1. #1
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    der plan, butterbrote zu schmieren

    statt einfach nur den kopf ihr abzubeissen
    plant so ein mensch, die schlange zu zerreissen
    ihr ihren giftzahn möglichst nicht zu ziehen
    damit sie keinen grund hat, zu entfliehen

    statt einfach nur den fuss zu amputieren
    und eine fahrt im rollstuhl zu probieren
    beschliesst der mensch, er wolle nicht mehr rauchen
    dann werd er gar nicht erst zu rollen brauchen

    der mensch will alles und wird nichts erreichen
    statt einfach sich ein butterbrot zu streichen
    macht er zum wichtigsten problem von allen
    auf welche seite butterbrote fallen

    und eh der mensch ein echtes butterbrot isst
    beschwatzt er es so lange, bis er tot ist
    Geändert von kaspar praetorius (06.05.2018 um 08:59 Uhr) Grund: dank an AD

  2. #2
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    Guten Morgen, Kaspar,

    in meinen Augen formal ein perfektes Butterbrot, dass sehr zum Nachdenken in alle Richtungen anregt.

    Bei der ersten Strophe habe ich Assoziationen zu Streitparteien. Man zerreißt sich und schadet/verletzt sich und andere um so heftiger, statt gemeinsam konstruktiv nach Lösungen zu suchen (Zähne ziehen), die für alle Beteiligten ein glücklicheres Leben bedeuten würden. Man will lieber streiten, Recht behalten, den Streit (die Schlange) warmhalten. Warum.

    Die zweite Strophe ist sehr provokativ und man klebt dadurch gerade an ihr fest und sucht nach weiteren Vergleichen, die vielleicht weniger provokativ sind, aber das gleiche meinen könnten. Hier denke ich an Maßnahmen, mit denen man sich selbst immer schön am genussvollen Leben vorbei einschränkt, kasteit, anstatt einfach mal zu riskieren, sich (in einen Rollstuhl) sacken zu lassen, mit einem oder keinem Fuß mehr, aber genussvoll (an der Fluppe) saugend.

    Über die dritte Strophe müssen wir mal reden, da gibts bei mir noch Erkläungsbedarf:

    Wenn man zum Beispiel nicht - wie manch eine Idiotin - in jungen Jahren das sauer verdiente Geld auf den Kopp haut, sondern sich alles vom Munde abspart (sprich diskutiert, auf welche Seite das Butterbrot fällt) , kann man sich mit 40 ein Haus kaufen (das echte Butterbrot essen). Anderenfalls sitzt man mit 55 in einer 2 1/2 Zimmer-Wohnung. Gut, da kann man auch echte Butterbrote essen.
    Und so eins geh ich mir jetzt machen.

    Nen schönen Tag wünsche ich Dir.

    Die Richmodis

  3. #3
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    hallo k.p.

    dann werd er nicht zu rollen brauchen
    hier hast Du dich vermutlich vertippt...bzw beim kopieren versehentlich etwas unterschlagen?

    dann wird er auch nicht mehr zu rollen brauchen

    gehe mal davon aus, dass es so oder ähnlich lauten sollte...da Du ansonsten durchgängig mit 11 Silben gearbeitet hast.

    beschwatzt er es solange
    so lange


    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    liebe richmodis
    ertappt beim spielen, weiss ich wieder mal nicht, was dieser text mit sich angestellt hat.
    gerne würde ich dich und andere mit meiner Spielerei lachen machen, nun steh ich vor deinem ernsthaften Kommentar.
    und bin dann doch zufrieden, dass diese verse dich an dein eigenes Butterbrot erinnert haben.
    deshalb vielen (ernsthaften) dank für dein feedback.
    so war das spiel doch nicht vergebens.
    kaspar p.

  5. #5
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    Hallo Kaspar,

    in der Tat: Kein antiker Hendekasyllabus nach Sappho oder Alkaios, aber in romanischer Tradition ein "Endecasillabo"!

    Dass du bei den letzten beiden Versen die eigentlich obligatorische weibliche Kadenz durch eine männliche ersetzt hast, gibt einen richtigen Knalleffekt, wie er z. B. auch schon von Horaz eingesetzt wurde (es kreisen Berge und heraus kommt eine lächerliche Maus / ".... riduculus mus").

