Thema: Kinderlogik

  1. #1
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    Kinderlogik

    Ich war erst sechs und weiss es dennoch haargenau:
    Fast eine Woche hatte ich dran rum gewetzt
    und sonntagmorgens war er dann auf einmal raus-
    gefallen, lag vor meinen Füssen, ich entsetzt
    die Augen aufgerissen und mein Magen flau.

    „Das ist dein Erster, doch wird nicht der Letzte sein”,
    verrieten meine Eltern mir ganz unverblümt.
    Die Prophezeiung löste in mir Panik aus,
    obwohl ja auch mein Opa, zahnlos weltberühmt,
    zufrieden war mit Mus und einem Gläschen Wein.

    Am Abend kam mir die erlösende Idee;
    nur wie um alles in der Welt verhielt es sich
    mit diesem Trick? Man legt den Kopf aufs Kissen drauf,
    den Milchzahn säuberlich darunter, flüstert: „Ich…
    ich bitt dich, setz en wider y, du liebi Fee.”


    Wettbewerbsbeitrag zu Thema "Zähne", März/April 2018

    Dank geht an L.A.F. Strässler
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  2. #2
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    Hei Gugol,

    die Milchzähne sind das Erste, wovon wir uns als Kind trennen müssen. Nicht im Traum hätten wir daran gedacht, dass unsere Zähne ausfallen könnten. Die Erkenntnis daraus: Ich bin nicht gegen alles gefeit, auch mich kann es treffen.

    Mit unserer kindlichen Logik liegen wir ganz schön daneben, wenn wir glauben, eine gute Fee macht alles wieder gut. Am nächsten Morgen folgt die Enttäuschung, und wieder haben wir etwas gelernt. Da kann uns auch der zahnlose Opa nicht trösten.

    So war es allerdings nur früher, es sei denn, es gab ältere Geschwister. Jetzt werden wir als Kind in Kitas und Grundschulen rechtzeitig "aufgeklärt" und warten darauf, dass es auch uns passiert.

    Du hast das kindliche "Drama" anschaulich geschildert, nicht unverdient ist dein Gedicht auf dem dritten Platz gelandet, ich gratuliere.

    Liebe Grüße
    Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  3. #3
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    Hallo Gugol!

    Das hast du gut eingefangen! Ich kann mich noch an die Alpträume erinnern, die ich hatte, nachdem mir der erste Milchzahn ausgefallen war. Ich konnte wochenlang kaum schlafen! Echt wahr...

    LG
    k

  4. #4
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    Hey ihr beiden, danke für eure Erinnerungen. Ich gehöre zur "Vorkrippengeneration" und habe keine älteren Geschwister, war also genau so panisch und hab bis weit ins Erwachsenenalter hin und wieder so einen Traum, dass mir alle Zähne ausfallen; dabei könnten sie gesünder nicht sein. Und genau, sowohl das Erlebnis selbst als auch diese Alpträume dürften psychologisch recht bedeutsam sein. LG gugol
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