1. #1
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    Spalten und Risse

    Auf Strassen und Plätzen, an Häusern und Mauern
    verbreiten sich Spalten und Risse in Eile.
    Weil überall Ritzen und Schlaglöcher lauern,
    benötigt die Müllabfuhr heut eine Weile.

    Passanten rennen ums tägliche Leben,
    Flüchtige sieht man in Schächten kauern,
    Laptop im Arm, in den Augen ein Beben.
    Man hofft auf ein Ende und weiss: Es kann dauern.

    Die Uhrzeiger drehen im Leeren, die Handys
    verstummen nicht eine Sekunde und schlagen
    Alarm. Ich gucke und sage mir: Wenn dies
    die Norm wäre, wäre das kaum zu ertragen.
    Geändert von kaspar praetorius (19.05.2018 um 01:14 Uhr)
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  2. #2
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    Hallo kaspar,

    jetzt hat der Daktylus dich aber erwischt, was?

    Ab und zu scheinst du mir aber ein bisschen vom rechten Pfade abgekommen.
    Ich ixe mal durch, wie ich die Betonungen deines Textes lesen würde, dann siehst du, wo es noch hoppelt.

    Freundliche Grüße

    Isaban

    Auf Strassen und Plätzen, an Häusern und Mauern
    x Xx x Xx x Xx x Xx
    verbreiten sich Spalten und Risse in Eile.
    x Xx x Xx x Xx x Xx
    Weil überall Ritzen und Schlaglöcher lauern,
    x Xxx Xx x Xxx Xx
    benötigt die Müllabfuhr heut eine Weile.
    xXx x Xxx X xx Xx

    Passanten rennen ums tägliche Leben,
    x Xx Xx x Xxx Xx (vielleicht "es rennen Passanten ums tägliche Leben"?)
    Flüchtige sieht man in Schächten kauern,
    Xxx X xx Xx Xx (Vielleicht „die Flüchtigen sieht man in Hausecken/im U-Bahnschacht kauern“ o.ä.?)
    Laptop im Arm, in den Augen ein Beben.
    Xx x X x x Xx x Xx (Vielleicht „das Laptop im Arm, in den Augen ein Beben?)
    Man hofft auf ein Ende und weiss: Es kann dauern.
    x X x x Xx x X x x Xx (weiß mit ß)

    Die Uhrzeiger drehen im Leeren, die Handys
    x Xxx Xx x Xx x Xx
    verstummen nicht eine Sekunde und schlagen
    xXx x Xx xXx x Xx
    Alarm. Ich gucke und sage mir: Wenn dies
    xX x Xx x Xx X x X (vielleicht „Alarm und ich gucke und sag mir: Wenn dies?“
    die Norm ist, dann wäre das kaum zu ertragen.
    x X x x Xx x X x xXx („ist“ und „wäre“ passen in diesem Kontext nicht wirklich zusammen, wie wäre es hier mit „die Norm ist, dann ist sowas kaum zu ertragen“ oder „die Norm wäre, wäre das kaum zu ertragen“?)
    Wir lesen uns!

  3. #3
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    guten tag isaban
    danke für deine Kritik.
    eine stelle habe ich, obwohl ich gehofft hatte, man könne den witz mit Indikativ/konjunktiv verstehen, oben umgeändert.
    k-p-

    kleine korrektur meinerseits: auch strasse sollte mit sz geschrieben werden.

  4. #4
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    Hi Hallo Kaspar,

    Deine Verse weisen eine ansprechende Dynamik auf. Die Gleichzeitigkeit, mit der alles geschieht, nachdem es erst einmal mit den Spalten und Rissen begonnen hat, erinnert mich an den Film: "Krieg der Welten". Vor allem natürlich wegen der Risse und Spalten.
    Cooles Gesamtbild, irgendwie.

