Die Qualität

So spricht der Meister wütend hier,
Ab jetzt ist‘s gut, jetzt reicht es mir.
Das ganze Werk das hält so nicht,
Ich ahne dass es wieder bricht.

Mit meinem Wissen ich am Schluss,
Das Werk nun doch aufgeben muss.
Wohl an, der Lehrling, grün wie Klee,
Der hat da noch eine Idee.

Der Lehrling spricht, ich mach das schon,
Wir nehmen einfach Silicon.
Das hält nicht lang, doch lang genug,
Der Kunde merkt nicht den Betrug.

Der Meister wiegt nun seinen Kopf,
Hat er wohl recht, der kleine Tropf?
Ich kann dem Kunden nicht verkaufen,
Das ich muss in die Werkstatt laufen.
Um dort der nächtens zu erfinden,
Was kann das Werk mir hier verbinden.

Nach einer Weile denkt er dann,
Ich schmier das Zeug hier einfach ran.
Verblend den Pfusch mit Leisten schön,
Dann kann der Kunde es nicht seh‘n.
Gott schützt den König wohl nicht minder,
Als auch des Silikons Erfinder.

Er zeigt dem Kunden nächsten Tag,
Das fertig Werk und lobt es stark.
Qualität sei hier der größte Posten,
Und das trotz der geringen Kosten.

Hat er von etwas keinen Schimmer,
Dann wird der Laie immer stiller,
Der Fachmann will dann viel erklären,
Um alle Fragen ab zu wehren.

So zahlt der Kunde nun den Preis,
Weil er sein Schicksal noch nicht weiss,
In Jahren, drei sinds an der Zahl,
Da macht er all dass dann nochmal.

Da ist die Garantie erloschen,
Und Tränen werden viel vergossen,
Weil man erkennt, in diesem Land,
Verkauft ein jeder Müll und Tand.

Ob Möbel, Autos oder Nahrung,
Der Firmenchef hat die Erfahrung.
Je mehr ich Qualität dir biete,
So weniger bleibt bei mir Rendite.

Martin Seidel 2018