andeutungen und Hinweise, da hast Du recht, sind schon im Prosa-Eingangstext für einen Rassehundekenner wegweisend.
    In den letzten beiden Versen kann ich keinen Fehler entdecken. Das LI spricht vom Hund und der eigenen Begeisterung. Kann irreführend sein, ist aber so gemeint, wie ich es eben geschrieben habe.


    Dein Stummelschwänzchen wippte ganz erregt,
    ich war begeistert, sehr erschüttert und bewegt.

    Ich danke Dir für Dein Lob und werde mir noch mehr Mühe geben, Dich doch mal aufs Kreuz zu legen.
    Liebe Grüße,
    Festival

  6. #6
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    Lieber Festival,

    meine als Witz gedachte Anspielung auf das Stummelschwänzchen von Heinz (sozusagen deins) ist mir misslungen. Ich habe es schon so verstanden, wie du es gemeint hast.

    Nichts für ungut.
    LG Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  7. #7
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    lieber festival
    das ist ein perfekter schulbuchtext, damit könnte ich jede vetretungsstunde ab fünfte klasse zum erfolg bringen.
    besonders unverdorbene schüler wären stolz, als erste auf deine schliche gekommen zu sein, die langsameren und ich, der ich deine lyrik kenne, würden bis zum schluss weitab der hundefährte irren. aber für alle wäre es ein grosser spass. wau! bzw. wouff!
    kaspar

  8. #8
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    Lieber Kaspar,
    finde ich auch! Wer bei der Introduktion nicht aufpasst, hat bei der Interpretation das falsche Klangbild im Kopf und wird erst beim Finale durch leises
    aboiement aufgeweckt und aufgeklärt.
    (Ich schmeiße hier mit Fremdwörtern rum, weil ich weiß, dass Du sie verstehst, nicht etwa, weil sie zu meinem Sprachschatz gehören).Lieben Dank für Deinen Kommentar!
    Festival

  9. #9
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    lieber festival
    würde sich irgendwer wundern, wenn du in deinen memoiren eine heisse begegnung mit der urururenkelin von dschingis-khan en détail erzähltest? da kannst du noch so hinterlistig introduktionen schreiben. dein image als grösster casanova aller zeiten und kulturen ist gemacht.
    kaspar

  10. #10
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    Lieber Kaspar,
    zuviel der Ehre! In meinen (noch nicht geschriebenen) Memoiren versuche ich, die reine Wahrheit zu schreiben. Die einzige Begegnung mit einer Urururuenenkelin Dschingis Khans ging sehr blamabel für mich aus. Sie zeigte mir ein Foto ihres Verlobten und der trug gut sichtbar einen gekrümmten Dolch an seiner landesüblichen Tracht. Ich habe den Wink verstanden und - sie hat einen Ukrainer geheiratet. Die Welt besteht aus Ungerechtigkeiten!
    Liebe Grüße,
    Festival

  11. #11
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    auch giacomo wusste, wann es zeit war, sich auf französisch zu verabschieden.

  12. #12
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    Lieber Kaspar,
    jedenfalls, und das ist tröstlich, habe ich den Lebensabschnitt Giacomos nicht nach zu erleben, der ihn in die Bleikammern Venedigs brachte. Laut Urteil ist er dort wegen Gotteslästerung, Freimaurerei, Magie und wegen Unzucht eingesperrt worden. Der Freimaurerei und der Magie hat mich noch niemand bezichtigt. Für Gotteslästerung hätte ich nach deutschem Recht eine Geldstrafe oder maximal drei Jahre Knast zu erwarten, Magie, selbst schwarze, ist mit keinem Strafparagrafen bewehrt. Es gibt also berechtigte Hoffnung, dass ich Dir erhalten bleibe.
    Liebe Grüße,
    Festival

  13. #13
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    Bon jours meine Erren,

    quelle sublime litterature, alors, je comprends, isch ätt jetzt auch noch ettwasse von meiner Muschi zu erzällen, blague à part, mit ihrem grossen buschigen Schwanze, und den Schnurre'arren, aber isch glaube, das geört nischt mehr in disse Conversation beaucoup de Bisses , A.

  14. #14
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    ne Muschi mit Schnurrhaaren - die nehm ich Dir unbesehen ab. Aber eine Muschi mit buschigem Schwanz - das Ding möchte ich erleben.
    Liebe Grüße,
    Festival

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