    Freundlichst

    zwischenwelt

  5. #5
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    hallo zwischenwelt
    auch dir ein dankeschönst.
    besonders für die Einschätzung der "Dynamik" (wobei man von mir aus gerne diskutieren darf, was ausserhalb der musik damit gemeint sein kann. ich selbst will nicht, es überfordert mich.)
    k.p.
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  6. #6
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    Hi nochmal,

    Dynamik ohne Musik? Gedankliches Tempo durch schnelles Aufeinanderfolgen von Bildern, Handlungen, die wie hier bei Dir eine Gleichzeitigkeit formulieren. Und Wörter wie: "Eile - überall lauern - rennen - Flüchtige - Beben - drehen - verstummen nicht - schlagen - Alarm" Und natürlich während des lauten Lesens ... hast Du mal probiert? Klar gibt es auch Versteile, die ausbremsen:" Eine Weile - kauern - es kann dauern" Die sind aber verschwindend gering.

    Ich bekam eben eine Einblendung, ich solle meine E-Mail Adresse angeben ?... Macht man hier so etwas kontrollmäßig? Hab ich ja eigentlich schon ...

  7. #7
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    Hallo Isaban, zwar fallen hier keine Züge von den Brücken, doch auch das Gedicht erinnert mich an Expressionismus. Wenn ich aber diesen Maßstab anlege, bin ich metrisch mit einem Fuße bereits im freien Vers. Ich ahne bei Kaspar, dass sein musikalisches Ohr jede rhythmische Abweichung registriert. Also gehe bei seinen Stolpersteinen immer davon aus, dass sie nicht zufällig da sind. Natürlich kann ich mich darin täuschen, aber wir alle täuschen uns unentwegt. Oder?

    ,
    Genau so, oder eben ganz anders!

  8. #8
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    Hallo Artname,

    lyrischer Expressionismus kann sich sowohl im freien Vers als auch - wie z.B. bei diesem Text- in klassischer Gedichtform zeigen.

    Ich kenne kaspar nicht. Ich kenne nicht einmal viele seiner Texte, aber was ich las, zeigte nicht selten "rhythmische Abweichungen".
    Aus seinem Kommentar unter einem meiner Texte (Wiederkäuer), war zu erkennen, dass ihm der Daktylus bis dahin fern lag.
    Sollten seine "rhythmische Abweichungen" stilistisch begründet sein: gut.
    Ich konnte allerdings bislang in seinen Texten keine stilistischen Begründungen für die Rhythmushoppler erkennen - was natürlich auch an mir liegen könnte.

    Und klar, wir täuschen uns unentwegt.
    Geändert von Isaban (19.05.2018 um 12:54 Uhr)
    Wir lesen uns!

  9. #9
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    Oops. Ich sag es mal so: Ich hatte mit kaspar ungewöhnlich viele, wenigstens von seiner Seite mE stets fundierte Diskussionen zur Metrik. Aber was nützen uns Namen.

    Ich verstehe ALLE deine aufgezählten Abweichungen vom durchgehenden Daktylus. Finde auch deine Vorschläge gut. Aber wie gesagt, eventuell hat Kaspar bewußt gegen den durchgehenden Daktylus verstoßen. Mit dem Risiko, dass auch wohlmeinende Puristen darüber stolpern.

    Bewußte rhythmische Verstöße - ein Phänomen, das für Musiker so selbstverständlich ist, wie Zucker im Kaffee. Unabhängig vom Geschmack.
    Ich vermute allerdings, mit all diesen Gedanken renne ich bei dir offene Türen ein.

    lg
    Geändert von Artname (19.05.2018 um 13:28 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  10. #10
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    Jepp, weit offene Türen. Sobald sie an passender Stelle als stilistisches Mittel zur Unterstreichung des Inhaltes genutzt werden, finde ich sie vollkommen legitim und habe sie schon oft gelungen eingesetzt gesehen. Wie gesagt, hier in diesem Text konnte ich keine stilistische Begründung entdecken. Aber vielleicht erklärt uns kaspar ja, warum die oben bezeichneten Stellen hier im Text holpern sollen.

    LG
    Wir lesen uns!

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