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  1. #1
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    Allelujew (Hexameter)

    .



    Allelujew - so nannte man ihn - war so alt wie die Zeit, wie
    Packeis, älter als alle, die lebten, im Tal und auch weltweit;
    nein, nicht so alt wie Gebirge, wie Fels und Schlucht war der Mann, nur
    steinalt, dass schwarzgrün Moose wuchsen am mageren Rücken,
    tief gebeugt und verkrümmt, wie ein Baum hoch über dem Dorf, auf
    Graten, wo Winde ihn peitschten, tagein und tagaus, ja auch nächtens;
    Buschwerk wucherte anstatt des Haars, war schneeweiß und blendend,
    aus den Ohren erklangen Fanfaren - von Todestrompeten;
    seine Zehen schlugen schon Wurzeln, so starr war sein Gang und
    Efeu erklomm seine Waden und rankte um Schenkel und Hüften,
    kroch noch den Bauch empor, durchbohrte den brüchigen Brustkorb,
    nach dem Herz griff er, das seltener schlug als die Kirchturm-
    uhr; und so zogen die Zehen allmählich den Krummen ins Gras, wo
    Glühwürmchen tanzten, erlöschende Augen rauschend entbrannten
    - raue Vulkane, alt wie die Zeit, bevor sie versanken.




    Version 2.2

    Ded Allelujew, so hieß es, sei alt wie die Zeit, wie polares
    Packeis, niemand sei alt wie er auf Kamtschatka und weltweit.
    Nein, nicht so alt wie Gebirge, wie Fels und Schlucht, dennoch steinalt
    schien der Greis, denn sein Rücken war schwarzgrün, moosig bewachsen,
    tief gebeugt und verkrümmt, wie ein Baum hoch über dem Dorf auf
    Graten, wo Stürme ihn peitschten, tagein und tagaus, ja auch nächtens.
    Sträucher, so blendend weiß, als ob Reif in der Sonne erglänzte,
    sprossen anstatt des Haars am Schädel, als Bart, aus der Nase,
    Todestrompeten wuchsen im Ohr - Fanfaren erklangen.
    Efeu rankte um Waden, um Schenkel, erklomm seine Hüften,
    kroch noch den Bauch empor, durchbohrte den brüchigen Brustkorb,
    nach dem Herz griff er! - das noch seltener schlug als die Kirchturm-
    uhr; da sein Gang so starr war, verwurzelten langsam im Erdreich
    Füße samt Zehen und zogen bald, den Krummen ins Gras, wo
    Glühwürmchen tanzten, erlöschende Augen rauschend entbrannten -
    raue Vulkane, so alt wie die Zeit, bevor sie versanken.





    *) Nach einer Geschichte aus dem Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" von Amos Oz
    zu V1: Ded (дед) ist Russisch für Großvater, man spricht es kurz und hart siehe #14 von Metallist Danke!
    Geändert von albaa (20.06.2018 um 17:31 Uhr)

  2. #2
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    Liebe albaa,

    sehr schön, wie Du diese phantasievolle Geschichte zu Hexametern umgearbeitet hast!
    Durch den Rhythmus und die Art und Weise, wie Du sie ausgeschmückt hast, wird sie noch märchenhafter.

    Tolle Idee!

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  3. #3
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    Hallo albaa,

    eine Geschichte, die so wunderbar vom Rhythmus getragen wird, dass sie sich fast von allein vorträgt - ich zumindest konnte nicht widerstehen, sie laut zu lesen. Und es war mir eine Freude!

    Einzig den Krummen (Feldhasen) konnte ich nicht so ganz unterbringen.

    und so zogen die Zehen allmählich den Krummen ins Gras
    Es wird vermutlich an mir liegen, aber das bebildert sich für mich nicht, diese Stelle kann ich nicht in Kopfkino umsetzen, ich kann nur vermuten, dass der Hase stirbt, auch wenn ich Feldhasen eigentlich (sowohl draußen als auch vor dem inneren Auge) immer im Grünen, in Feld und Wiesen sitzen/rennen/springen sehe - ich weiß also nicht einmal wirklich, ob hier das Sterben des Hasen bebildert werden soll; Feldhasen ducken sich ins Gras, wenn sie sich verstecken wollen. Hm. Der Mensch, das Leben, das Gefahr ahnt/wahrnimmt, das sich gezwungen sieht, sich im Gras zu verstecken, das zu Boden gezwungen wird, das nicht enden will, aber muss? Ich weiß es nicht, da ist nur Rätseln, ein Ahnen, es bebildert sich mir nicht richtig, bestenfalls vage - vielleicht wie sich uns Menschen der Tod, das Dasein außerhalb des Lebens, also das Nichtmehrdasein bebildert - aber das ist wohl zu sehr um die Ecke gedacht - bitte hilf mir da weiter.

