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  1. #16
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    Nehmen wir mal die zwei stärksten Texte, die ich kenne:

    Goethe: Faust

    Dostojewski: Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

    Hatte Wolle jemals echten Kontakt mit dem Satan?

    Hatte Fjodor jemals echten Kontakt mit Huren?

    Nein, wage ich zu behaupten.
    Aron Manfeld

  2. #17
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    Dostojewski und keinen Kontakt mit Huren? Der war gut.

    Aber wo ist da die Überheblichkeit oder das Urteilen, von dem du sprachst? Ich sehe nichts von dem.

  3. #18
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    Dann lies mal Deine Antworten auf meine Gedanken, mein Sohn.
    Aron Manfeld

  4. #19
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    Sorry, ich bin echt schlecht im Raten. Falls du meinst, dass ich selbst überheblich urteile, so löst das nicht meine Frage, wieso du Verfassern Überheblichkeit und Urteilen zusprichst.

  5. #20
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    selbstverständlich hat der schnabelmann recht...bzw diese frage stellt sich erst gar nicht, denn als verfasser kann ich dem erzähler einen eigenen charakter verleihen...der sich von meinem wesentlich unterscheidet. alleine dieses "kann" beantwortet schon die frage. ein mageres nachdenken (sprich den verstand einschalten) ist oft hilfreicher als ein üppiges daherreden.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  6. #21
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    Da bin ich ja froh, dass du das magere Nachdenken übernommen hast.

  7. #22
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    Eugen Bast

    Zitat Zitat von Adi
    selbstverständlich hat der schnabelmann recht...bzw diese frage stellt sich erst gar nicht, denn als verfasser kann ich dem erzähler einen eigenen charakter verleihen...der sich von meinem wesentlich unterscheidet.
    Aber um Charaktere zu verleihen, muss man sie kennen, zumindest in der Literaturoberliga. Mich hat immer Falladas "Der eiserne Gustav" beeindruckt, in welchem ein ganzer Familienverband punktgenau psychologisch beschrieben wird.

    Eugen Bast - wie konnte Fallada diesen Typus zeichnen, ohne selbst Eugen Bast zu sein?
    Aron Manfeld

  8. #23
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    kann so sein, muss aber nicht. als verfasser bin ich zunächst mal nur der schreiberling, nicht zwingend auch der geistige urheber - weshalb ich verfasser und autor nicht gleichsetzen würde. ich gehe aber mal davon aus, dass der schnabelmann hier vom autoren spricht, denn ansonsten wäre seine aussage nicht...zumindest nicht uneingeschränkt zutreffend.

    was deine frage betrifft, da könnte man jetzt als gegenentwurf karl may anführen.

    nehmen wir mal eine tier-doku zum vergleich. die eigentliche geschichte wird von den bildern erzählt, aber erst der sprecher macht sie "spürbar" spannend - deshalb wird da auch viel geld in die hand genommen, werden meist sehr charismatische sprecher verpflichtet. der sprecher verleiht der geschichte einen eigenen charakter, obwohl er selbst mit der geschichte nichts zu tun hat, er vielleicht noch nie persönlich an diesen schauplätzen war...oder eines dieser tiere zu gesicht bekam. geht es um die rein wissenschaftliche abhandlung...um das vermitteln von informationen...kann ich jeden x-beliebigen sprecher nehmen.

    zurück zur literatur. könnte der autor seine geschichte "nur" im rahmen seines eigenen charakters erzählen...wäre er in seinen möglichkeiten sehr begrenzt. das trifft auf einige sicherlich auch zu. gibt noch zwei weitere faktoren; die recherche und die empathie. das einfühlungsvermögen hat man...oder man hat es nicht - es ist nur bis zu einem gewissen grad auch trainier/erlen-bar. eine gründliche rechereche kann jeder anstellen...aber nicht jeder macht sich auch diese mühe.

    im prinzip ist das erfolgrezept...ob film oder literatur...immer das gleiche: story, zeitgeist, drehbuch, besetzung, schnitt. das casting wird heute mit als das wichtigste element angesehen. pretty woman wäre mit anderen schauspielern womöglich nie ein erfolg geworden. die story selbst ist dünn bis dümmlich, sie erfasste jedoch den zeitgeist. das charisma der schauspieler...aber auch und vor allem wie sie ihre rolle interpretierten...hatte ebenso maßgeblichen anteil am erfolg. in der literatur nimmt der erzähler diese rolle ein.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  9. #24
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    Grunsätzlich ist es richtig, dass der Autor nicht der Erzähler ist. Aber es gibt Ausnahmen.

    In Autobiografien oder in eigenen Reiseberichten ist der Autor mit dem Erzähler identisch. In fiktiven Geschichten ist er es nicht.

    Beispiele:

    In Scott Fitzgeralds "Der große Gatsby" ist Fitzgerald der Autor, doch der Erzähler der Handlung ist Gatsbys Nachbar, der über dessen unglückliche Liebe zu Daisy berichtet (erzählt wird aus der personalen Perspektive).

    In Karls Mays Indianergeschichten ist May der Autor, doch trotz der Ich-Perspektive ist der Erzähler die fiktive Figur Old Shatterhand.

    Das funktioniert so auch beim Film: In "Die barfügige Gräfin" sind nicht der Drehbuchautor und der Regisseur die Erzähler, sondern es ist Humphrey Bogart, der aus der Perspektive des außenstehenden Beobachters berichtet. Kurz: Der Zuschauer erlebt die Geschichte durch die Augen Humphrey Bogarts.

  10. #25
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    Nein.

    Der Verfasser ist niemals der Erzähler, denn sonst wäre Albert Speer schuldfrei.
    Aron Manfeld

  11. #26
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    für das...was speer verfasste...wurde er angeklagt. für das...was er in nürnberg erzählte...wurde er mit einem milden urteil bedacht. so oder so, die schuld bleibt immer die gleiche...nur das urteil kann sehr unterschiedlich ausfallen. in der literatur fällt der leser das urteil.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  12. #27
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    für das...was speer verfasste...wurde er angeklagt. für das...was er in nürnberg erzählte...wurde er mit einem milden urteil bedacht. so oder so, die schuld bleibt immer die gleiche...nur das urteil kann sehr unterschiedlich ausfallen. in der literatur fällt der leser das urteil.
    Das Nürnberger Verfahren zeigt doch, wie der Wortgewandte sich dem Strang entziehen kann. Speer starb beim Beischlaf irgendwo in London.
    Aron Manfeld

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