Thema: Lebendig

  1. #1
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    Lebendig

    Zugeständnisse entscheiden
    alle starren wie erstarrt
    hören höflich zu und schweigen
    du sagst unbekümmert ja

    Ich seh dich so gerne mit den Händen reden
    Du malst schnelle Pirouetten in die Luft
    wirbelst um den Finger unsagbares Leben
    auf das du schwörst mit beiden Händen auf der Brust

    Ich seh dich so gerne mit den Augen sprechen
    deine Brauen wandern lachend himmelwärts
    in deinen Blicken ist die Liebe nie Verbrechen
    du lebst und tötest - mit bloßem Herz

    Mag sein, dass ich dich übertreibe
    dass wir gaga sind, hysterisch oder blind.
    Mag sein, die Erde ist nur eine Scheibe
    und der Mensch ist glücklich,
    der Mensch ist glücklich.
    Der Mensch ist glücklich als Kind

    Ich hör dich so gerne mit den Worten spielen
    Du wanderst leise tönend den Planeten ab
    mal bist du Mittelmeer, mal Arktis und mal Wüste.
    Wenn es knistert, kannst du schweigen wie ein Grab

    Mag sein, dass ich dich übertreibe
    dass wir gaga sind, hysterisch oder blind.
    Mag sein, die Erde ist nur eine Scheibe
    und der Mensch ist glücklich,
    der Mensch ist glücklich.
    Der Mensch ist glücklich als Kind

    Zugeständnisse entscheiden
    alle starren wie erstarrt
    hören höflich zu und schweigen
    du sagst unbekümmert ja

    Mag sein, dass ich dich übertreibe
    dass wir gaga sind, hysterisch oder blind.
    Mag sein, die Erde ist nur eine Scheibe
    und der Mensch ist glücklich,
    der Mensch ist glücklich.
    Der Mensch ist glücklich nur als Kind
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  2. #2
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    Hi Artname,

    ein Lied, nehme ich an? Mir gefällt der Text insgesamt. Den Schlusssatz "Der Mensch ist glücklich nur als Kind" empfinde ich als düster. Zusammen mit dem Titel ergibt das einen traurigen Beigeschmack, weil es bedeutet, dass wir dann unglücklich werden wenn wir das Erwachsenenalter erreichen.

    Bei der Strophe:
    "Ich hör dich so gerne mit den Worten spielen
    Du wanderst leise tönend den Planeten ab
    mal bist du Mittelmeer, mal Arktis und mal Wüste.
    Wenn es knistert, kannst du schweigen wie ein Grab"

    dachte ich an den Wind und das gefiel mir

    Ein bisschen fehlt mir die Einleitung in das Thema, von dem ich nicht so recht begreife, was es eigentlich ist. Geht es um das Leben selbst und um das glücklich sein?

    Diese Strophe hier:
    "Ich seh dich so gerne mit den Händen reden
    Du malst schnelle Pirouetten in die Luft
    wirbelst um den Finger unsagbares Leben
    auf das du schwörst mit beiden Händen auf der Brust"

    da stelle ich mir jemanden vor, der Pirouetten in der Luft malt, wirr fuchtelnd und in der letzten Zeile jemanden, der seine Hände auf die Brust legt und den Kopf senkt. Ja, ein schönes Bild für "Leben".
    Trotzdem sind mir einige Strophen zu unkonkret für eine Aussage geblieben.

    Liebe Grüße,
    MiauKuh
    Geändert von MiauKuh (08.06.2018 um 09:04 Uhr)

  3. #3
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    guten morgen
    zeile 4 und zeile 5 könnte man vielleicht etwas anders machen? (nach dem muster, wie dieser übergang später gut klappt)
    unkonkret sind die meisten erfolgslieder.
    da ist mir das "leise tönend den Planeten abwandern" schon viel zu konkret.
    kp

  4. #4
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    Hallo MiauKuh, herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
    Ein bisschen fehlt mir die Einleitung in das Thema, von dem ich nicht so recht begreife, was es eigentlich ist. Geht es um das Leben selbst und um das glücklich sein?
    Ich schrieb den Text in Spanien, von der Gestik und Mimik der Einheimischen in den Bann gezogen. Ausgangspunkt war eine etwa 30jöhrige schöne Spanierin, die mir mit eleganten Bewegungen unaufhörlich Geschichten erzählte, die wunderbar zum Sprudeln ihrer hellen Stimme passten. Keine Ahnung, ob ich sie richtig verstand. Aber das Bild der deutschen Touristen am Nachbartisch forderte mich auf, etwas darüber zu schreiben, wie sich Lebensgefühl bei verschiedenen Menschen äußerlich darstellt.