    Der Schluss gefällt mir sehr, da habe ich gleich ozeanische Inseln vor Augen, die im Meer versinken, sobald der Vulkan erloschen ist - eine wundervolle Bebilderung des Sterbens, die sich gut in die vorangegangenen Landschaftsbeschreibungen einfügt.

    Ein Text, den ich Freude gelesen und mit dem ich mich sehr gern beschäftigt habe.

    Liebe Grüße

    Sabine
    Wir lesen uns!

  4. #4
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    hi,
    die metrische Drückung in V7, sowohl die metrische "Erhebung" im letzten Vers lassen mich erwachen, was soll das? Vulkane, alt wie die Zeit, Kirchturmuhr, Glocken? Schluck, mampf, mampf,ich wil mehr....lg fietje

  5. #5
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    Hallo Ihr Lieben,

    @okotadia: Freut mich, dass dir meine Spielerei mit dem Thema gefällt. Ich mag das märchenhafte, da kann ich so richtig mit kindlicher Freude fabulieren.

    @Isaban: Danke für dein Lob! Schön, dass du es laut lesen "musstest", Hexameter können (rhythmisch) schon was, aber warte bis Ferdi mein Dings zerpflückt hat.

    Ja, "der Krumme" ist Allelujew und deine Überlegungen passen gut, auch wenn du einen Hasen sterben sahst . Die Natur holt Allelujew zurück - das hat etwas Tröstliches, oder? - aber er ist eben auch so alt wie die Zeit und daher ... ja, wer weiß?

    @Ferdi: Ui, gleich tausend Kleinigkeiten, das ist ein bisschen frustrierend, aber ich bin bereit: Mach mich fertig , damit ich weiter lerne, wie man mit diesen Versen umgeht! Sollen wir in die Werkstatt damit, vielleicht ist das besser als hier?

    Dieses "anstatt" zerreißt den Vers, meinst du? fietje sieht es als Aufwecker. Ich habe das jetzt noch einmal hin und her gewälzt und mir gefällt es immer noch besser als das sich glatt fügende "statt", vielleicht weil es zu dem Gestrüpp am Kopf passt?

    @fietje: Ich bin jetzt nicht sicher, wie ich deinen Kommentar auslegen soll? "Was soll das?", fragst du. Ist es dir zu verschroben?
    Zum V7: das "anstatt"? siehe schon oben. Im letzten V meinst du das "alt" (?), ja das hat wohl eine Hebung verdient oder? Natürlich schlägt die Glocke, aber bei uns sagt man "Die Kirchturmuhr schlägt Dreiviertelvier".

    Vielen Dank für euer Feedback! Ich habe mich sehr über euer Interesse gefreut.

    Lieben Gruß
    albaa

  6. #6
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    Hallo Ferdi,


    @Allelujew habe ich von Oz übernommen, weil es so wunderbar klingt, ein Name wie Musik, wie "Hallelujah". Ein Betonungsproblem kann ich hier nicht orten.

    @Packeis - Es ist unwichtig, wie alt Packeis an sich wirklich wird, das Eis selbst nämlich, dass es Packeis seit Abermillionen Jahren gibt ist natürlich bekannt. Man denkt sofort an die Pole und warum sollte der Erzähler nicht für die Kinder etwas Plakatives suchen in einem Märchen? Ein Wort, das diesen Gefühl von Ewigkeit vermittelt. Und wenn der gute Mann in Russland lebt (siehe gleich unten), ist eine Eismetapher auch irgendwie naheliegend.

    @aufgezwungenes Tal: Ein Lokalisierung des Tals und des Gebirges etc. ist in diesem märchenhaften Text mE nicht nötig (zB Grimm Schneewittchen: "... hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen"; Marienkind: "Vor dem großen Wald lebte ein Holzhacker mit seiner Frau ... ). Dem Namen nach zu schließen, lebt der Alte also irgendwo in Russland, vielleicht in Sibirien oder Kamtschatka wegen des Vulkanbilds? Aber der Leser darf/soll selbst fantasieren? Vielleicht sieht die Welt auch schon ganz anders aus, wenn der Mann so alt wurde.

