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  1. #16
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    Abschließender Kommentar

    Lieber Leser dieses Fadens,

    am Schluß sei mir noch ein kurzes Fazit und eine Bermerkung erlaubt.

    mit dem Gedicht über den Gebrauch des Genitivs kam die Frage der Sprachbewahrung auf. Meiner Meinung nach ist die Sprache ein geistiges Element, das unser Denken trägt und unsere Kommunikation mit anderen ermöglicht. Wir werden in die Sprache hineingeboren, eignen sie uns an und geben sie an unsere Kinder weiter. Die Sprache, in die wir hineinwachsen, ist ein intaktes System, das wir uns, so sage ich, so gut wie möglich aneignen sollten. Darüber hinaus ist die Sprache ein Element wie die Natur oder das kulturelle Erbe, das wir bewahren, pflegen und vor schädlichen Einflüssen zu schützen aufgerufen sind.Letzteres wurde von einigen Lesern kritisiert. Sie sind der Meinung, daß die Sprache sich schon immer verändert habe und daß jeder so sprechen und schreiben solle wie es ihm beliebt, so fehlerhaft es auch immer sei. Die Sprache ist für sie ein Eigenes so wie z.B. das Haar, man kann es tragen wie man will: kurz, lang, gefärbt oder natur.

    Die Aussage, daß die Sprache sich verändere, erweckt den Anschein, daß es sich dabei immer um einen quasi natürlichen Prozeß handele, den es schon immer gegeben habe. Doch ist das so? Bis Ende der sechziger Jahre konnte man noch völlig unbeschwert Wörter wie Neger oder Zigeuner verwenden, inzwischen ist das nicht mehr der Fall. Diese Wörter seien nun "rassistisch" und ihr Gebrauch beleidigend. Stattdessen solle man "Schwarze" oder "Sinti und Roma" sagen. Wenn jemand früher Schwarze nicht mochte, dann hat der dem Wort "Neger" ein Attribut hinzugefügt wie z.B. "verdammt" oder "dreckig". "Neger" allein war völlig neutral

    Bis Ende der sechziger Jahren konnte man auch noch einfach von Schülern und Lehrer reden, ohne dafür kritisiert zu werden, daß die Lehrerinnen und Schülerinnen nicht eigens genannt werden. Lehrer und Schüler waren Oberbegriffe, die beide Geschlechter gleichermaßen meinten. Wenn jemand von Hunden spricht, dann meint er die Hündinnen doch gleich mit und muß sie nicht eigens nennen. Wenn jemand von Katzen spricht, dann klammert er die Kater doch nicht aus.

    Inzwischen hat man auch das sogenannte Binnen-I eingeführt, dann heißt es LehrerInnen und SchülerInnen. Da man beim Sprechen das Binnen-I nicht sieht, hört es sich an, als wäre allein von weiblichen Schülern die Rede. Da das Wort Schüler in der Einzahl ein ebensolcher Oberbegriff ist wie in der Mehrzahl, müßte es konsequentermaßen dann auch heißen: Dem SchülerIn (im Allgemeinen) obliegt es seinen/ihren Arbeitsplatz sauber zu halten.

    Was geschieht da eigentlich? Es gibt Leute, die Wörtern und einem neutralen Plural eine eigenwillige Bedeutung zuschreiben und nun alle anderen dazu nötigen, diese zu akzeptieren und nicht mehr in gewohnter Weise zu sprechen und zu schreiben. Die ausdrückliche Erwähnung des weiblichen Geschlechts gilt übrigens nur für positiv konnotierte Wörter. Ich habe jedenfalls noch nie von FaschistInnen oder SpekulantInnen gehört.

    Wenn ich sage, daß die Sprachreinigungsmaßnahmen erst mit den siebziger Jahren begannen, so liegt es nahe, daß wir diese dem Geist der 68er-Bewegung zu verdanken haben. Sie wollten uns ein neues, besseres Denken bescheren. Ich frage mich nur, ob es unserer Sprache gut tut, wenn sie von Leuten beeinflußt, besser manipuliert wird, die zu Deutschland ein zwiespältiges wenn nicht überaus kritisches Verhältnis haben. Die 68er hielten die alte DDR immer für das bessere Deutschland, rechtfertigten den Schießbefehl und empörten sich über die Wiedervereinigung. "Nie wieder Deutschland" und "Deutschland verrecke" konnte man damals aufgesprüht an den Mauern der Universität lesen.

    In George Orwells 1984 ist der politische Umgang mit der Sprache ein wichtiges Thema. Statt "very good" soll man "double plus good" sagen. Das Newspeak-Wörterbuch eliminiert immer mehr Wörter, damit die Leute unorthodoxe Dinge gar nicht mehr denken können. Sprachwahrer wehren sich dagegen, daß die Politik oder ideologisch gesinnte Leute die Sprache als Mittel benutzen, andere zu manipulieren. Sprachwahrer warnen Leute, den Ideologen auf den Leim zu gehen. Darüber hinaus erinnern sie die Sprecher, grammatische Formen wie den Genitiv zu benutzen, auf daß dieser nicht verloren gehe.

    Mit lieben Grüßen

    Friedrich

  2. #17
    Registriert seit
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    120
    Hallo zusammen,

    es scheint wohl tatsächlich so zu sein - bei mir zumindest - dass man das einmal Erlernte für richtig und ästhetisch schön und angenehm empfindet.
    Wenn ich in den Nachrichten lese oder höre: „Laut einem Bericht der Presseagentur…“
    so ist das für mich wie das Knirschen der Kreide auf der Wandtafel oder das Quietschen der Fingernägel auf Blech. Da rollen sich mir die Fußnägel auf. Aber ich bin kein Kämpfer für die (angeblich) korrekte deutsche Sprache. Allerdings lasse ich mich auch nicht davon abbringen, das mir einmal Beigebrachte, solange es nicht ausdrücklich im Duden „verboten“ ist, auch im täglichen Gebrauch anzuwenden.

    LG, Eddigeh

    Oh, ich sehe gerade, dass dieser Faden eigentlich schon geschlossen war. Ich hoffe,
    dass es jetzt zu keiner Überlänge gekommen ist.
    "Ich pass' immer auf zu dir"

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