Thema: Schreckbild

  1. #1
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    Schreckbild

    Tief in den Wäldern vernahm ich das purpurne Lachen der Hölle.

    Irres Geschrei der Verdammten lähmte mein fröhliches Herz.

  2. #2
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    Ein "Distychon", das schön vor Augen und Ohren führt, wie sehr eine einzige unbetonte, dennoch schwer wiegende Doppelung (pur) und eine "falsch" platzierte, kaum ausgesprochene Silbe (-en) langweilige Metrik spannend zu gestalten vermögen.
    Dass daneben noch Inhalt und Bilder und Farben eingesetzt werden, stellt dem Schreiber/der Schreiberin ein hervorragendes Zeugnis aus.
    Kaspar Praetorius

  3. #3
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    Hallo Tynset,

    inhaltlich will mir Dein Distichon nicht allzu viel sagen. Ist das reine Fantasie, oder spielst Du auf etwas an, das ich nicht erkenne? Möglicherweise geht es um einen Drogenrausch? Dass ein Geräusch an der Farbe wahrgenommen wird, könnte darauf hindeuten, obwohl mir auch da die Logik fehlt.

    Zur Technik: Auf einen Hexameter folgt hier ein Vers, der in der ersten Hälfte Hexa- und in der zweiten Pentameter ist. Das ist ungewöhnlich. War das beabsichtigt? Ansonsten lässt sich das ganz gut lesen. Wenn Du magst, können wir uns ja noch etwas eingehender mit Deinem Distichon beschäftigen.

    LG Claudi
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  4. #4
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    Hallo Tynset,

    da dein Text im Arbeitszimmer zu finden ist, möchtest Du ihn vermutlich unter dem Gesichtspunkt ein Distichon zu sein bewertet wissen. Das überlasse ich anderen, da mich Formen noch nie interessiert haben - und mich vermutlich auch nie interessieren werden.

    Der Text als solcher gefällt mir sehr gut, da er den Titel Schreckbild endrucksvoll verkörpert. Eindrucksvoll...da Du mit relativ wenigen Silben auskommen musstest, wenig Spielraum hattest. Da muss dann jede Silbe, jedes Bild sitzen. Das ist dir m.E. wunderbar gelungen.

    Die Form war dir hier scheinbar kein Hemmschuh...sondern "Hilfe"...also der Wirkung zuträglich. Mich schränken Formen eher ein - und wenn ich ein augenscheinlich formvollendetes Gedicht schreibe, dann ist das eher dem Zufall geschuldet.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Hallo nochmal,

    ah, danke für den Hinweis auf das Arbeitszimmer, AD. Das hatte ich übersehen. Hast Du bestimmte Fragen dazu, Tynset? Wenn es ein elegisches Distichon sein soll, müsste der zweite Vers (Pentameter) die Form

    X x (x) X x (x) X || X x x X x x X

    haben. Deinen Vers auf diese Form umzustellen, scheint mir mit dem Wortmaterial schwierig. Da müsstest Du ihn etwas freier umformulieren. Du könntest aber auch statt des Pentameters einen zweiten Hexameter nehmen, d.h. Du bräuchtest eine unbetonte Endung für V2.

    LG Claudi
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  6. #6
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    Hallo Claudi, hallo A.D.

    Danke, dass ihr euch so genau mit meinem Zweizeiler beschäftigt! Deswegen habe ich ihn ja auch ins Arbeitszimmer gestellt.

    Der Pentameter verstößt zwar gegen die strenge Regel, weil die Silbe vor der Zäsur nicht betont ist oder anders gesagt, weil durch die Endung "Verdammt-en" der Vers eine Silbe zu viel hat, doch hat Kaspar freundlicherweise darin sogar noch etwas Positives gefunden. Trotzdem:

    Was für ein Fehler, verdammt! Habe ich etwa geschlampt?

    Ich knöpfe mir das Ding jetzt noch einmal vor und schaue, was es mit mir macht. Vielleicht müssen andere Rauschmittel angewendet werden, damit die Form in ganzer Reinheit erscheint?

    Herzliche Grüße
    Tynset

  7. #7
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    Hallo Tynset!

    "Form", hier die des Distichons, ist kein Selbstzweck. Einerseits. Andererseits ist in einem Distichon alles sinnvoll und auf Wirkung hin angelegt und aufeinander bezogen; ändert man etwas, bricht das ganze Gebäude zusammen. Und ob das, was man stattdessen bekommt, genauso wirksam ist? Da baute ich lieber von Grund auf ein Eigenes auf ...

