1. #1
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    gepimmtes Triolett

    .
    .


    Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    Doch ich, ich wandle stumm.
    Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    Es sprechen und leuchten die Heiligen
    Und schaun mitleidig mich an
    “Sei unserm Heiland nicht böse,
    Du armer blasser Mann.“
    Nachts laufe ich in der Kapelle herum;
    Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    Doch ich, k ich wandle stumm.

    Das Triolett! Nach den Vorlagen von Ferdi und Gugol fühlte ich mich genötigt, diese Versform auszuprobieren. Nun ja, vermutlich habe ich in der Form etwas übertrieben. Ich habe mir Passagen und einen "Wirkeffekt" von H.Heine gemopst. Wer weiss welches Gedicht ich meine?

    lg fietje

  2. #2
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    Hey Butenlänner, ich kenn mich mit der Form noch nicht so gut aus, aber mir scheint, da hast du zünftig gepimmt. Insbesondere die reimlosen Zeilen 7 und 8 dünken mich ziemlich untriolettig. Und nein, ich kenn mich mit Heine noch weniger aus als mit Trioletten. LG gugol

  3. #3
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    Hi Fietje,

    dachte ich mir schon, dass Du gleich loslegst. Das Heine-Gedicht dürfte wohl dieses hier sein, aus dem Buch der Lieder "Lyrische Impressionen 45", stimmts? Zum Glück haben wir es bei den alten Meistern, so dass ich es hier verlinken kann. Bei der Gelegenheit muss ich auch mal Nachteule loben. Der fleißige Vogel hat unseren Bibliotheksbestand in ca. zwei Jahren von anfangs 4500 Gedichten auf satte 18500 aufgestockt. Das war jedenfalls der Stand vor etwa einem Monat. Applaus!

    Dein Triolett ist für meinen Geschmack eine Spur zu doll gepimpt. Du hast die Reimfolge ABCABdedABC. Den Mittelteil mit der Waisen finde ich schön. Die Dreierwiederholung ist mir etwas zu viel des Guten. Vielleicht würde ich die Kapelle in den Titel nehmen, z.B. "Nachts in der Kapelle" und versuchen, aus den verbleibenden Wiederholungsversen noch einen a- und/oder b-Reim rauszuholen. Hm, klingt sehr theoretisch, ich weiß. Hab nur momentan keinen konkreteren Vorschlag dazu.

    Auch die Satzstellung:

    Es sprechen und leuchten die Heiligen

    finde ich nicht ideal, zumal Du auf die Heiligen ja sowieso nicht reimst. Dann könnte es ja auch heißen:

    Die Heiligen sprechen ...
    nur ich, ich wandle stumm


    Vielleicht fände sich statt dem Leuchten dann noch ein geeignetes Reimwort? Ist nur so ein Gedanke. Aber vielleicht gefällt es Dir ja gerade so, wie es da steht. Dann brauch ich mir nicht weiter den Kopf zu zerbrechen. War mir jedenfalls eine Freude, meine Nase hier reinzustecken!

    LG Claudi
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  4. #4
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    Hallilalo,
    ja, diese wohl sehr bekannten und beliebten Verse von Heinrich Heine bildeten die Grundlage für mein gepimmtes Triolett:

    Am leuchtenden Sommermorgen
    Geh ich im Garten herum.
    Es flüstern und sprechen die Blumen,
    Ich aber, ich wandle stumm.

    Es flüstern und sprechen die Blumen,
    Und schaun mitleidig mich an:
    "Sei unserer Schwester nicht böse,
    Du trauriger, blasser Mann!"

    Ich bin quasi aus dem Garten in die Kapelle gezogen. Heinrich Heine möge mir hold sein und mir dieses Spielchen mit seinen Versen gönnen.

    Ein gutes Triolet zu machen,
    gehört nicht zu den leichten Sachen.
    Vergebens bildet der sich ein,
    Ein gutes Triolet zu machen,
    Den nicht die Pierinnen weihn.
    Ein feiner Satyr muss uns lachen,
    Und Amor selbst Gehülfe seyn,
    ein gutes Triolet zu machen.


    Dieses sehr alte Triolett stammt von Joh. Nic. Götz. und fehlt bestimmt noch im Archiv.


    Das Triolett war genau das richtige, um meinen poetischen Motor Starthilfe zu geben. Vermutlich triolettiere ich nun des öfteren so vor mich hin und liefere in Kürze nach. Jo werte Claudi, mein gepimmptes Triolett gefällt mir selbst und bedarf keine Änderungen, besser geschrieben, Heines blumige Verse begeisterten mich wortwörtlich. Bleibt mir also nur zu hoffen, nicht das Schicksal der Pierinnen zu teilen.

