Thema: Wünsche

  1. #1
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    Wünsche

    Mit Blick zum Himmel sitze ich
    am Rande eines Abgrunds
    und baumle mit den Beinen rum.
    Verstummt sind meine Worte,
    auch mein Gesang und meine Freude ...
    wobei ... nicht ganz. Was seh ich da
    am Himmel, weit entfernt von mir?
    Ein Glitzern, einen Schweif dahinter,
    ach nein, es werden ja noch mehr.
    Ein Streifenspiel am Sternenzelt.
    Hab ich jetzt tausend Wünsche frei?

    Ich lächle, seh den Abgrund an,
    natürlich sieht er so auch mich
    und ich fang an zu schnauben,
    steh auf und blicke in mich rein.
    Wie dunkel ist der Abgrund, tief
    und fröhlich doch der Sternenschein.

    Ich dreh mich um, verschließe mich,
    den Blick und auch das Angesicht
    von mir, in dem man sehen kann,
    wie ich mich grade fühl. Doch dann
    tippst du mir auf die Schulter
    und gibst mir einen Kuss.

    “Ich hab versagt”, sag ich zu dir,
    “die Sternensplitter … viel zu schnell ...
    ich ... konnte sie nicht fangen.
    Sie rauschten vor mir durch die Luft,
    verpufften irgendwo im Dunkel
    und meine Hände blieben leer.
    Ich hab für dich rein gar nichts mehr,
    was willst du also hier?”

    „Hier weg, mein Schatz,
    mit dir.“
    Geändert von MiauKuh (21.03.2018 um 06:46 Uhr)

  2. #2
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    hallo miaukuh -

    meine erste Frage zu ST1 Z3: schreibt man nicht eher BAUMLE? Und dann rein Erlebnis-technisch: wenn ich in einen abgrund-stern-Anblick versunken wäre und mir tippt jemand auf die schulter, würde ich vor schreck in das abyss plumpsen. mehr noch später.

    Viele liebe Grüße!
    Droz

  3. #3
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    Hallo miaukuh,

    ein interessantes aber auch bedrückendes Gedicht. Da es allerdings zu "Hoffnung und Fröhliches" gehört, denkt man sich schon, dass die Geschichte (zum Glück) gut ausgeht.

    zu "...und baumel mit den Beinen rum.": Ich würde eher schreiben: "und meine Beine baumeln rum (bzw. leicht)" oder ...ich lass (e) meine Beine baumeln" oder so. Denn, dann baumeln Deine Beine alleine und nicht mit dir zusammen.
    Ansonsten fände ich "Ich baumele" oder "ich baum'le" besser.
    LiebeLyrikGrüße
    robbi
    Es geht ja so vieles schief,
    keiner steht dafür gerade!


  4. #4
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    Ich hab für dich rein gar nichts mehr,
    was willst du also hier?”

    „Hier weg, mein Schatz,
    mit dir.“

    Zu diesem Abschluss kann auch nur anmerken dass weder Hoffnung noch Fröhlichkeit zu entnehmen sind und schließe mich robbis Meinung an.

    Viele liebe Grüße!
    Droz

  5. #5
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    Vielen Dank euch für eure Antworten!
    Ich möchte einzeln darauf eingehen, also zitiere ich sie nochmal:

    Zitat Zitat von Droz Zefalu Beitrag anzeigen
    hallo miaukuh -

    meine erste Frage zu ST1 Z3: schreibt man nicht eher BAUMLE? Und dann rein Erlebnis-technisch: wenn ich in einen abgrund-stern-Anblick versunken wäre und mir tippt jemand auf die schulter, würde ich vor schreck in das abyss plumpsen. mehr noch später.

    Viele liebe Grüße!
    Droz
    Danke für den Hinweis, ich habe baumle eingebaut. Was das erlebnistechnische angeht: Da bist du wohl sehr schreckhaft Wer derart tief versunken in sich selbst ist, wie das lyrische Ich hier im Gedicht, ich glaube das ist ein schwer zu beendender Trancezustand, der noch dazu sehr traurig war, jedoch aber im Grunde, erklärt durch das Ende, nicht ist.

    Zitat Zitat von robbi Beitrag anzeigen
    Hallo miaukuh,

    ein interessantes aber auch bedrückendes Gedicht. Da es allerdings zu "Hoffnung und Fröhliches" gehört, denkt man sich schon, dass die Geschichte (zum Glück) gut ausgeht.

    zu "...und baumel mit den Beinen rum.": Ich würde eher schreiben: "und meine Beine baumeln rum (bzw. leicht)" oder ...ich lass (e) meine Beine baumeln" oder so. Denn, dann baumeln Deine Beine alleine und nicht mit dir zusammen.
    Ansonsten fände ich "Ich baumele" oder "ich baum'le" besser.
    LiebeLyrikGrüße
    robbi
    Ich habe ein baumle daraus gemacht vielen Dank!

