Thema: Gewitter

  1. #1
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    Gewitter

    Schwer hängen die schwalben
    unterm schwarzen himmel
    mit starren flügeln
    schwingen weiß die schwäne
    über der folie des wasserspiegels
    im verschlungenen park
    schmatzt schwül und feucht die luft
    bis zum horizont nur dunst
    dahinter die stadt, verdampft,
    aufgelöst, vergessen.
    nicht einmal die blätter der pappel
    zittern – wie wir?


    gestrichene letzte Zeile:
    Worauf warten?
    Geändert von Michael Domas (10.05.2018 um 02:07 Uhr) Grund: Liara, Kaspar, Tynset

  2. #2
    Liara ist offline free flying butterfly
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    Also echt, lieber Michael, mit was für Wörter du hier um dich wirfst,
    annihiliert - das hängt mindest so unheilschwanger in den Wolken,
    wie die armen Schwalben.

    Ich kann nicht mal sagen, woran es so genau liegt, aber dein Gedicht
    gefällt mir sehr gut.

    Das Bild wird mich jetzt noch eine Weile in Gedanken verfolgen.

    Liebe Grüße
    Liara
    Geändert von Liara (04.05.2018 um 00:52 Uhr)
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  3. #3
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    Liebe Liara,

    Du hast Recht, „annihiliert“ ist doof, ich habe es durch „vergessen“ ersetzt.

    Danke für's Lob

    Michael

  4. #4
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    hallo Michael Domas
    in diesem kurzen text malst du ein Momentbild. und das kreist um die träge im einzelbildmodus vorwärts(?) zuckelnden Schwalben und schwäne und menschen (und ihre aufgelöste Stadt) einerseits und das "worauf warten?" andererseits. das ist an sich schon ein formales Konzept, das es in sich hat. ich empfinde es deshalb als unnötige, verzichtbare, vergessbare, annihilierbare maskierung, wenn sprachschöpferisch und lautmalerisch (???) noch eins draufgesetzt wird. der verschlungene park z.b. würde genügend Stoff liefern für ein eigenes gedicht.
    in der kürze liegt die würze, aber nur dann, wenn der koch nicht beim anrichten noch tonnenweise pertersilie, pfeffer und Balsamico auf den Teller pappt.
    gern gelesen, weniger gern gegessen
    kaspar praetorius

  5. #5
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    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    in der kürze liegt die würze, aber nur dann, wenn der koch nicht beim anrichten noch tonnenweise pertersilie, pfeffer und Balsamico auf den Teller pappt.
    "pappt" ist gut! Bei Petersilie und Pfeffer sehe ich noch ein leichtes Streuen, bei Balsamico fließt es... pappen würde es wohl am besten, wenn eine dicke fette Mehlschwitzsoße über das Gedicht gegossen wäre. Aber das ist es ja vielleicht sogar?

    Herzliche Grüße
    Tynset

  6. #6
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    Lieber Kaspar, lieber Tynset,

    Ihr habt vollkommen Recht, das Gedicht ist vollkommen überladen mit seinen Alliterationen. Eigentlich mag auch ich die nur in dezenter Dosis, mit linespur und Jazemel hatte ich schon einige Diskussionen darüber. Aber hier hab ich eben in die Vollen gegriffen, und wenn ich versuchen würde das rauszustreichen, bliebe von dem Gedicht nichts übrig. So opfere ich mal nur die letzte Zeile „Worauf warten?“

    Hat übrigens Spaß gemacht, die Stabreimerei

    Michael
    Geändert von Michael Domas (17.05.2018 um 01:37 Uhr)
    .................................................................................................... ...............................................
    poetry trifft Poesie, der Slammer Christofer mit f als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Mi., 11.7.18, 19.30 Uhr

  7. #7
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    Hallo Michael Domas,

    mir gefällt dein Gedicht von A bis Z. Für mich ist es nicht überladen, das es sich um ein Gewitter handelt - und da wirken ja auch viele Kräfte, als eine einzige Urgewalt, zusammen...