    Allerliebste Grüsse an unsere Nachteule. Tss Ts Ts es fehlen Harro Harring Gedichte....
    lg
    fietje
    Geändert von Butenlänner (23.05.2018 um 20:10 Uhr)

  5. #5
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    Zitat Zitat von Butenlänner Beitrag anzeigen
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    Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    Doch ich, ich wandle stumm.
    Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    Es sprechen und leuchten die Heiligen
    Und schaun mitleidig mich an
    “Sei unserm Heiland nicht böse,
    Du armer blasser Mann.“
    Nachts laufe ich in der Kapelle herum;
    Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    Doch ich, k ich wandle stumm.

    Das Triolett! Nach den Vorlagen von Ferdi und Gugol fühlte ich mich genötigt, diese Versform auszuprobieren. Nun ja, vermutlich habe ich in der Form etwas übertrieben. Ich habe mir Passagen und einen "Wirkeffekt" von H.Heine gemopst. Wer weiss welches Gedicht ich meine?

    lg fietje
    Servus Fietje,

    Schön, dass du wieder mitmischt, ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht.
    Deine eigenwillige Herangehensweise macht Spaß, aber ich denke das hätte eher unter Humor und Satire gepasst; mir scheint, du magst weder Triolette noch bist du besonders gläubig.

    Lieben Gruß
    albaa

  6. #6
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    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen
    Servus Fietje,

    Schön, dass du wieder mitmischt, ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht.
    Deine eigenwillige Herangehensweise macht Spaß, aber ich denke das hätte eher unter Humor und Satire gepasst; mir scheint, du magst weder Triolette noch bist du besonders gläubig.

    Lieben Gruß
    albaa
    Hi albaa, schön dich wiederlesen zu dürfen.
    ich bin mir sicher, du vermagst poetische Weltbilder und Charaktere gut einzuschätzen, aber hinsichtlich meines religiösen Weltbildes und meiner Begeisterung für das Triolett schätze ich mich anders ein. Vom Fühlen zum Denken, so ergeht es mir oft bei der Poesie und anderer Kunst, wie auch in der Kirche, oder wie hier in der Kapelle eines Krankenhauses. Bei mir gerät das Fühlen in einer Kirche in Höchstwallung, mitnichten nur euphorisch, im Gegenteil, oft offenbart sich Mitgefühl, Anerkennung oder Dank darin, sprich das Gefühl wird vielseitig herausgefordert und scheinbar scheine ich mich Gott mittels Gefühlen zu nähern, was auch in meinen Heineversen zum Ausdruck kommen sollte. Nun ja, ich bin am längsten und liebsten allein in dieser kirchenartigen Kapelle und sitze dort oft lange Zeit (herum). Dort leuchten wirklich die Heiligen, denn sie sind zur linken in 4 mind. 3 Meter hohen Bildfenstern dargeboten. Die heilige St. Elisabeth, der mir noch unbekannte heilige Antonius, die heilige Clara und natürlich der heilige Franziskus. Die Seelsorge wird von Protestanten geleitet und die Nonnen des heiligen Blutes laden zum beten ein, was ich besonders zu schätzen weiß. Hier ist die Konfession also zweitrangig, was ich als selbstverständlich betrachte. Der Gesang der Nonnen läuft mir als Liebhaber der Poesie runter wie Öl, und ja, ich habe auch schon einige Verse in den Anbetungen beigetragen.
    Notiert habe ich einen Hölderlin Vers (was die Päpste können, das kann ich auch) : -sorglos schlummert die Brust und es ruhen die strengen Gedanken-. Trotz Krankheit und Krankenhausaufenthalt fühle ich mit in Gottes Hand (ich bin nicht getauft) und manchmal schaukelt er mich liebevoll. Wenn dieser Zustand nicht zum Triolettieren einlädt, welcher dann? Um wieder in die Poesie zu tauchen, fehlte mir ein Anstoß, Ferdi spielte mir genau den richtigen Ball zu, dass Triolett. Ich finde dein Triolett sehr gelungen, aber ein gigantisches, bombastisches, affengeiles Megatriolett habe ich noch nicht entdecken können. Naiv darf es sein, die Wiederholungen dürfen aus sich selbst heraus neue Felder ansprechen, niemals sollten sie aber nervern. Es sollte rund klingen, oft sind diese Art der Verse abgehakt. Ob Sonett oder Triolett, beides Formen verlangen höchste Konzentration beim verfassen, wobei ein Sonett scheinbar die schwierigere Form darstellt, aber dieser Eindruck kann täuschen. Die Freiheiten die ein Triolett bilden, fordern zur Komposition heraus, ein Sonett hat immerzu die gleichen Noten. Hier liegt die Kunst im wesentlichen, die ein Triolett mMn ausmacht: Die Komposition! Und das mag ich!
    Lg aus dem Hospital
    fietje
    Geändert von Butenlänner (26.05.2018 um 12:49 Uhr)

  7. #7
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    Lieber Fietje,

    Na, da habe ich mir ja anscheinend nicht umsonst Sorgen gemacht. Ich hoffe, du bist bald wieder gesund!


