Thema: Da!

  1. #1
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    Da!

    An den See gingen wir, an den zweiten
    (der erste lag leise im Schatten),
    die Sonne schnitt Rauten in Wellen,
    Libellen umflirrten das Wassergeglitzer,
    ein Entenpaar tauchte, als graujunge Molche
    sich ufernah freiten, da taumelte federleicht
    Pappelgefluse und suchte sich zutraulich
    Heimat im Haar und das Gras war so grün und
    im Weiten, hoch oben, das Blau war knallblau
    und ich küsste dich zärtlich, wohlwissend:
    Genau das ist Glück.
    Wir lesen uns!

  2. #2
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    Hallo Isa,

    Ich habe, wie du schon bemerkt hast, auch ein paar Seegedichte geschrieben, aber ein so schönes ist mir nicht gelungen.

    Mich fasziniert diese Sinnlichkeit, wie mich diese Bilder mitnehmen an deinen See; besonders schön finde ich das zutrauliche Pappelgefluse und das knallblaue Blau.

    Auffällig die Diphtonge "ei" und "au", was gar nicht dunkel wirkt, sondern mit den Assonanzen "Raute - tauchte - taumelte", Räume öffnet - am See, unter Wasser und in der Luft

    Die "ei"- Binnenreimen "den zweiten - freiten - im Weiten" schaffen ebenfalls Platz. "den zweiten" - nicht den im Schatten, den im Licht! Ist das nach "im Weiten" entstanden?

    Auch schön:
    "Wellen/Libellen umflirrten das Wassergeglitzer" - das ist Musik!

    ... und überhaupt diese ungekünstelte, "einfache" Sprache, die nicht im Entferntesten altbacken oder abgegriffen wirkt und jedes Wort sitzt und Klang erzeugt, beeindruckt mich sehr.

    Und jetzt muss ich sofort jemanden küssen, bevor ich den See wieder verlassen muss.

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Hallo Isaban,

    eine Gratwanderung...was Fülle an und Dichte der Metaphern betrifft...aber letztendlich ein schöner, ein mich beeindruckender Text.

    das Gras war so grün und
    im Weiten, hoch oben, das Blau war knallblau
    Für mich das einzige Haar in der Suppe - nicht wegen der Wiederholung selbst...aber es hat ein wenig den Charakter einer Aufzählung.

    Eine schöne "Arbeit", für die mein Applaus das mindeste an Lohn ist.

    Gruß, A.D.

  4. #4
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    Hallo, ihr beiden!

    @ albaa:

    Ja, ich habe bereits in deinen Seegedichten gestöbert und finde verflixt viele der von dir gezeigten Bilder und Momentaufnahmen wundervoll, also nicht tiefstapeln hier!
    (Wie war der Kuss?)

    Ich freue mich riesig, dass der Text dir gefällt.
    Hab herzlichen Dank für deine Rückmeldung und das Stöbern in meiner kleinen "Komposition".

    Liebe Grüße

    Isa

    @ A.D.:

    Freut mich, dass der Text dich locken konnte. Na klar - dein Lob freut mich auch.

    Zu dem Haar in der Suppe: Hm. Es ist im Grunde eine Art Aufzählung. Eine Aufzählung dessen, was das LI wahrnimmt, eine Betrachtung der Umgebung, ein Festhalten auf der inneren "Festplatte", ein kopfinternes Erinnerungsfoto für diesen Augenblick des Glücks. Es wird alles zusammengefasst, was das LI sieht, was das LI einfangen kann, in diesem Moment, in dem ihm klar wird: Das sind die äußeren Umstände und jetzt, genau jetzt bin ich glücklich.

    Ich wüsste nicht, wie das anders zu regeln sein sollte - und vermag auch nicht wirklich zu erkennen, warum dieser schweifende Blick, dieses Aufzählen, diese "Bestandsaufnahme" da negativ wirken sollte. Vielleicht erklärst du es mir noch einmal.

    Vielen Dank für deine Rückmeldung.

    Liebe Grüße

    Isaban
    Wir lesen uns!

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