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  8. #8
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    Lieber A.D.,

    ja, seh ich auch so: Wenn schon Stabreimstaffetten, dann zu diesem Stoff, Gewitter sind gewiss gewaltig genug für sowas.

    Danke für die Ermutigung, ich werde das Gedicht für die Juniausgabe des Faltblattes „Lyrik in Köln“ einreichen, bin gespannt, ob die das nehmen, die sind eher modern.

    Michael

  9. #9
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    Lieber Michael,

    Ein schönes Stimmungsbild, ich habe nichts gegen das Überladene, aber irgendwie müsste es sich für mein Gefühl
    am Ende entladen - das passiert hier nicht - "wie wir?" gefällt mir gar nicht - was soll das eigentlich bedeuten?
    Idee habe ich Moment leider keine! Ich habe nur das Gefühl es ist verkehrt herum geschrieben: es sollte mit den Pappeln beginnen und mit den ganzen "Schw..." enden und dann bräuchte es Donner und Blitz oder "schwere Tropfen" oder so ... oder auch nicht, sondern du lässt eben das "Bedrohliche" einfach drückend über den Lesern hängen - ohne Frage.

    Lieben Gruß
    albaa

    Schwer hängen die schwalben
    unterm schwarzen himmel
    mit starren flügeln
    schwingen weiß die schwäne
    über der folie des wasserspiegels
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    bis zum horizont nur dunst
    dahinter die stadt, verdampft,
    aufgelöst, vergessen.
    nicht einmal die blätter der pappel
    zittern – wie wir?

  10. #10
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    die Entladung war voll eingeplant. wer hat sie ihm ausgeschwatzt? na, nicht ganz, denn sie steht immer noch da, wenn auch gestrichen.
    so müsste es nicht beim zittern bleiben, wenn man die zeichen des gewitters richtig deuten würde.
    kp
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  11. #11
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    Liebe albaa, lieber Kaspar,

    ja, die „Entladung war voll eingeplant“, jedenfalls kann sich der Leser alleine „Donner und Blitz oder "schwere Tropfen"“ ergänzen. Aber auch wenn „das "Bedrohliche" einfach drückend über den Lesern hängen“ bleibt, soll's mir recht sein. Und macht auch verständlich, hoffe ich, wenn „wir zittern“ sollten. Muss ja aber auch nicht weiter erklärt werden, deshalb das Fragezeichen. Gerne möge man die gestrichene Schlusszeile „Worauf warten?“ ergänzen (Du verstehst mich, Kaspar), aber das muss man dann selber tun.

    Zittern muss einen ja von nichts abhalten

    Michael
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  12. #12
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    Lieber Michael,

    Ja, du hast natürlich recht. Der Leser soll selbst die Entladung ergänzen. Aber mir geht es noch um etwas anderes, etwas atmosphärisches eher: die Dramarturgie gefällt mir nicht, wie soll ich sagen: von der Schwere zu den zarten Pappeln, auch wenn sie sich nicht bewegen, das kommt mir vor ... wie soll ich es ausdrücken? .... als würde man einen Liebesakt kurz vor dem Höhepunkt im Rücklauf sehen.
    Ich habe ein bisschen herumprobiert, vielleicht wird so deutlicher, was ich meine, oder auch nicht

    nicht einmal die blätter der pappel
    zittern
    bis zum horizont nur dunst
    dahinter die stadt dampft
    aufgelöst
    über der folie des wasserspiegels
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    schwingen weiß die schwäne
    mit starren flügeln
    hängen schwer die schwalben
    unterm schwarzen himmel



    Lieben Gruß
    albaa

  13. #13
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    Hallo Michael,

    was für herrliche Bilder!
    Meine Lieblingsstelle:

    im verschlungenen park
    schmatzt schwül und feucht die luft
    Hach, das würde ich am liebsten klauen!

    Albaas Vorschlag gefällt mir ausgesprochen gut, so wird die Bebilderung noch besser beleuchtet.

    Das " - wie wir?" zum Schluss würde ich ebenfalls streichen, das braucht dein Gedicht meiner Ansicht nach nicht wirklich.

    Ein äußerst spannender Text!

    Freundliche Grüße

    Isaban
    Wir lesen uns!

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