1. #1
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    In einer Disko in F.


    In einer Disko in F.


    entdeckt Fabian, seltsam berührt,
    wie in jugendfrischem Treiben
    ansteckender Lebenswille
    brodelt, zischt und dampft.

    Der Geist weiblicher Körperkunst,
    befreit von einengender Konvention,
    steigt auf, verwandelt sich in Tanzfiguren,
    beugt, biegt, dreht sich, schnellt hoch
    wie straff gespannte Federn.

    Aus Sehnsuchtstiefen
    fließen wirre, wilde Linien,
    formulieren Körpergeschichten,
    tippen Hände, Fingerspitzen
    Telegramme von Hingerissensein
    und innerer Reserve.

    Es reißt ihn hin, er stürzt
    bedenkenlos sich ins Gedränge.
    Sein abgedämpfter Lebenstrieb..............................Sein ungestillter Lebenstrieb
    heißt ihn sich hinzugeben,
    als hätt`sein letzter Tanz begonnen.

    Nicht wann, nicht wo, nicht wie
    weiß er, wie diese Tanzorgie geendet.
    Verströmt, scheinbar versiegt
    die Quelle seiner Daseinslust.................................(Weggelassene vorletzte Strophe)
    .........................................................................Erschöpft ruht er sich aus.
    Er weiß, am nächsten Wochenende ........................Sein Atem hebt und senkt die Brust
    wird er erneut in diese Disko geh`n........................im Rhythmus starker Meereswogen.
    ..........................................................................indes die Flut in seiner Seele
    ..........................................................................zu neuen Stürmen vorwärts drängt.
    Geändert von Carolus (07.05.2018 um 18:42 Uhr)

  2. #2
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    Zitat Zitat von Carolus Beitrag anzeigen
    [B][B]ansteckender Lebenswille
    brodelt, zischt und dampft.
    Hallo Carolus,

    das erinnert mich stark an:

    "Und es wallet und siedet und brauset und zischt..."

    Ist dein Fabian also einer, der sich schon einmal kopfüber in die wilden Elemente gestürzt hat? Oder gleicht er eher jenem Schiffer im Kahn, der beim Anblick der schönen Frau der gefährlichen Felsen nicht achtet, die es offenbar auch in einer Disko zu geben scheint?

    Herzliche Grüße
    Tynset

  3. #3
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    Guten Abend, Tynset,

    "Ist dein Fabian also einer, der sich schon einmal kopfüber in die wilden Elemente gestürzt hat?" - Sicher nicht, da ich den jungen Mann kenne, auch ist er beileibe nicht einer wunderschönen blonden Loreley hoffnungslos verfallen.
    Fabian, 19 J., ist eigenständig, eigenwillig, dem Mainstream abhold, möchte Pianist werden (das Talent dazu hat er), lebt zurückgezogen, spürt, dass ihm ein Stück realer Lebenserfahrung fehlt. Er überwindet sich, besucht mit seinem Freund zum ersten Mal eine Disko und erlebt den "Durchbruch" seiner aufgestauten Emotionen. (Vgl. V 4, Z 3 u.4). Letztlich auch eine Art Initiation.

    Danke fürs Reinschauen und deine anregenden, bildhaften Fragen.

    Freundlichen Gruß
    Carolus

  4. #4
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    Lieber Carolus,

    oh, "wie in jugendfrischem Treiben" ... "Verströmt, scheinbar versiegt / die Quelle seiner Daseinslust" - ich dachte, es handle sich um einen alten Mann mit "abgedämpftem Lebenstrieb".

    Aber es ist ja nicht schlecht, wenn ein Gedciht so verschieden interpretiert werden kann

    Michael

  5. #5
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    Lieber Michael,

    deine Vermutung, " ich dachte, es handle sich um einen alten Mann mit "abgedämpftem Lebenstrieb".,erinnerte mich genau an jenen Augenblick, als ich "abgedämpfter Lebenstrieb" niederschrieb. Ich suchte und fand kein wirklich zutreffendes Adjektiv. Jetzt. angestoßen durch deine Vermutung, weiß ich, dass an dieser Stelle ein Adjektiv wie "introvertierter", "unerfüllter". "ungestillter" Lebenstrieb" besser gepasst hätte.

    Ein Wort kann wie eine Weichenstellung sein. Diese, umgelegt, fährt der Zug in eine andere Richtung und kommt an einem anderen Ort an, wie deine abschließende Bemerkung erkennen lässt. ("Aber es ist ja nicht schlecht, wenn ein Gedicht so verschieden interpretiert werden kann.")
    Übrigens, ich hatte noch eine vorletzte Strophe. Ich habe sie zugunsten einer nüchteren Feststellung weggelassen.

    Erschöpft ruht er sich aus.
    Sein Atem hebt und senkt
    die Wölbung seiner Brust
    im Rhythmus starker Meereswogen,
    indes die Flut in seiner Seele
    zu neuen Stürmen vorwärts drängt.

    Danke für dein genaues Hinschauen!

    Lieben Gruß
    Carolus

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