    Also: Den zweiten Vers anders, "richtig", bauen, ist vernünftig, und sei es als Bezugs- und Vergleichsgröße. Über das ganze Distichon könntest du irgendwo ein, zwei doppelt besetzte Senkungen gegen schwere Senkungen austauschen, dann bekommt das Ganze etwas mehr Ruhe und Würde.

    Tief in den Wäldern vernahm ich das Purpurlachen der Hölle.

    Am unaufwändigsten so - muss man abwägen. Das Eigenwort hat Gewicht hier ...

    Gruß,

    Ferdi

  8. #8
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    Hallo Tynset,

    Du hast schon erkannt, dass es einfach kein Distichon ist. Dieser Text ist ein idealer Spielplatz für das Experimentieren mit der Form, weil er wenig zu sagen hat. Deshalb werfe ich dir einmal einen Ball zu, der ein bisschen was mit der unbetonten Silbe zu tun hat, die kaspar zu verzücken vermochte, ich hoffe, ich blamiere mich jetzt nicht mit meinem anceps:

    Tief in den Wälder, das Geschrei Verdammter im Ohr und
    satanisches Purpurlachen, vereiste mein Herz.


    Lieben Spielgruß
    albaa
    Geändert von albaa (21.05.2018 um 19:25 Uhr)

  9. #9
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    wie man wohl im Südosten satanisch betont?
    kp
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  10. #10
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    wie "Südosten"?
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  11. #11
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    Natürlich waren wir aus dem Südosten ein wenig auf diesen Einwand aus dem Nordwesten vorbereitet:

    satanisches = XxxX(anceps) weil drei Unbetonte gibt es nicht und danach kann natürlich keine Hebung kommen, also "Purpurlachen" xXXx - damit wäre der Hebungsprall des Penta besetzt.

    Verstört dich was, lieber kaspar?

  12. #12
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    Hallo zusammen,

    uiuiui, jetzt gehts aber los hier! Kaspar, was Du an einer Kombination aus Hexa und Penta im Gegensatz zur von Tynset gewählten Kombination als langweilig empfindest, ist mir ein Rätsel. Ist das Dein Ernst? Eine Zäsur zwischen zwei Hebungen würde den Rhythmus doch deutlich variieren, während er in der vorliegenden Version in beiden Versen sehr ähnlich ist?

    Albaa, in der Betonung von Purpur kommen wir nicht zusammen. Für mir gibts nur Purpur. Ferdis Purpurlachen fand ich im Hexa gut. Im Penta passt es für meine Ohren überhaupt nicht. Satanisches ist bei mir satanisches.

    LG aus dem Norden (aber sonst viel in D unterwegs und eigentlich kaum zu überraschen)
    Claudi
    com zeit - com .com

  13. #13
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    Claudi, jetzt hast du grade meine Betonungswelt wieder ins Lot gebracht, denn ich zweifelte echt an meinem Sprachgefühl. Auch für meine südwestlichen Ohren geht einzig und allein PURpurLAchen sowie saTAnisches. LG gugol
    Geändert von Gugol (21.05.2018 um 20:59 Uhr)
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  14. #14
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    Schade, konnte ich euch nicht überreden!? Mir hat das "satanische Purpurlachen" und der Zusammenhalt von Z1und2 so gut gefallen.
    Vergiss es also, Tynset:

    Als Alternative habe ich noch eine einfache formale Lösung für Z2 zu der von Ferdi vorgeschlagenen Z1 anzubieten, also wieder nur so zum Weiterdenken gedacht, nicht als gutes Distichon:

    Tief in den Wäldern vernahm ich das Purpurlachen des Satans:
    Der Verdammten Geschrei lähmte mein fröhliches Herz.


    Ich mag diese Versanfänge mit leichten Silben gerne; Schiller macht das auch.
    Ich würde jedenfalls keinen Punkt nach Z1 machen, da das Distichon sonst zu wenig inneren Zusammenhalt hat. Aber ich glaube, wenn du das Ding neu baust geht da viel, auch weniger Abstraktion, was : zB ist "das Lachen Satans" ist zum Beispiel weniger abstrakt als "das Lachen der Hölle" - Wer lacht da? Genauso das etwas blasse: "vernahm ich" könnte man auch konkretisieren: zB erschreckte/verfolgte mich - oder so

    Lieben Gruß
    albaa

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