    @"weltweit" ist kein Füllsel, sondern soll einen gewissen Witz haben (was durch den an sich im Hexa verpönten Reim auf "Zeit" noch unterstützt werden soll). Gerade weil man im Märchen nie "weltweit" schreiben würde, sondern zB "im ganzen Land" wieder Grimm: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?")

    Das ist also eine fantastische, märchenhafte Geschichte: am Kopf wächst auch kein Buschwerk, das schneeweiß und blendend ist usw. Aber: diesen Vers 7 würde ich gerne noch umschreiben, der gefällt mir nicht, vor allem wegen des drangepackten "schneeweiß und blendend". Hier könnte man vielleicht besser verbildlichen: irgendetwas mit Sträuchern und Raureif/Schnee/Sonne oder so. Hast du/irgendwer sonst eine Idee?

    Danke für deine Beschäftigung mit dem Text. Auch wenn ich das oben anders sehe, so ist es immer wichtig, die Dinge (immer wieder) abzuklopfen.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (04.06.2018 um 13:09 Uhr) Grund: jede Menge Tippfehler

  7. #7
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    Hi Ferdi,

    Danke für deine Hilfe und Hartnäckigkeit:

    Also, meine Betonungsvermutung war falsch: Allelujew betont man xXxx! Mein Dank geht an den User Metallist!

    Und ich habe noch ein paar Sachen geändert (siehe oben zweite Version).

    LG
    albaa

  8. #8
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    hi albaa,

    ich nehme einfach mal unverbindlich den Spielball auf und lege was unverbindlich für den letzten Vers vor:

    - rauhe vulkane sind alt wie die zeit bevor sie versinken - rauhe vulkane so alt wie die zeit bevor sie vers(a)inken

    Noch ein wenig über die 2te Version:
    1Vater Allelujew, hieß es, sei alt wie die Zeit, wie polares
    XxxXxx-Xx-xXxxX-xxXx (sehr gute Zäsuren, ob wir nach Vater Allelujew von einer bukolischen Dihärese sprechen könnten, ich meine nicht..)
    2Packeis, niemand sei alt wie er auf Kamtschatka und weltweit;
    Xx-, oder eben XX-XxxXxXxxXxxXX (siehe Anmerkungen ferdi..) weltweit )Xx oder XX
    3nein, nicht alt wie Gebirge, wie Fels und Schlucht war der Greis, doch
    X-xXxxXx-xXxXxxX-x
    4steinalt, dass schwarzgrün Moose wuchsen am mageren Rücken,
    XX, oder eben Xx-xXXXxXxxXxxXx (selbige Betonungsunsicherheit wie oben)
    5tief gebeugt und verkrümmt, wie ein Baum hoch über dem Dorf, auf
    XxXxxX-xxXXXxxXx
    6Graten, wo Stürme in peitschten, tagein und tagaus, ja auch nächtens;
    Xx-xXxxXx-xXxxX-xxXx (so als Idee: wo tosende Stürme)
    7...
    8...
    9...
    10...
    11kroch noch den Bauch empor, durchbohrte den brüchigen Brustkorb,
    XxxXxX-xXxxXxxXx
    12nach dem Herz griff er, das seltener schlug als die Kirchturm-
    XxXXX-xXxxXxxXX
    13uhr; da sein Gang so starr war, verwurzelten langsam im Erdreich
    X-xxXxXx-xXxxXxxXx (uhr; da sein Gang so starr war, 7 einsilbige, mutig, aber eine mögliche Betonungsunsicherheit)
    14...
    15...
    16...

    Qualitativ ließen sich einige Stellen sicherlich verbessern. Du weißt ja, ich mag es, wenn möglichst viele Passagen keine unterschiedlichen Deutungen der Betonungen zulassen. He xa me ter ---- All e lu jew ?
    Deine Verse haben eine coole Story aufgegriffen, wo ich sehr viel Fantasie entfalte. Ich glaube es sind nur wenige Schliffe entfernt von einem sehr ansehnlichem Werk.
    lg fietje

  9. #9
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    Hi, Danke dir fietje für deine Mühe. Ich komme später noch einmal darauf zurück

    Jetzt nur kurz: Das mit Allelujev wird langsam richtig lustig.
    Der russischsprachige Metallist hat sich geirrt und sich korrigiert: die Betonung liegt auf dem u, also doch: xxXx? Ich habe ihn also jetzt auf Russisch дед=ded(sprich ungeführ djed)/Großvater Allelujev genannt. Vielen Dank nochmals an Metallist!