    Den Schlusssatz "Der Mensch ist glücklich nur als Kind" empfinde ich als düster. Zusammen mit dem Titel ergibt das einen traurigen Beigeschmack, weil es bedeutet, dass wir dann unglücklich werden wenn wir das Erwachsenenalter erreichen.
    Du hast gehört, was in DIR erklang. - Ich bin selber nicht sicher, wie es sich in Wahrheit verhält. Und genau DAS schrieb ich im Refrain. Erst in der allerletzten Zeile des Songtextes füge ich den möglichen Deutungen eine letzte hinzu. -

    Ich bin lebenslustig genug, mir Glück bis zum letzten Atemzug zu wünschen. Aber ich will nicht verschweigen, dass ich manchmal eben auch denke:SO glücklich war das letzte Mal als Kind. Auf das Lied bezogen kann ich mir im Publikum zu 99% ein Fest der großen Gefühle vorstellen! Daran wird auch der nachdenkliche Schlußsatz wenig ändern.

    Hallo Kaspar

    zeile 4 und zeile 5 könnte man vielleicht etwas anders machen? (nach dem muster, wie dieser übergang später gut klappt)
    mein Text hat folgende Struktur: Bridge / S1/ S2/ Refrain/ S3 / Refrain / (Zwischenspiel) / Bridge / Refrain. Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, welche konkreten Zeilen du mit Z4 und Z5 meinst.

    unkonkret sind die meisten erfolgslieder.
    Da stimme ich dir völlig zu. Ich habe Welthits nachgedichtet (und veröffentlicht). Es ist so gut wie unmöglich, unkonkrete Erfolgszeilen emotional deckungsgleich zu konkretisieren. Und ich bin durchaus auf Details fokussiert. Hier liegt wirklich der Unterschied zwischen lyrik und lyrics: Während der Musiktext wie ein Boot auf den Wellen der Musik tanzt, muss Das Gedicht Welle und Boot und Tanz darstellen.

    lg
    Geändert von Artname (08.06.2018 um 15:33 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  5. #5
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    Hi Artname,

    vielen Dank für deine Antwort. Ein Punkt daraus, nämlich:

    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Hier liegt wirklich der Unterschied zwischen lyrik und lyrics: Während der Musiktext wie ein Boot auf den Wellen der Musik tanzt, muss Das Gedicht Welle und Boot und Tanz darstellen.
    Ja, es ist für einen Text alleine unheimlich schwieriger, alles das darzustellen. Musik dagegen mit Lyrics, ... da ist man einfach besser dran. Es ist ein bisschen wie Lyrik ist Bleistiftmalerei, während Lyrics die Farbe ins Spiel bringt.

    Liebe Grüße!

  6. #6
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    der übergang von der bridge zu strophe 1 funktioniert nicht, meine ich, während die refrains super zu den Strophen hinführen und auch zur zweiten bridge.
    könnte sein, dass die bridge anfangs nicht als solche erkennbar ist, wenn ich den text sehe. oder kann sein, dass sie ganz einfach für einen anfang zu blass und noch ausbaufähig ist?
    kp



    @miaukuh
    ja mei, jetzt wird sich aber der homer im grabe herumwälzen!
    Geändert von kaspar praetorius (08.06.2018 um 16:50 Uhr)
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  7. #7
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    Hallo MiauKuh,

    ich seh es umgekehrt. Während das Gedicht ausdrucksstark malen muß, genügt dem Lied eine Textskizze, die von der Musik in Bewegung versetzt wird.

