Thema: Deep

  1. #1
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    Deep

    Wer kann sie noch zählen,
    die Quellen der Tränen,
    die Risse und Stiche,
    die Schrammen und Schmisse.

    Wir sitzen im Dunkeln
    der Kinos und wischen
    die Augen - und laufen
    wie Diebe davon.

    deep, deep, deep,
    wie Diebe
    deep, deep, deep,
    wie Diebe

    Wer kann sie noch zählen,
    die Quellen der Tränen,
    die Risse und Stiche,
    die Schrammen und Schmisse.

    Deep, deep, deep,
    wie Diebe
    deep, deep, deep,
    wie Diebe
    Geändert von Artname (22.05.2018 um 12:24 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  2. #2
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    Hallo Artname,

    dein Text gefällt mir (bis auf den Titel vielleicht, wie wäre es da mir "Heimlich" oder "Verstohlen" o.ä.? „Diebisch“ passt m.E. eher zur Freude, zu Elstern oder zu Diebstahl) sehr gut.

    Ich mag diesen wiegenden, drängenden Daktylus mit Auftakt, der insbesondere in S1 -durch die Binnenreime und Alliterationen zusätzlich an Tempo und "Drang" gewinnt, bis sich dann in S2 ein Ausbruch/die Flucht dadurch abzeichnet, dass man/der Leser/das lyrische Wir sich irgendwann keinen Reim mehr darauf machen kann, bis man dann zum Schluss völlig aus dem Takt kommt. Bis nur noch dieses Wiegen bleibt, bei dem ich mir ein einsames Kind (das Kind in uns allen) vorstelle, das sich - sich zum Selbsttrost umarmend - aus lauter Angst hin und her wiegt, bis es dann aufspringt und sich davonschleicht oder gar flüchtend davonrennt.

    In diesem Zusammenhang betrachte ich den klassischen Sprachgebrauch in S1 als besonders passend – es ist ein klassisches Thema und die Problematik wird durch uns genau so gehandhabt, wie bei unseren Ahnen. S2 zeigt (so zumindest meine Auslegung) dann deutlich, dass diese Handhabe jetzt – wie damals – nie wirklich funktioniert hat.

    Keiner mag beim Heulen ertappt werden, keiner mag schwach und verletzlich wirken, obschon wir es doch alle sind, auch wenn wir es kaum vor uns selbst, geschweige denn vor anderen zugeben können. Ja, wir verheimlichen uns, als wären Gefühle und Verletzungen Verbrechen, derer man niemals überführt werden dürfte. Schwäche ist nicht vorzeigbar.

    Bei Filmen im Dunkeln kann man seine Tränen noch fließen lassen, solange es keiner sieht, dort kann man seine Wunden und Schrunden noch im Stillen lecken. Und falls man doch entdeckt wird, kann man so tun, als hätte man nur eine sentimentale Sekunde gehabt, des Filmes wegen und als hätte das gar nichts mit den eigenen Lebensumständen und Befindlichkeiten zu tun.

    Du siehst: ein sehr inspirierender Text (auch wenn vielleicht meine Interpretation nicht 100%ig mit deinen Intentionen übereinstimmt).

    Ich habe mich gern zwischen die Zeilen begeben.

    Freundliche Grüße

    Isaban
    Wir lesen uns!

  3. #3
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    Hallo Isaban, herzlichen Dank für dein ausführliches Feedback. -Was mich besonders gefreut hat, ist folgendes Zitat:

    Zitat Zitat von Isaban
    ...bis sich dann in S2 ein Ausbruch/die Flucht dadurch abzeichnet, dass man/der Leser/das lyrische Wir sich irgendwann keinen Reim mehr darauf machen kann, bis man dann zum Schluss völlig aus dem Takt kommt. Bis nur noch dieses Wiegen bleibt, bei dem ich mir ein einsames Kind (das Kind in uns allen) vorstelle, das sich - sich zum Selbsttrost umarmend - aus lauter Angst hin und her wiegt,...
    Ich begann den Text ursprünglich bewußt als Gedicht.... und beendete ihn dann - für mich diesmal etwas überraschend - als Lied. Nun freue ich mich besonders intensiv auf die Vertonung. Das Hin-Und-Her Wiegen, die wohltuende Verlorenheit in einer Babywiege schwebt auch mir vor. Von kühlen Sounds vermittelt...
    Genau so, oder eben ganz anders!

  4. #4
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    Ich würde das auch gerne vertont hören. Warum sollte "deep, deep, deep, wie Diebe" kein Hit werden, wenn sogar das daktylische mit Auftakt "Na, na, na, na, na, live is life" einer wurde.



    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Na, na...ich hör da: / na Na Na na / Na

    Belassen wir es dabei.
    Geändert von Artname (22.05.2018 um 14:05 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

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