    Deine Auf/Erklärung finde ich sehr poetisch ... Danke! Jetzt lese/verstehe ich dein Trolett anders, die formale Beurteilung überlasse ich lieber Ferdi.

    Lieben Gruß
    albaa

  8. #8
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    Lieber Butenlänner,

    Ich muss gestehen ich bin mit diesen vielen Gedichtarten durcheinander gekommen
    Rondolet, Rondel, Rondeau, Triolett und jetzt Dein gepimmtes Triolett

    1a Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    2b Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    3c Doch ich, ich wandle stumm.
    1a Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    2b Es sprechen und leuchten die Heiligen
    4c Und schaun mitleidig mich an
    5d “Sei unserm Heiland nicht böse,
    6e Du armer blasser Mann.“
    1a Nachts laufe ich in der Kapelle herum;
    2b Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    3c Doch ich, ich wandle stumm.

    Beispiel für ein Triolett Falterfreuden von Renate Golpon

    1a Ich seh den Falter sich entfalten.
    2b Die Blume spürt den Falter kaum.
    3a Sie kann ihn ohne Schwanken halten.
    1a Ich seh den Falter sich entfalten.
    4a Er will wohl seines Amtes walten;
    5b denn Nektar ist des Falters Traum.
    1a Ich seh den Falter sich entfalten.
    2b Die Blume spürt den Falter kaum …

    LG Hans
    Geändert von Hans Plonka (02.06.2018 um 19:15 Uhr)
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  9. #9
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    Zitat Zitat von Hans Plonka Beitrag anzeigen
    Lieber Butenlänner,

    Ich muss gestehen ich bin mit diesen vielen Gedichtarten durcheinander gekommen
    Rondolet, Rondel, Rondeau, Triolett und jetzt Dein gepimmtes Triolett

    1a Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    2b Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    3c Doch ich, ich wandle stumm.
    1a Nachts lauf ich in der Kapelle herum;
    2b Es sprechen und leuchten die Heiligen
    4c Und schaun mitleidig mich an
    5d “Sei unserm Heiland nicht böse,
    6e Du armer blasser Mann.“
    1a Nachts laufe ich in der Kapelle herum;
    2b Es sprechen und leuchten die Heiligen,
    3c Doch ich, ich wandle stumm.

    Beispiel für ein Triolett Falterfreuden von Renate Golpon

    1a Ich seh den Falter sich entfalten.
    2b Die Blume spürt den Falter kaum.
    3a Sie kann ihn ohne Schwanken halten.
    1a Ich seh den Falter sich entfalten.
    4a Er will wohl seines Amtes walten;
    5b denn Nektar ist des Falters Traum.
    1a Ich seh den Falter sich entfalten.
    2b Die Blume spürt den Falter kaum …

    LG Hans
    hi,
    du bist mit den Formen nicht durcheinandergekommen, dafür bist du metrisch viel zu gut geschult. Ich vermute eher, dass dir diese offene Tür des Komponierens einen sehr weiten Blick auftut. Ich meine, diese Weite sollte man nicht versuchen in Gänze zu erblicken, man würde wohl erblinden. Aber darin baden macht Freude, was mich auch an spontane Musiksessions erinnert, wo man zwar mit Takten spielt, diese aber alle spontan und ungezwungen aus der Weite herausholt, oder kommen lässt. Dieses ist eine Art der höchsten und tiefsten musikalischen Empfindungen die ich imstande bin zu erleben.
    Ob diese spontane Art, die auch in meinen -Heinegepimmten Triolettieren- Ausdruck zu erlangen gesuchte, noch ein schulmäßiges Triolett ist, ist dann wohl zweitrangig? - Nachts lauf ich in der Kapelle herum - schlägt am Anfang sehr stark (XX) und scheint mir fast zu mächtig?
    Die von dir zitierten Falterfreuden von Renate Golpon gefallen mir, typischere Merkmale kann ein Triolett wohl nicht aufweisen.
    Lg fietje

  10. #10
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    Lieber Butenlänner,

    meine Fähigkeit metrische Reime zu schreiben würde ich nicht als Ergebnis von Schulung bezeichnen. Es ist mehr ein Ergebnis von hartnäckigen Bemühungen und auch dem Willen unterschiedliche Gedichtarten, meist nach Beispielen, zu schreiben. Heute freue ich mich über meine Gedichte, die mir gelungen sind. Dabei denke ich, dass auch Abweichungen sinnvoll und interessant sein können.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

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