    Lieben Gruß
    albaa

  10. #10
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    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen
    Hi, Danke dir fietje für deine Mühe. Ich komme später noch einmal darauf zurück

    Jetzt nur kurz: Das mit Allelujev wird langsam richtig lustig.
    Der russischsprachige Metallist hat sich geirrt und sich korrigiert: die Betonung liegt auf dem u, also doch: xxXx? Ich habe ihn also jetzt auf Russisch дед=ded(sprich ungeführ djed)/Großvater Allelujev genannt. Vielen Dank nochmals an Metallist!

    Lieben Gruß
    albaa
    hi, ich kaute noch auf den ersten und letzten Vers rum und schiebe diesbezüglich noch was nach.

    V1 дед Allelujew, alt wie die Zeit, wie polares, so hieß es
    -- (X?)xxXx-XxxX-xxXx-xXx
    V16 rauhe Vulkane, alt wie die Zeit, bevor sie versanken.
    -- XxxXx-XxxX-xXxxXx
    Vergleich in etwa:
    XxxXx-XxxXxxXxxXx
    XxxXx-XxxXxXxxXx
    So wären in etwa 2 gleiche Breakstellen an markanten Stellen vorhanden und es könnte sich diesbezüglich ein Bogen spannen, inhaltlich eben auf die Kernaussage - alt wie die Zeit - . Tonal wäre dies wohl experimentell zu bewerten, denn eine bukolische Dihärese im Hexameter säße eher nach dem vierten holodaktylen Versfuß. Quasi ein Totalbreak, inhaltlich und tonal. V3 -nein, nicht alt wie Gebirge, wie Fels und Schlucht war der Greis, doch-... alt wie die Zeit, also warum nicht auch wie Gebirge? (vlt komplett V3 killen?) Aber dieses sind nur Randgedanken aus denen man was übernehmen könnte und sich vlt ein Bogen spannen ließe. Die Kirchturmuhr, eben an bestehender Stelle, voll betont, übergehend zum nächsten Vers XXX, wirft mir noch Fragen auf. Hatten wir nicht mal das Thema angeschnitten, Spondeus im Adoneus? Ist da was möglich, macht es Sinn, wie lesen andere diese Stellen? Lg fietje
    Geändert von Butenlänner (05.06.2018 um 11:07 Uhr)

  11. #11
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    Ded spricht man ohne “j” das wird hart ausgesprochen und kurz
    ...
    Herz ist nicht mit mir.
    Herz ist nicht mit dir.
    Herz ist weit weg. V.Butusov *Das Lied "aus dem Fluss"

  12. #12
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    Liebe Albaa,

    inhaltlich bin ich nah bei Ferdi. Das Packeis wird in der zweiten Fassung einen Tick plausibler, aber das Bild fällt für mich trotzdem aus dem Rahmen. Die witzige Note bei "weltweit" kann ich zwar erahnen, so richtig kommt das Scherzhafte aber bei mir nicht rüber. Anders sähe das vielleicht aus, wenn Du diesen "Reportagestil" durchgezogen hättest.

    Die vielen Wie-Vergleiche sind mir auch zu viel des Guten. Dass der Alte nicht so alt wie Gebirge und Schluchten, aber steinalt sein soll, scheint mir auch unlogisch. Mit dem Namen würde ich mir eine andere Lösung einfallen lassen. Das russische Wort direkt am Anfang finde ich schwierig für den Einstieg in den Text. Entweder würde ich ein deutsches Wort, z.B. Greis, nehmen, oder den Namen weiter hinten in den Vers setzen. Günstig wäre vielleicht die Position nach einer männlichen Zäsur.