    (Ein winziger Vorschlag: Statt "eine Fahrt im Rollstuhl zu probieren" vielleicht "Eine Fahrt im Rollstuhl zu riskieren"?)

    Ein köstliches Butterbrot!

    Herzliche Grüße
    Tynset

  6. #6
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    Also meins fiel jetzt dreimal auf die Nichtbutterseite und jetzt streich ich mir ein neues
    oder sollte ich lieber nicht, Fett schadet, aber nein, das geht nicht, weil ich muss
    ja dann aufs Mountainbike, da brauche ich die Kalorien; gut ich lass die Butter weg
    oder lass ich doch lieber das Radfahren ... und denke ein bisschen darüber nach, woran
    ich am liebsten einstens sterben werde und schreibe darüber ein Gedicht?

    Gern gelesen und wie du siehst, hat es mich zum Experimentieren und zum Nachdenken angeregt.

    Wie war das mit der Schlange noch? Adam und Eva ...

    Lieben Gruß
    albaa

  7. #7
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    @ albaa: Lass das Radfahren!! Sonst kannst du dir 6 Wochen lang kein Butterbrot mehr selber streichen. Glaub mir, ich sprech aus Erfahrung.

    @ kaspar: Der Titel hat mich ja sooo gwunderig gemacht. Ein bisschen war ich dann enttäuscht, weil für mich das Thema zu wenig ausgebreitet und mit zwei sehr anderen Bildern angereichert ist. Aber: Die Grundaussage dahinter, wie sie sich mir erschliesst, nämlich dass Menschen dazu neigen, sich nie mit dem Zweitbesten zufrieden zu geben und dadurch stets im Wollen steckenbleiben, anstatt sich mal mit den Gegebenheiten zu arrangieren, fand ich gut.
    LG gugol

  8. #8
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    Zitat Zitat von Gugol Beitrag anzeigen
    @ albaa: Lass das Radfahren!! Sonst kannst du dir 6 Wochen lang kein Butterbrot mehr selber streichen. Glaub mir, ich sprech aus Erfahrung.

    Oje, du Arme, gute Besserung!
    Vielleicht in Zukunft doch besser mit Stützrädern?
    LG
    albaa
    p.s. Zum Trost: Ich hatte schon mehrere gebrochene Rippen, li! Hand, einige genähte Schnittwunden und einige weniger beeinträchtigende Verletzungen - natürlich nicht alles auf einmal!

  9. #9
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    Verfehltes Dasein

    Es war einmal ein Butterbrot,
    litt schrecklich große Daseinsnot.
    Es fiel vom Tisch ins Bodenlose.
    Zum Glück: Kein Fleck auf meiner Hose!

  10. #10
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    hallo zusammen

    horaz hätte riskieren statt probieren gewählt. (hätte er wirklich? bei uns in der schweiz ist das lateinische probare noch sehr lebendig, wir probieren in jeder lebenslage). aber dein vorschlag, tynset, hat einiges für sich.
    ausser für deinen vorschlag danke ich auch für die gereimte Vertiefung.

    wenn der Indoor-Spielplatz leer ist (Sommerwetter?), zählen Kommentare von Radfahrern doppelt. danke albaa.

    o gugol, wie kann man nach deinen Erfahrungen über einen titel am rande stolpern? du solltest wissen, dass ich mindestens so unüberlegt reime, wie du rad fährst. hoffe, diese nwunde verheilt schnell und die andere noch schneller.

    schönen abend
    kaspar praetorius
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  11. #11
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    Zitat Zitat von Tynset Beitrag anzeigen
    Verfehltes Dasein

    Es war einmal ein Butterbrot,
    litt schrecklich große Daseinsnot.
    Es fiel vom Tisch ins Bodenlose.
    Zum Glück: Kein Fleck auf meiner Hose!
    Wenn ein Butterbrot
    oder ein Schnittchen
    mit Ei und Wurst
    (mit Ei und Wurst!)
    vom Tisch ins Bodenlose fällt,
    dann wurde es geschmiert
    am Rand der Welt.

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