Ich solle mal mein Inneres kennenlernen,
sagte meine Frau und ich dachte mir:
Ok, wenn wir uns schon
keinen Urlaub leisten können...

Also zwängte ich mich
in eine ihrer Yogahosen
(so lernte ich immerhin schon mal,
wie ich in viel zu engen Stoffhosen aussehe)
und besuchte einen
der zahlreichen Kurse in unserer Stadt.

Wie sich herausstellte, war ich ein Naturtalent!

Unter den staunenden Augen
der anwesenden Damen
und des dürren Yogalehrers
(dessen Körper ausdefinierter war
als der von Ausschwitzinsassen, by the way...*)
vollführte ich Stellungen,
bei denen sogar Ravi Shankar vor Entzückung
die Sitar aus den Griffeln gefallen wäre.

Aber ich wurde übermütig.

Gerade, als ich mich einbeinig
so weit zurückgebogen hatte,
dass mein Hinterkopf
die Pobacken berührte
(meine eigenen wohlbemerkt),
platzte meine Hose
mit einem beißenden Reißen
und entblößte
meinen haarigen, alten Hintern.

Ich geriet ins Taumeln
- wusste kurzzeitig nicht mehr,
ob ich stehe, liege oder sitze -
und kippte wie in Zeitlupe nach hinten.

Mit einem schmatzenden Geräusch
löste sich mein Blickfeld auf
und mein Kopf verschwand im Rektum.

Auch wenn es ungefähr so scheiße war,
wie ich es vorher befürchtet hatte:

So hatte ich mir die Reise in mein Inneres nicht vorgestellt!






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