Thema: Behinderung

  1. #1
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    Behinderung

    Ich bin behindert
    Meine Chancen vermindert
    Werde weniger begehrt
    Bin doch liebenswert

    Wie soll ich damit umgehen
    Wenn andere mich ansehen
    Als wäre ich ein Ungeheuer
    Für den Staat zu teuer?

    Ich rede mir ein
    Ich will so sein
    Doch wünschte ich
    Ich wäre es nicht.

    Dann könnte ich alles machen
    Tanzen, leben, lieben, lachen
    Aber ich bleibe eingeschränkt
    Die Behinderung mein Leben lenkt.
    Geändert von Bella86 (12.05.2018 um 15:26 Uhr)

  2. #2
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    Hey Bella86 und willkommen hier, wo keiner danach fragt, wie jemand aussieht oder sich bewegt. Nun, das ist ein schwacher Trost, denn das Leben findet eben nicht am Computer statt - naja zumindest nicht hauptsächlich, gerade eben habe ich nämlich einen wunderbaren Nachmittag mit einem lieben Freund verbracht, den ich nur am Computer treffen kann.
    Dein Text ist stark, ist kein Gejammer, sondern einfach sehr ehrlich.
    Ich erlaube mir zwei formale Anmerkungen: S3Z1 ist ein Tippfehler "ich rede miR ein"
    Die allerletzte Zeile finde ich schade, dass es so eine verdrehte Satzstellung ist, gerade weil du davor wunderbar "normale" Sätze mit guten Reimen hingekriegt hast.
    Vorschlag: Weil Behinderung mein Leben lenkt // weil "behindertsein" mein Leben lenkt. Letzteres hätte noch eine Doppeldeutigkeit, nämlich dass sich das Lyrische Ich (LI) auch wirklich eingeschränkt fühlt und diese Einschränkungen so dominant sind, dass sie das Leben lenken. Hingegen "Behinderung" ist eher eine Art Status.
    So oder so, ein gelungenes Gedicht zu einem schwierigen Thema. LG gugol

  3. #3
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    Hey Gugol,
    vielen Dank für deine lieben Worte zu meinem Gedicht. Ich freue mich sehr hier zu sein. Fairerweise möchte ich sagen, dass es sich hierbei um ein fiktives Gedicht handelt und ich nur teilweise betroffen bin.
    Den Tippfehler habe ich natürlich sofort korrigiert Zu meiner letzten Zeile: Weil DIE Behinderung mein Leben lenkt, finde ich sprachlich fließender.
    Aber danke, dass du dich so aufmerksam und ausführlich mit meinem Gedicht auseinander gesetzt hast. Und das es dir gefällt freut mich natürlich sehr.

  4. #4
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    Hallo Bella,

    Behinderungen gibt es viele, mit manchen lässt sich wohl besser, mit anderen schlechter leben.

    Da ich selbst blind bin, weiß ich, wovon ich spreche.

    Auch ich kenne natürlich die Gefühle, die du in deinem Gedicht aussprichst, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Selbstmittleid - und das drückt sich in deinem Text aus - und die Gedanken "was wäre wenn...?" nicht weiter helfen.

    Aber dein Gedicht hat mich angeregt, demnächst mal eines meiner Machwerke zu diesem Thema hier einzustellen.

    Herzliche Grüße
    Tynset

  5. #5
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    Hallo Bella86,

    ich finde Gugol hat es sehr gut auf den Punkt gebracht. Dein Text kommt ehrlich rüber; dabei spielt es für mich keine Rolle...ob es sich um eine Kopfgeburt...oder um einen authentischen...einen autobiografischen Text handelt. Auch was die letzte Zeile betrifft...stimme ich Gugol zu - ich hätte wohl den gleichen Vorschlag hinterlassen.

    Ich selbst bin nicht behindert (auch wenn da jetzt einige widersprechen werden ), aber ich lebte mal einige Jahre mit einer Frau zusammen, die eine behinderte Tochter hat. Mit dem Unterschied, dass sie, das Mädchen, sich...anders als das Ly-I, ihrer Behinderung nicht bewusst war. Sie hat ein so liebenswertes Wesen, dass im Vergleich dazu eher alle um sie herum wie Behinderte wirkten. Ich habe keinen Kontakt mehr, aber vermutlich ist das heute noch so der Fall.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  6. #6
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    Hallo Tynset,

    gerne würde ich mal ein Gedicht zu diesem Thema von dir hören.
    Ich habe versucht die Gedanken einer stark eingeschränkten Person einzufangen. Natürlich bringt Selbstmitleid nichts aber man kann auch nicht immer stark sein und die Entbehrungen ignorieren.
    Es geht mir bei dem Gedicht eigentlich darum die Innenwelt einer behinderten Person zu beschreiben und damit ein Mitgefühl zu vermitteln.

    LG Bella86



    Hallo andere Dimension,

    danke für dein Kompliment. Es freut mich sehr, wenn der Text ehrlich rüberkommt. Das ist mir auch sehr wichtig.
    Ich möchte das der Leser mitdenken und mitfühlen kann.
    Vielen Dank für deinen Kommentar.

    LG Bella86

  7. #7
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    Hallo Bella,

    Dein Gedicht drückt sehr gut aus, was jemand fühlt, der versteht, dass er unter dem Blick und im Maßstab der anderen vermindert, also weniger wert ist, sich fragt, wie damit umzugehen ist, als Ungeheuer gesehen zu werden, dem Staat auf der Tasche zu liegen, sich einredet, dass es so gut ist und sich gleichzeitig wünscht, es wäre anders, um zum Schluss nach einigen Träumen, wie es sein könnte, zu erkennen, dass aus der Falle nicht herauszukommen ist.

    Dies muss nicht zwangsläufig die "Falle" der Behinderung sein.

    Deine Ermunterung macht mir jedenfalls Beine, meine Sicht der Dinge - auch wenn ich sie gar nicht sehen kann - einmal in einem Gedicht zu Gesicht zu bringen für alle Sehenden. Danke dafür!

    Herzliche Grüße
    Tynset

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