    Statt "Füße wie Zehen" fände ich z.B. "Fersen wie Zehen" passender, damit das "wie" hier einen Sinn ergibt. Auf die "Fußpflege" komme ich später noch zurück. Hier nur ganz kurz:

    @Fietje: Die bukolische Diärese ist die zwischen viertem und fünftem Fuß, die ausnahmsweise auch mal Hauptzäsur sein darf. Allgemein "Diärese" heißen die Einschnitte zwischen zwei Versfüßen (z.B. die Mittelzäsur im Penta), die aber (vor allem als Hauptzäsur!) im Hexa nicht erwünscht sind, weil sie den Vers zerreißen.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  13. #13
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    Danke, Metallist, ja so gehts, wenn man keine Ahnung von der Sprache hat und nur die Google-Übersetzer-Aussprache anhört

    Aber ich weiß eh nicht, ob das "Ded" eine so gute Lösung ist; Ferdi haderte schon mit dem russischen Namen wegen der Betonungsunsicherheit, damit könnte ich allerdings leben, weil es eben bei uns auch russische Namenträger gibt und weil dieser Name einfach so klangvoll ist.


    Deshalb noch eine Frage an die Hexaexperten: Grundsätzlich funktionieren ja anapästische Versanfänge, die zB Schiller oft und sogar in seinem Lehrsatz benutzt: Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,, also "im Hexameter" x xXxx;
    also gehe ich davon aus, dass ich Allelujew xxXx auch am Versanfang verwenden kann(?). Dann könnte ich nämlich den Ded weglassen und dazu wäre auch noch die Z1 der ersten Fassung ok (?).

    Vielen Dank!

    Lieben Gruß
    albaa
    p.s. @ Buttenlänner: Für eine Antwort auf deine Textarbeit brauche ich noch etwas Zeit! Danke!



    Liebe Claudi,

    Da haben sich unsere Einträge jetzt gerade überschnitten. Danke auch dir für deine Meinung zum Text und die technische Erklärung. Ich glaube, in der vorletzten Zeile könnte man allenfalls eine bukolische Diärese (als Hauptzäsur) vor "rauschend" lesen (?)

    Ja, mein (österreichischer) "Schmäh" ist wohl ein bissl eigen: "steinalt" soll eben auch gerade nicht logisch sein,
    denn was ist hier schon logisch? Und es soll nicht eigentlich "scherzhaft" sein, sondern ... ja, keine Ahnung, ... wie ich das jetzt ausdrücken soll ... nicht todernst, obwohl es um den Tod geht vielleicht ... und natürlich absurd, wie das Sterben und "unpassend" in diesem Kontext (wir hatten das mit dem "Unpassenden" zuletzt bei dem Schlagzeugsolo von Isaban; das hier ist anders "unpassend"). Und die vielen "wies" (die ich sonst möglichst vermeide) sind hier eben auch als Stilmittel eingesetzt, rund um das Absurde, überzeichnet. Also ja, keine Ahnung ... hätte ich nicht auch positive Rückmeldungen bekommen, würde ich es jetzt einstampfen.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (05.06.2018 um 19:02 Uhr)

  14. #14
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    Während der Hahn noch kräht, ist der Schleim der Schnecken vertrocknet:
    Netze aus Katzengold schimmern auf Steinen im Hof.
    Einzelne Trödler fanden den Weg nicht, ins rettende Gras, nun
    kleben sie hilflos fest, hoffen, dass Tau sie erlöst.
    ...
    Über der mageren Alm thront eitel die gleißende Sonne
    Wirft in sturem Wahn Brand auf den durstigen Berg.
    ...
    Langeweile berauscht mich, als fließe Absinth durch die Adern,
    schärft mir die Sinne, dämpft Zweifel an meinem Verstand.
    Ich meditiere verschwitzt und zähle versunken die nackten
    Zehen, von eins bis zehn, achtsam dann wieder zurück,
    ...

    Ich hoffe du klebst nicht allzu fest und ein Tau hält dein Getriebe hexagängig. Manchmal muss ein Text erst wie ein Teig ziehen, dann Blubb, blub, Bäng, und dann glänzt dort eine Hexameterkomposition, so wie deine Sommermeditationen, aus denen ich anfangs zitierte: https://www.gedichte.com/showthread....ermeditationen

    Ein Beispiel aus der Ilias hinsichtlich bD:
    ( Achter GesangV466/467 ):
    1Raten wollen wir nur den Danaern, ihnen zum Nutzen,
    XxXxxXxXxx--bD--XxxXx
    2Daß sie nicht alle verderben vor deinem gewaltigen Zorne.
    XxxXxxXx I xXxxXxxXx

    Ein Beispielvers von mir:
    Anfangs ein Wort aus dem Tropfen der Eifrigen- Dichter on Dotcom,
    Daß sie nicht alle verderben vor eurem gewaltigen Zorne.