    Ich bin nun seit Jahren hier, um zu lernen, wie man ausdrucksstarke Bilder malt. Denn es gibt eine Menge Komponisten, die angeblich solche Texte suchen. Allerdings gibt es bei Musikern auch oft das vernichtende Urteil: "Ist mir zu lyrisch!" - und meistens teile ich (insgeheim) das Urteil. Ich finde, hier sollte auch öfters mal stehen:" Is mir zu lyrisch, "

    Hallo Kaspar, jetzt verstehe ich! ich schreibe oft erst dann, wenn ich 2-3 tragfähige Gedanken habe. Oft sind sie so tragfähig, dass der Rest des Textes eine einzige Antithese dazu wird. Und so wird aus der Eingangsstrophe automatisch eine Bridge.
    Manchmal lasse ich diese Bridge am Anfang, manchmal streiche ich sie ersatzlos, beginne also gleich mit S1. Is so eine Marotte von mir. Und hier FÜHLTE ich beim Korrekturlesen auch, dass die Bridge stärker sein muß... oder wenigstens als Anfang gestrichen werden muß. Danke für deinen stimmigen Eindruck.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  8. #8
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    Lieber Artname,

    vielleicht ist es aber auch so, dass Lyrik es ermöglicht, eine lange Geschichte zu erzählen. So etwas gelingt der populäreren Musik nur noch in Form eines Konzeptalbums, in dem die einzelnen Texte thematisch zusammenhängend gestaltet sind. Ein einzelnes Lied leistet so etwas nicht, bedingt durch den zeitlichen Umfang. Lyrik dagegen kann durch die Ballade eine lange Geschichte erzählen. Dort punktet sie auch und wird etwas, in dass sich jemand durch die Versformanordnung hineinziehen lassen kann. Sicherlich steht demgegenüber die Erzählung in Form einer Kurzgeschichte, eines Romans oder Märchens oder Novelle, aber das Gedicht hat eben diesen schönen visuellen Stimulus und das Erhabene in sich, dass es noch mal beim Lesen schmecken lässt.

    Etwas ähnliches erzeugt dagegen die Musik, sie erreicht ja durch Klang Empfindungsverursachung und zusammen mit Text kann sie durch Text und Klang wirken, das ist natürlich umwerfend. Andererseits lässt sie dadurch, dass sie gespielt wird, dem Leser keinen Raum zum Nachdenken, muss also einen Bildfluss oder Melodiefluss gewährleisten. Das ist beim Lesen generell anders.

    Lyrics ohne Musik sind ja manchmal auch eine Katastrophe! Gedichte ohne Buchstaben aber auch

  9. #9
    Liara ist offline free flying butterfly
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    hey artname, dein gedicht, dein lied,

    macht seinem namen alle ehre. inhaltlich kommt die bewunderung, die freude, die liebe sehr gut zur geltung. es ist sehr schön zu lesen und es klingt bereits nur in buchstaben. der refrain ist eingängig und ansprechend, bei entsprechender melodie könnte es ein ohrwurm sein.

    liebe Grüße
    liara
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  10. #10
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    Liebe Liara, dein uneingeschränkt positiver Kommentar macht mich sehr glücklich! Danke

    Lieber MiauKuh, ich glaube nicht, dass einem Liedtext inhaltlich andere Grenzen gesteckt sind als einem Gedicht. Spontan für spannend erzählte Geschichten fallen mir "Balbina" oder "Marc Wilbusch" (der Autorund Sänger von Kettcar) als tolle Geschichtenerzähler ein. Aber wie gesagt, spontan. Tatsächlich begeistern mich handwerklich mehr Songpoeten als moderne Lyrikpoeten. Oder sagen wir fairer Weise, die Songpoeten decken. viele meiner Ansprüche und Wünsche bereits ab.

    Trotzdem will ich noch Dylan, R. Newman, M. Cohn oder auch Moustaki oder Brel als phantastische Erzähler erwähnen.

    Für das Forum würde ich sagen, gerade bei den besten Songpoeten kann man lernen, sich in Andeutungen auszudrücken. Andeutungen sind für mich das beste Mittel, die Phantasie des Hörers extrem zu fordern. Und gerade Andeutungen können im Zusammenhang mit Musik perfekter Genuß werden. - Sicher haben es Gedichteschreiber schwerer, ohne weitere Unterstützung in Andeutungen populär zu schreiben.
    Geändert von Artname (08.06.2018 um 19:40 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

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