1. #1
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    Die Stille klirrt

    Die Stille klirrt - kann deine Tränen fallen hören -
    doch änderts nichts, denn alles bleibt nun wie es ist.
    Für alles Schöne gibt es eine zeitbegrenzte Frist,
    es macht auch keinen Sinn die Engel zu beschwören.

    Wir werden aneinander nun kein Abendrot erleben -
    und jeder Sonnenaufgang sucht nach uns am Meer,
    die kleinen weißen Wolken werden groß und schwer -
    es wird bald Sturm und langen kalten Regen geben.

    Zwei Seelen - eng umschlungen - sind davongeschwirrt,
    die Zeit, sie sammelt ihre wunderbaren Stunden ein
    und bündelt sie zu einem warmen Strahl aus Sonnenschein,
    zu einem hellen Licht, damit kein Herz sich mehr verirrt.

    Erst wenn die Träume schweigen, hört man wie die Stille klirrt...

  2. #2
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    Hallo Jonny,

    Wehmut, Trauer und Schmerz sehr spürbar dargestellt, in drei Strophen gebündelt und in jeweils durch sechs Hebungen "getragene" jambische Verse verpackt.


    Die Stille klirrt - kann deine Tränen fallen hören -
    doch änderts nichts, denn alles bleibt nun wie es ist.
    Für alles Schöne gibt es eine zeitbegrenzte Frist,
    es macht auch keinen Sinn die Engel zu beschwören.
    Der erste Satz ist mir zu verschwurbelt. Als Außenstehender/Leser muss ich mir dadurch, dass in der Einschiebung eventuell oder aber auch nicht das "ich" fehlt, die Satzzusammenhänge zusammensuchen - oder meintest du, dass die Stille (und das trotz des Klirrens) die Tränen fallen hören kann?

    Auch das Doppeltgemoppelte bei der "zeitbegrenzten Frist" (eine Frist ist per Definition eine Zeitbegrenzung) gefällt mir nicht wirklich. Wie wäre es da - je nach Intention - mit "eine viel zu kurze Frist" oder "eine festgelegte Frist" oder "wie jede Blüte hat/zeigt/birgt das Schöne eine Frist" o.ä.?

    Und die Engel - ja, das ist reine Geschmackssache. Manche mögen sie sehr, manche können kaum etwas damit anfangen - ich gehöre wohl zu den Letzteren. Vermutlich hätte ich hier (ist natürlich eine rein subjektive Angelegenheit), wenn schon ein religiöser Bezug dargestellt werden soll, eher die "Götter" als ihre Boten beschworen.

    Nur mal so zur Ansicht (und ich behaupte auch nicht, dass das der letzte Schliff sei):

    Die Stille klirrt - man kann die Tränen fallen hören -
    es änderts nichts, denn jetzt bleibt alles, wie es ist;
    der Blüte gleich, birgt all das Schöne eine Frist,
    da nutzt es nichts, die Götter zu beschwören.

    Aber nicht, dass du denkst, ich würde deinen Text nicht mögen, im Gegenteil! Er packt meine romantische Seite und ich finde ihn so spürbar, dass du unbedingt noch an den kleinen Unebenheiten feilen solltest.


    Die zweite Strophe gefällt mir am allerbesten, sie ist so gut, dass sie im Grunde auch ganz für sich stehen könnte, sie trägt den gesamten Text.

    Wir werden aneinander nun kein Abendrot erleben -
    und jeder Sonnenaufgang sucht nach uns am Meer,
    die kleinen weißen Wolken werden groß und schwer -
    es wird bald Sturm und langen kalten Regen geben.
    (Komma hinter "langen"?)

    Hier noch eine winzige, rein geschmackliche und vollkommen marginale Meckerei: Das "aneinander" stört mich ein bisschen. Ja, ich weiß, es soll aussagen, dass die beiden einander das Abendrot - also das Schöne kurz vor Schluss - hätten sein können. Eine eigentlich tolle Idee, nur impliziert dieses "aneinander" nicht nur „beieinander“ und "nebeneinander" sondern auch "aneinander reiben/kleben/unfreiwillig gebunden sein", was mein privates Kopfkino dort stört. Wie wäre es da mit einem schlichten "miteinander"?

