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  1. #1
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    Vom guten Gedicht

    Vom guten Gedicht

    Mit der Muse gefunden
    im Reim gebunden
    geben Worte preis
    was der Verstand nicht weiß

    Im schöpferischen Akt
    gleichsam ein Schloss geknackt
    sich die rechten Worte finden
    Reime die Magie entzünden
    sprengt ein Funke leis die Pforte
    in Bereiche ohne Worte

    Durch des Verstandes Schranken
    aus Worten und Gedanken
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt


    —————-

    Ich wollte das Gedicht gern mal mit jemandem teilen und würde mich sehr über wohlgemeinte Kritik freuen.

    LG PianoFiona
    Geändert von PianoFiona (07.06.2018 um 14:55 Uhr)

  2. #2
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    Hi Piano Fiona,
    inhaltlich finde ich das Gedicht sehr gelungen, ich könnte mir aber noch einen anderen Aufbau vorstellen, was unverbindliche Gedanken zur Inspiration bieten soll. Empört bin ich also nicht, im Gegenteil. Die Anspruchslatte hast du mit dem Titel natürlich sehr hoch gelegt...

    Mit der Muse gefunden
    geben Worte preis
    im Reim gebunden
    was der Verstand nicht weiß

    Im schöpferischen Akt
    sich die rechten Worte finden
    gleichsam ein Schloss geknackt
    Reime die Magie entzünden

    Durch des Verstandes Schranken
    xXxXxXx
    die Essenz der Botschaft rinnt
    XxXxXxX
    aus Worten und Gedanken
    xXxXxXx
    wortlos in die Seele sinkt
    XxXxXxX

    Der metrische Fluss ist auch mit meinen Versspielen nicht stringent, aber er muss es ja auch nicht sein. Meine Version gefällt mir nun garnicht unbedingt besser, bis auf S3, aber es bietet wie bereits geschrieben, vlt etwas Inspiration.
    gerne mehr bei Interesse.
    Lg von der Nordsee
    fietje

  3. #3
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    President Trump würde sagen, man solle lieber die Musen bewaffnen. Und diesmal würde ich ihm vielleicht recht geben.
    kp

  4. #4
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    Lieber Butenlänner,

    vielen lieben Dank, dass Du Dich meines Gedichtes angenommen hast. Das hat mich wirklich sehr gefreut!
    Das war mein erstes Kommentar und das Gedicht ist nicht in der Luft zerfetzt worden.

    Ich hatte schon so ein Gefühl, dass die Überschrift irgendwie vermessen klingt. Ich wollte aber eigentlich nur ausdrücken, dass bei guten Gedichten etwas Besonderes rüberkommt. Etwas Unaussprechliches, Unerklärliches, irgendwie ein Zauber. Etwas was am Verstand vorbeigeht, sozusagen "wortlos in die Seele sinkt."
    Ist das nur weil bei Gedichten die kurzen unfertigen Sätze Raum für Interpretation lassen? Wo kommen die richtigen Worte her? Sie "fallen ein" oder "zu". Von woher? Manchmal könnte man glauben, sie werden zugeflüstert.
    Oder ist das die Reimform, der schon was Magisches anhaftet (Siehe Märchen/ Zaubersprüche). Mit manchen Wesen in Märchen, Sagen oder Legenden kann man nur in Reimform kommunizieren.
    Unerklärliches, Unaussprechliches muss an den "Schranken des Verstandes" vorbei. Direkt ins Herz oder die Seele. Das funktioniert nicht mit Worten oder Gedanken. Der Verstand kann damit nichts anfangen. In Gedichten kann man mit (Be-) Reichen in Berührung kommen, die ohne Worte auskommen.
    Deshalb habe ich ein Problem mit der Stimmigkeit in Deiner Version. Ich glaube da kommt in S3 nicht mehr rüber, das die Worte und Gedanken
    die Schranken des Verstandes sind.
    Und in S1 liegt mir ein bißchen zuviel Wert auf der Muse, der ihr, glaube ich, nicht zusteht. Ich war schon nicht ganz zufrieden, dass die Worte nur durch die Muse und die Reimform was preisgeben, womit der Verstand nichts anfangen kann, aber es leitet das Gedicht zumindest ein.

