1. #1
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    Grau schwarze Welt

    Ich fühle mich in meinem Leben verloren, in einen ständigen Wandel hinein geboren;
    früher war ich nie voller Sorgen, oder hielt diese noch in mir geschützt verborgen.
    Mit jedem Tag wächst die Last auf mir, es erdrückt mich förmlich und hört nie auf;
    mit jedem Morgen die Frage, was hält mich hier? Doch in der Stille bleibt eine Antwort aus.
    Meine Welt ist grau und schwarz, bunten Substanzen habe ich Abwechslung zu verdanken;
    doch selbst im Rausch stirbt der Spaß, und die Illusion von Glück gerät wieder ins wanken.
    Ich fühle mich so unsagbar leer, soll das schon alles sein; ist mein Leben wirklich nicht mehr?
    Kopf und Herz gefüllt mit schwarzem Teer, unendlich schwer, mir fehlt die richtige Gegenwehr.
    Ich habe weder Kraft dagegen anzugehen, noch mag ich darüber nachdenken um es irgendwann zu verstehen;
    Fehler anzuerkennen heißt Schwächen einzugestehen, doch für die bittere Wahrheit bleibt kein Platz in meinem Leben.
    Geändert von 'nemo' (30.05.2018 um 09:47 Uhr) Grund:
    Illusion ist nötig, um die Leere im Innern zu verschleiern

  2. #2
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    Hallo Nemo,

    der Text wirkt so depressiv, dass ich mich kaum traue, auf den Inhalt einzugehen.

    Zur Form möchte ich anmerken, dass es beim Lesen kaum Unterschied macht, ob Paarreime nun in Versen unter- oder nebeneinander stehen; die Sprachmelodie ändert sich dadurch nicht - und die Gefahr beim Paareim, der eigentlich eher für Kindergedichte oder humoristische Texte verwendet wird, ist immer, dass der Inhalt unfreiwillig komisch wirkt, wenn er wie eine Büttenrede vorgetragen werden kann.

    Um ein Reimgedicht etwas melodiöser und auch für Außenstehende gut lesbar und eingängig zu machen, ist es hilfreich, wenn man die Betonungen/Hebungen und das Versmaß innerhalb des Textes - außer wenn Regelbrüche als Stilmittel gedacht sind - möglichst homogen hält. Die Betonungen innerhalb deiner Verse erscheinen (mir) sehr willkürlich und keinem Versfuß unterworfen, rein metrisch betrachtet bilden sie für mich ein großes Rumpumpel.

    Bei deinen überlangen Versen schwankt auch das Versmaß sehr. Wie auch das metrische Rumpumpel wirken sie wie ein Ausbruch, wie etwas, das schon viel zu lange unter Verschluss gehalten wurde, etwas, das Regeln, Form und Maß sprengt und nun zur Implosion führt.

    Als gelungen eingesetzte Stilmittel betrachte ich den Unreim am Ende von V3/4, der sehr gut bebildert, dass sich das LI auf die ausbleibende Antwort keinen Reim machen kann, dass der "falsche" Reimpartner eben genau das ist: falsch.

    Ähnlich ist es in den beiden nachfolgendenden Versen (V5/6) mit dem verschiebbaren Binnenreim: "schwarz und Spaß reimen sich nicht wirklich und verschiebt man den zu erwartenden Binnenreim ein wenig mehr in Richtung Mitte, können auch die "Substanzen" das nicht ausgleichen. Substanzen tragen zwar das "Tanzen" in sich, aber eben nur chemisch, nur "Tanzersatzstoffe" wirklich Spaß bereiten können sie nicht.

    Ich fühle mich so unsagbar leer, soll das schon alles sein; ist mein Leben wirklich nicht mehr?
    Kopf und Herz gefüllt mit schwarzem Teer, unendlich schwer, mir fehlt die richtige Gegenwehr.
    V7 und 8 hauen dann haufenreimig so richtig auf die Kacke, gleich 5 auf einem Haufen in nur zwei Versen. Einzig das "soll das schon alles sein" sticht da raus, bebildert aber auch hier durch den reimfreien Raum recht gelungen die Leere, die das LI anspricht.

    Ich habe weder Kraft dagegen anzugehen, noch mag ich darüber nachdenken um es irgendwann zu verstehen;
    Fehler anzuerkennen heißt Schwächen einzugestehen, doch für die bittere Wahrheit bleibt kein Platz in meinem Leben.
    Es ist eher ein Zeichen von Stärke, Fehler eingestehen zu können. Dieses LI hier ist am Ende, hat keine Kraft, kann seine Stärken nicht mehr erkennen, es kann nicht mehr gehen, nicht mehr stehen, nicht einmal mehr etwas eingestehen - es kann nicht mehr, überhaupt nicht mehr. Und selbst für diese Wahrheit scheint kein Platz mehr in seinem Leben zu sein; was also bleibt?

    Wie gesagt: ein sehr, sehr depressiver Text, der selbst einen sonnigen Tag mit grau-schwarzen Schatten überzieht (Schenk dem Titel eventuell noch einen Bindestrich.), ein Text, der sich auf meine Stimmung legt, wie ein Winter-Plumeau im Hochsommer.

    Freundliche Grüße

    Isaban
    Wir lesen uns!

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