    Zitat Zitat von Droz Zefalu Beitrag anzeigen
    Ich hab für dich rein gar nichts mehr,
    was willst du also hier?”

    „Hier weg, mein Schatz,
    mit dir.“

    Zu diesem Abschluss kann auch nur anmerken dass weder Hoffnung noch Fröhlichkeit zu entnehmen sind und schließe mich robbis Meinung an.

    Viele liebe Grüße!
    Droz
    Es wirkt also mehr kalt, als positiv, interessant. Aber es ist doch so, dass jemand von außen den traurig wirkenden Menschen mitnimmt, herausnehmen möchte also helfen möchte, damit gibt es Hoffnung.

    Zitat Zitat von L A F Strässler Beitrag anzeigen
    Jesus Christ Werner!!!, was fuer ein Ende, was fuer ein wunderschoenes Ende, ich sah echt keinen Ausweg mehr, so duester, so hoffnungslos, doch du hast die Kurve wunderbar gekriegt, so glaubwuerdig!, Hut ab! Das hat mich echt gepackt, ergriffen, Lorenz, baumle, ja, und als dir da jemand auf die Schulter tippt, Jesus Christ!, da fiel mir das Herz runter, und Werner, deine letzte, lange Strophe ist sooooooooooooooooo traurig, so gut, so offen
    Was für ein Kommentar! Vielen, vielen Dank dafür, es brauchte das lange Ende, ich weiß nicht, was sollte ich tun!
    Da du das jetzt wirklich so verstanden hast, fühle ich mich gut und der Text hat gewirkt. Erfreulich!!!

    Liebe Grüße an euch alle

  6. #6
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    Lieber MiauKuh,
    baumele oder baumle - diese Frage erregt und beschäftigt mich. Ich hatte mal eine Baumelseele in einen Kirschbaum gehängt, bin also Experte fürs Baumeln. Also: Die Baumelseele baumelte - nee, das ist doppelt gemoppelt. Also: Die Seele baumelte am Baum. Blödsinn! Wenn eine Seele am Baum hängt, was soll sie anderes tun als sinngemäß baumeln. Bei mir beginnt sich alles aufzubäumen und ich beginne - nee, nicht zu baumeln, sondern zu taumeln. Logisch wäre ja nun: Die taumelnde Seele baumelt am Baum (oder doch besser: Am Ast baumelt die taumelnde Seele?). Baumelt sie dann oder ästelt sie? Ich höre lieber auf, bevor ich endgültig ins Taumeln gerate und mir nichts anderes übrig bleibt, als mich aufzubaumeln.
    Schönes Wochenende!
    Festival
    Geändert von Festival (24.03.2018 um 19:56 Uhr)

  7. #7
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    Lieber Heinz -

    Was ist eine baumelseele? Lässt man die Seele denn nicht „auf der Frühlings-Wiese baumeln?

    Viele liebe Grüße!
    Droz

  8. #8
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    Hallo MiauKuh,

    für mich geht es in deinem Gedicht um eine Liebe, die das Gefühlsleben des LI durcheinandergebracht hat und diese auf eine harte Probe stellt.

    Mit Blick zum Himmel sitze ich
    am Rande eines Abgrunds
    und baumle mit den Beinen rum.
    Der Blick zum Himmel könnte die Erwägung eines Freitods bedeuten, schließlich sitzt das LI vor einem seelischen Abgrund. Alles scheint schiefgelaufen zu sein. Aber mit den Beinen zu baumeln, drückt wiederum eine gelöste, fast heitere, Stimmung aus. Das LI wird demnach von seinen Gefühlen hin und her gerissen.

    Wie dunkel ist der Abgrund, tief
    und fröhlich doch der Sternenschein.
    Das weit entfernte Glitzern am Himmel macht Hoffnung, das LI muss nur noch zugreifen, also in der verkorksten Beziehung die Initiative ergreifen. Die Grübelei, die auch so etwas wie Selbstmitleid enthält, nimmt ein Ende, als die Geliebte liebevoll alle Zweifel über die gemeinsame Zukunft vom Tisch fegt. Sie braucht keine Luftschlösser und keine fantastischen Träumereien, sie will ihn so, wie er ist.

    So eindringlich, wie die ersten drei Zeilen die Situation beschreiben, endet es auch mit den wenigen. vielsagen Worten:
    "Hier weg, mein Schatz, mit dir."

    Ein tolles Gedicht.

    Liebe Grüße
    Sidgrani
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