    Die Umstellung des Gedichtes durch Dich hat mich aber schwer beeindruckt.
    Es wirkt ganz anders. Es nimmt m.M.n. die Geschwindigkeit raus und gibt den tiefen Sinn des Inhalts (sorry, für meine Verhältnisse!) viel mehr Zeit und Raum. Macht es bedächtiger.
    Leider geht für mich in Deiner Version die Stimmigkeit etwas verloren, über das was ich ausdrücken wollte. Ich müsste jetzt gänzlich andere Worte finden, um das in dieser Reimform wiederzugeben.
    Schade für dieses Gedicht! Aber was dazugelernt fürs nächste!

    Mal sehen,ob mir eine bessere Überschrift einfällt....

    Ich glaube fast nicht, dass das jetzt jemanden so ausführlich interessiert, aber Dein "bei Interesse mehr" hat mich ermutigt.

    Vielen Dank nochmal!
    Liebe Grüße aus Ungarn (kurzzeitig)
    und gute Besserung ins Hospital!
    PianoFiona

    Was um alles in der Welt ist ein "metrischer Fluss"?

  5. #5
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    Liebe PianoFiona,

    wo kommen denn die Gedichte her? Helfen uns die Musen, die Töchter des Zeus, ist es der heilige Geist oder sind wir schlicht sensible Personen mit Wortfindungsstörungen? Ob Tucholsky, Novalis o. Hölderlin, die Muse(n) wurden schon häufig bedichtet. Entsprechende Gedichte sind hier, unter Angabe des selbigen Begriffs, im Archiv einsehbar. Ich selbst hatte auch mal einen Titel hier: Musenkuss. Ich bin damit noch nicht fertig.
    Die Dichtkunst birgt viele Geheimnisse, über die es sich bestimmt zu schreiben lohnt. Gerne würde ich dazu mal etwas von unseren erfahrenen Dichtern lesen. Ich muss schmunzeln und dabei auch an das Gedicht - die Aufteilung der Erde - von Schiller denken, irgendwie steckt in diesen Versen vieles was ich kenne und zu schätzen weiß. Irgendwie steht es auch zwischen den Zeilen, da sind wir wieder bei den Gefühlen die ein gutes Gedicht auch ohne Worte zu transportieren vermag. Ausgerechnet Gedichte die ohne Worte wirken, klingt irgendwie paradox, aber auch ich finde, da ist was dran...
    Etwas unsauber steht dein Gedicht aber noch da: ö steht als ö und ü als ü??
    bis denne fietje

  6. #6
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    ....- die Aufteilung der Erde - von Schiller .....

    Kannte ich noch nicht. Tolles Gedicht!!!
    Danke!

    Grüße
    PianoFiona

  7. #7
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    Mir gefällt dein Gedicht, vor allem weil es zwischen Verstand und ... ähm... Gedicht unterscheidet. An einer Stelle stolperte ich semantisch und syntaktisch. ich mußte mir da eine eigene Brücke bauen. Siehe unten.

    Zitat Zitat von PianoFiona Beitrag anzeigen
    Vom guten Gedicht

    Mit der Muse gefunden
    im Reim gebunden
    geben Worte preis
    was der Verstand nicht weiß

    Im schöpferischen Akt
    kurz nachdem ein Code geknackt
    sich die rechten Worte finden
    Reime die Magie entzünden
    sprengt ein Funke leis die Pforte
    in Bereiche ohne Worte

    Durch des Verstandes Schranken
    aus Worten und Gedanken
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  8. #8
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Mir gefällt dein Gedicht ....
    Wow! Danke! Das freut mich sehr.

    Das mit dem Code hatte ich auch schon in Erwägung gezogen.
    Bloß bei mir schwingt immer das deutsche "Kot" mit, wenn ich dieses Wort höre. Ich dachte mir, diese Schwingung lässt du mal draußen.
    Außerdem ist der "Code" so modern. Und modern ist noch jung, schnelllebig und eher oberflächlich.

    "kurz nachdem" kann ich auch nicht stehen lassen. Ich spreche von einem Augenblick in jeder Zeile.

    Aber was hältst Du davon?:

    Gleichsam ein mythisch' Schloss geknackt
    sich im schöpferischen Akt
    dich rechten Worte finden
    und Reime die Magie entzünden
    so sprengt ein Funke leis die Pforte
    in Bereiche ohne Worte

    Ist das syntaktisch gesehen besser?

  9. #9
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    Bei näherer Betrachtung kam ich mit "gleichsam" nicht zurecht. Ich übersetze es für mich mal mit "sozusagen". Am besten schreib ich mal, wie ich dein Gedicht versuche zu lesen:

    ( ich habe) mit der Muse gefunden:
    im Reim gebunden,
    geben Worte preis,
    was der Verstand nicht weiß.

