1. #1
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    In meiner Sockenlade




    In meiner Sockenlade

    ganz hinten tummelt sich ein Paar,
    das hat in wechselhaften Jahren
    gewiss schon allerlei erfahren.
    Nun ruht es bei der Sockenschar.

    Nur manchmal, wenn es keiner sieht,
    streif ich die alten Strümpfe über,
    denn ihre Glanzzeit ist vorüber.
    Nicht nur der Zeh liegt bloß, es zieht

    durch Löcher auch an Ferse, Sohle, Rist.
    So kann ein Strumpf zum Lump verkommen,
    der leider nicht zu stopfen ist.
    Hat man den Faden aufgenommen,

    reißt er sogleich, und wieder klafft
    ein neues Loch zu all den alten.
    Die Socken will ich aber doch behalten,
    sind sie, wie ich, auch lückenhaft.




    In meiner Sockenlade

    ganz hinten tummelt sich ein Paar,
    das hat in wechselhaften Jahren
    gewiss schon allerlei erfahren.
    Nun ruht es bei der Sockenschar.

    Nur manchmal, wenn es keiner sieht,
    streif ich die alten Strümpfe über,
    denn ihre Glanzzeit ist vorüber.
    Nicht nur der Zeh liegt bloß, es zieht

    durch Löcher auch an Ferse, Sohle, Rist.
    So kann ein Strumpf zum Lump verkommen,
    der leider nicht zu retten ist.
    Hat man den Faden aufgenommen,

    reißt er sogleich, und wieder klafft
    ein neues Loch zu all den alten.
    Die Socken will ich aber doch behalten,
    bin doch wie sie: lückenhaft.

    Geändert von monalisa (13.03.2018 um 10:41 Uhr) Grund: ANregungen von Sneaker und kaspar praetorius

  2. #2
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    Hallo monalisa, schön mal wieder was von dir zu lesen! Lustig: Einer der ersten Kommentare, den ich auf gedichte-dot-com erhalten hatte, war zu einem Sockengedicht und der Kommi von dir.
    Sehr schöne Vergleiche ziehst du zwischen dem Schicksal eines Sockenpaars und dem eigenen Leben. Ich bin auch so eine Treue, kann zwar wunderbar wegschmeissen, aber wenn ich etwas (auch jemanden) liebgewonnen habe, dann bis zum letzten Faden oder Atemzug (nein, kein Foto meines Teddybären an dieser Stelle hihi). Lieber Gruss, gugol

  3. #3
    Sneaker Guest
    Hallo monalisa,

    lang nichts mehr gelesen von Dir,wb.

    Nur manchmal, wenn es keiner sieht,
    streif ich die alten Strümpfe über,
    denn ihre Glanzzeit ist vorüber.
    Nicht nur der Zeh liegt bloß, es zieht
    Hier wäre eine kleine Umstellung fü mich sinnvoll. So ist deine -denn..- Erklärung ebbes weit weg vom - machmal-
    Nur manchmal, wenn es keiner sieht
    - denn ihre Glanzzeit ist vorüber -
    streif ich....
    nicht nur ein Zeh liegt bloß,....

    Hier kommt mir "der Zeh" komisch vor. Da wäre "ein" passender.

    So kann ein Strumpf zum Lump verkommen,
    der leider nicht zu stopfen ist.
    Wie wärs als Überlegung, das "stopfen" durch "retten" zu ersetzen?

    reißt er sogleich und wieder gibt's
    ein neues Loch zu all den alten.
    Ich will sie aber doch behalten,
    ist altes Zeugs, aber man liebts.?

    Gruß

    Sneaker

  4. #4
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    die socken will ich aber gern behalten
    bin doch wie sie: lückenhaft

    als kleiner vorschlag, wie man die pointe vom zwang des gedichte schreiben wollens frei machen könnte.

    andere stellen sind ebenfalls einer Überlegung wert:
    z.b.
    reisst er sogleich, und wieder klafft
    ein neues loch zu all den alten
    ist das durch inhaltliche oder sprachliche oder klangliche Logik als vers zu rechtfertigen? oder klingt es nur bemüht?

    ich denke, du hast sehr viel schärfere pfeile in deinem sprachköcher.
    kaspar

  5. #5
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    Hallo ihr alle;

    vielen Dank für eure Rückmeldungen, und gleich so viele! Das spornt natürlich an.
    Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt, bin ich ein bisschen eingerostet, was die Reimerei betrifft, war kein Platz dafür in meinem Leben. So taste ich mich halt langsam mit einem Sockenpaar wieder heran. Ich danke euch vielmals für die konstruktiven Vorschläge, Sneaker und Kaspar und deinen wohwollenden Beitag, liebe Gugol.
    Ich werd mich noch eingehend damit beschäftigen .

    Liebe Grüße
    mona

    ________________________________

    EDIT: Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe:

    Ich möchte gern einigen eurer Anregungen folgen:
    Sneaker, dir würde ich gern das 'RETTEN' abnehmen, weil das dem 'LUMP' auf der zweiten Ebene besser steht .
    Den Glanzzeit-Vers vorzuziehen, kann ich mich nicht entschließen. Ich denke, dass beides nicht optimal ist. Schon zu begründen, bevor die Aktion (Überstreifen) stattfindet finde ich auch irgendwie seltsam.
    Kaspar, dein Ende mit der Silbenlücke gefällt mir ausgezeichnet.
    reisst er sogleich, und wieder klafft
    ein neues loch zu all den alten
    ist das durch inhaltliche oder sprachliche oder klangliche Logik als vers zu rechtfertigen? oder klingt es nur bemüht?
    Sprachlich-klanglich ists bestimmt kein Highlight, inhaltlich hätte ich schon gedacht, dass es ein Bild enfaltet. Nachbessern könnte in keinem Fall schaden .

    Nochmal Liebe Grüße
    mona
    Geändert von monalisa (13.03.2018 um 10:30 Uhr)

  6. #6
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    Liebe mona,

    Dein scheinbar schlichtes und u.a. sachkundiges (!) Gedicht ist für mich ein Stückchen minima moralia. Sehr gefallen haben mir auch die gemeinsame Feinarbeit daran und Deine entsprechenden Änderungen. Nur störe ich mich, so wie sneaker, an dem „denn“ in S2Z3, es bezieht sich eben nicht auf „wenn es keiner sieht“ , sondern auf das „überstreifen“. Das aber geschieht ja nicht, weil ihre Glanzzeit vorüber ist, sondern obwohl ihre Glanzzeit vorüber ist. Wenn Du die Verse nicht umstellen willst, vielleicht kannst Du das „denn“ durch „doch“ ersetzen.

    Statt im Alter noch zu rocken,
    hocken wir in alten Socken?

    Verlockende Aussichten

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................................
    Am Do., 28.3., ist bei "poetry trifft Poesie" die Slammerin Elena Nern mein Gast, U20-NRW-Meisterin im Poetry-Slam 2018
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  7. #7
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    nur wenn es keiner sieht, denn ....
    syntaktisch logisch und auch sonst.
    kaspar
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

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