    Die bukolische Dihärese ( bD ) ist nicht eine Zerschneidepause inmitten eines Metrums, sondern eine massivere Trennpause zwischen zwei Metren: Ein syntaktischer Endteil addiert sich mit einem metrischen Endteil! Die bukolische Dihärese ist die Trennpause vor dem fünften und dem sechsten Takt des Hexameters ( XxxXxxXxxXxx-bD--XxxXx ) Sie ist eben auch durch ein syntaktisches Grenzsignal und meist mit einem Struktur-Zeichen gekennzeichnet! Oft gehört der Text nach der bukolischen Dihärese schon zum nächsten Vers, oder ein Adoneus hebt sich heraus, der Liebhaber der Venus, mit ganz eigener Stellung. Eine deutliche bD erhalten wir eigentlich nur, wenn das Metrum zuvor vollständig ist, dh daktylisch ist! Wenn man so eine bD wahrnimmt, dann sollte man sensibilisiert sein, hier könnte etwas besonderes folgen, häufig sind solche Stellen mit vielen subtilen "Sinneindrücken" verbunden! Wir finden solche bDs (bukolische Dihäresen) viel in den griechischen Hexametern und auch bei uns können sie Mittel zum Ausdruck werden. Hexameter werden halt nie langweilig...
    lg fietje

  15. #15
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    Hi,

    fietje, ich habe nix Wesentliches an deiner Xerei auszusetzen; du hast auch schön die XXX aufgezeigt, also die Stellen, wo Spondeenwörter oder geschleifte Spondeen sitzen.


    4steinalt, dass schwarzgrün Moose wuchsen am mageren Rücken,
    XX, oder eben Xx-xXXXxXxxXxxXx (selbige Betonungsunsicherheit wie oben)
    habe ich in Version 2 geändert (siehe oben), damit die Spondeen auch den richtige Platz haben, also in als Ersatz für Doppelsenkungen:

    steinalt, schwarzgrün wuchsen die Moose // am mageren Rücken,


    ob das dann noch zum "Sprinquell-Merksatz" von Schiller passt?

    Deine "alt wie die Zeit"-Klammer-Idee finde ich sehr spannend:

    V1 дед Allelujew, alt wie die Zeit, wie polares, so hieß es
    -- (X?)xxXx-XxxX-xxXx-xXx
    V16 rauhe Vulkane, alt wie die Zeit, bevor sie versanken.
    -- XxxXx-XxxX-xXxxXx
    Meine Idee wäre:

    V1: Allelujew, alt wie die Zeit, so alt wie polares

    V16: wie Vulkane, alt wie die Zeit, bevor sie versanken
    .


    Dann hätten der erste und letzte Vers auch die gleiche Bewegung
    xxXx XxxX // xX xxXx

    Was hältst du davon?


    Noch was zum harten Übergang von V12 auf 13, (Ferdi, ich hoffe du liest noch mit und hast noch Geduld mit mir)!:

    V12: [ ... ] Kirchturm-
    V13: uhr; [ ... ]



    Dieses Abteilen von zusammengesetzten Worten habe ich von Jan Wagner abgeschaut, zB hier in seinen "Römischen Elegien", also in Form von Distichen, "Fünfte Elegie", V5 auf 6,:

    [I]Rucola und Basilikum, Berge von Gurken und Kohl, To-
    maten, ihr pochendes Rot, groß wie ein Ochsenherz -

    (nebenbei: hier fehlt auch noch die eigentlich unerlässliche Doppelsenkung am Ende des Penta.)

    Ich finde, zur Aussage wie selten das Herz schlägt passt es ganz gut, wie die "Kirchturm - uhr" auch noch "auseinanderfällt": 1, 2 Pause 3.

    Aber bei dem Zehen/Füße/Wurzelbild geht sicher noch was, da hast du durchaus recht, liebe Claudi; Fersen wäre nur ein schlechter Kompromiss.

    Danke, lieber fietje, und ich freu mich, dass du diese Hexa-Verrücktheit mit mir teilst und mich aufbaust mit deiner Teigmetapher und für das Ausgraben der "Sommermeditationen", die mag ich auch immer noch.

    Vielen Dank!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (06.06.2018 um 18:47 Uhr)

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