    (ich hab) im schöpferischen Akt
    gleichsam ein Schloss geknackt:
    (für) sich die rechten Worte finden,
    Reime die Magie entzünden -
    so sprengt ein Funke leis die Pforte
    in Bereiche(n) ohne Worte.

    Durch des Verstandes Schranken,
    aus Worten und Gedanken,
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt

    Weichen unsere Interpretationen deines schönen Gedichtes von einander ab?
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  10. #10
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    Ja, das weicht ab.


    Mit der Muse gefunden ('e Wörter)
    (die auch noch) im Reim gebunden (sind),
    geben (manchmal etwas) preis,
    was der Verstand nicht weiß.

    (Es ist wie) ein schöpferischer Akt,
    (oder wie wenn) ein Schloss knackt.
    (Und zwar genau dann, wenn) sich die rechten Worte finden
    (und noch dazu) Reime die Magie entzünden.
    (In genau diesem Augenblick) sprengt ein Funke leis die Pforte
    in (Be-)Reiche (hinein, die) ohne Worte (auskommen).

    Durch des Verstandes Schranken (hindurch),
    (die) aus Worten und Gedanken (bestehen),
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt


    Das ist interessant! Und ein kleiner Schock, dass das so anders interpretiert werden kann.
    Danke für deine Interpretation! So merke ich, das ich das nicht gut umgesetzt habe, was ich zum Ausdruck bringen wollte.

    Wobei Deine Interpretation auch eine super Geschichte erzählt!
    Da passt das "gleichsam" aber auch wirklich nicht rein.

    Jetzt hab ich echt Lust, das nochmal umzudichten.
    Aber vorher muss ich noch Rasen mähen. ( oder dabei )

    Liebe Grüße
    PianoFiona

  11. #11
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    Wie wäre diese Version?:

    Mit der Muse gefunden
    und in Reime gebunden
    geben Worte preis
    was der Verstand nicht weiß

    Gleich einem schöpferischen Akt
    als ob ein mystisch' Schloss geknackt
    wenn sich die rechten Worte finden
    und Reime die Magie entzünden
    Dann sprengt ein Funke leis die Pforte
    hin zu Reichen ohne Worte

    Durch des Verstandes Schranken
    aus Worten und Gedanken
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt

  12. #12
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    Sehr schön! Ich war selber noch am Grübeln .. aber auf sehr ähnlicher Spur. Deine überarbeitete Version find ich noch besser. An zwei Stellen könnte sie geändert bzw reloaded werden. Könnte, muß aber nicht. Es war mir ein Vergnügen, am Schliff eines derart dichten Text mitbeteiligt sein zu dürfen.


    Mit der Muse gefunden
    und in Reime gebunden
    geben Worte preis
    was der Verstand nicht weiß

    Gleich einem schöpferischen Akt
    als ob ein mystisch' Schloss geknackt
    dass* sich die rechten Worte finden
    und Reime die Magie entzünden
    so**sprengt ein Funke leis die Pforte
    hin zu Reichen ohne Worte

    Durch des Verstandes Schranken
    aus Worten und Gedanken
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt
    Geändert von Artname (08.06.2018 um 21:05 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  13. #13
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    Ja, genau so lass ich es stehen!

    Vielen lieben Dank für Dein Mitwirken!
    Das war mir eine große Freude.

  14. #14
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    Wow! ...ergründen... Was für ein Wort!

    Ich habs bloß nicht untergebracht, aber es hat mich grad unheimlich inspiriert!

    Schaut mal:

    Mit der Muse gefunden
    und in Reime gebunden
    geben Worte preis
    was der Verstand nicht weiß

    Gleich einem schöpferischen Akt
    als ob ein mystisch' Schloss geknackt
    sich Wortbedeutungen erschließen
    blitzartig ins Bewußtsein schießen
    Wörter zueinander finden

    und Reime die Magie entzünden
    So sprengt ein Funke leis die Pforte
    hin zu Reichen ohne Worte

    Durch des Verstandes Schranken
    aus Worten und Gedanken
    die Essenz der Botschaft rinnt
    und wortlos in die Seele sinkt

  15. #15
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    Ja, das war mir klar.

    Ich wollte aber "die Wort finden" nicht rausnehmen. Das die jetzt "zueinander finden" gefällt mir noch besser.

    Danke Dir, trotzdem!

    Grüße
    PianoFiona

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