    Und nun zur letzten Strophe:

    Zwei Seelen - eng umschlungen - sind davongeschwirrt,
    die Zeit, sie sammelt ihre wunderbaren Stunden ein
    und bündelt sie zu einem warmen Strahl aus Sonnenschein,
    zu einem hellen Licht, damit kein Herz sich mehr verirrt.
    Sei mir nicht gram, lieber Jonny, aber das übersteigt - insbesondere zusammen mit den zuvor eingebrachten Engeln - meine Kitschgrenze. Nun liegt die ja bei jedem Menschen woanders und ich bin gewiss, dass es durchaus Fans von eng umschlungen schwirrenden Seelen gibt, aber (nach solchen Sätzen kommt immer ein Aber) für mich hat das etwas Überzogenes, unfreiwillig Komisches, welches mir die schöne Stimmung des Textes leider ruiniert. Ich betone noch einmal: Es ist eine reine Geschmacksfrage. In meinen Augen könnte allerdings der gesamte Text auch wunderbar ohne diese Strophe bestehen - ich würde einfach nach S2 aufhören.

    Liebe Grüße

    Isaban

    Edit: RS
    Geändert von Isaban (26.05.2018 um 20:42 Uhr)
    Wir lesen uns!

  3. #3
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    Hallo Isaban,

    Freue mich über deinen Kommentar.
    Wo fang ich jetzt an...
    Mit dem ersten Satz:
    "Die Stille klirrt, kann deine Tränen fallen hören"
    Das muss der Leser auseinanderhalten können, ein "Klirren der Stille" ist nicht hörbar.
    Nur spürbar.
    Die Doppelmobbelung bei der "zeitbegrenzten Frist" gefällt mir eigentlich, sie unterstreicht das Ganze irgendwie, festigt es.
    Das Komma hinter "langen" füge ich ein.
    Dein Vorschlag mit der "Blüte" gefällt mir, er passt so wunderbar in diese Strophe, das ich ihn sehr gerne übernehme.
    Nein, Religion wollte ich eigentlich nicht zur Sprache bringen,
    ("es macht auch keinen Sinn, die Engel zu beschwören"), sollte mehr eine Umschreibung der Hoffnungslosigkeit darstellen.
    Das "aneinander" (Wir werden aneinander nun kein Abendrot erleben) muss unbedingt stehen bleiben, weil es mehr "Nähe" ausdrückt,
    als ein miteinander.
    Ja, die letzte Strophe...
    Sollte eigentlich ein Abschluss werden, wenn ich mit Strophe zwei aufhöre, fehlt irgendwie der Punkt aufs I.
    Aber es stimmt, da habe ich die Grenze zum Kitsch wohl etwas überschritten.
    Ist eh ein schmaler Grat...

    Sechs Hebungen getragene jambische Verse...
    Liebe Isaban, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von all dem nicht die leiseste Ahnung habe.
    Ich schreibe aus dem Bauch, zähle bei längeren Zeilen höchstens mal die Silben.

    Das war ein sehr langer Text für einen Zweifingerschreiber, aber nach so einen Kommentar wie deinen, Isaban, war es mir ein Vergnügen.
    Ich danke für dein Lesen und freue mich, wenn meine Zeilen irgendwo angekommen sind.

    Hab einen schönen Sonntag!
    Jonny



    Die Stille klirrt

    Die Stille klirrt - man kann die Tränen fallen hören -
    es änderts nichts, denn jetzt bleibt alles, wie es ist;
    der Blüte gleich, birgt all das Schöne eine Frist,
    da nutzt es nichts die Götter zu beschwören.

    Wir werden aneinander nun kein Abendrot erleben -
    und jeder Sonnenaufgang sucht nach uns am Meer,
    die kleinen weißen Wolken werden groß und schwer -
    es wird bald Sturm und langen, kalten Regen geben.

    Zwei Seelen - eng umschlungen - sind davongeschwirrt,
    die Zeit, sie sammelt ihre wunderbaren Stunden ein
    und bündelt sie zu einem warmen Strahl aus Sonnenschein,
    zu einem hellen Licht, damit kein Herz sich mehr verirrt...

    Erst wenn die Träume schweigen, spürt man, wie die Stille klirrt...
    Geändert von Jonny (27.05.2018 um 08:40 Uhr)

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