1. #1
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    161

    Sonett und Gegensonett

    Dem Sonettisten ins Stammbuch:

    Was in Sonetten Dichter schlau erdachten,
    das führt der tristen Wörterlatte wegen,
    selbst wenn sie die verschämt in Watte legen,
    oft in Tenzonen nur zu Dauerschlachten.

    Mir ist schon klar, die Kerls ersinnen Späße!
    Wie zäh sie doch beim Worteleimen raufen,
    dass Verse nicht so drög in Reimen laufen.
    Ach, wenn der Witz nur, den sie spinnen, säße!

    Einst wird auch mich der ewge Schlummer decken,
    drum will ich mich hier nun als Schlemmer ducken,
    ein gutes Fläschchen noch zum Dämmer schlucken
    und mich an Schüttelreimen dummer schlecken.

    Ich will die letzten Jährchen schlau genießen,
    und vor Sonetten meine Augen schließen.

    Der Sonettist entgegnet:

    Was wäre denn, wenn du die Augen schlössest,
    die Freiheit von Sonetten schlau genössest?

    Wenn Vierzehnzeiler deinen Schlummer hemmen.
    Dann mal doch lieber Berge, Almen. Pinsel
    ein Bild von einer schönen Palmeninsel,
    wie zwei bei feinem Wein und Hummer schlemmen.

    Du darfst ja Schüttellust gar viel verspüren,
    doch muss ich fürs Sonett die Form verneinen.
    Wie wolltest du die strenge Norm verfeinen
    und mich zu deinem Schüttelspiel verführen?

    Wohl wahr, geschüttelt sind leicht vierzehn Zeilen,
    doch sind es noch zum edlen Fachwerk Meilen.
    Du musst noch tüchtig an dem Machwerk feilen.
    Ich reiche dir zur Schüttelzier zehn Feilen.
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  2. #2
    Registriert seit
    Dec 2008
    Beiträge
    1.487
    Zitat Zitat von Friedhelm Beitrag anzeigen
    Dem Sonettisten ins Stammbuch:

    Was in Sonetten Dichter schlau erdachten,
    das führt der tristen Wörterlatte wegen,
    selbst wenn sie die verschämt in Watte legen,
    oft in Tenzonen nur zu Dauerschlachten.

    Mir ist schon klar, die Kerls ersinnen Späße!
    Wie zäh sie doch beim Worteleimen raufen,
    dass Verse nicht so drög in Reimen laufen.
    Ach, wenn der Witz nur, den sie spinnen, säße!

    Einst wird auch mich der ewge Schlummer decken,
    drum will ich mich hier nun als Schlemmer ducken,
    ein gutes Fläschchen noch zum Dämmer schlucken
    und mich an Schüttelreimen dummer schlecken.

    Ich will die letzten Jährchen schlau genießen,
    und vor Sonetten meine Augen schließen.

    Der Sonettist entgegnet:

    Was wäre denn, wenn du die Augen schlössest,
    die Freiheit von Sonetten schlau genössest?

    Wenn Vierzehnzeiler deinen Schlummer hemmen.
    Dann mal doch lieber Berge, Almen. Pinsel
    ein Bild von einer schönen Palmeninsel,
    wie zwei bei feinem Wein und Hummer schlemmen.

    Du darfst ja Schüttellust gar viel verspüren,
    doch muss ich fürs Sonett die Form verneinen.
    Wie wolltest du die strenge Norm verfeinen
    und mich zu deinem Schüttelspiel verführen?

    Wohl wahr, geschüttelt sind leicht vierzehn Zeilen,
    doch sind es noch zum edlen Fachwerk Meilen.
    Du musst noch tüchtig an dem Machwerk feilen.
    Ich reiche dir zur Schüttelzier zehn Feilen.
    Hi, würde Dotcom ein Buch herausgeben, sagen wir, die geilsten Dotcom-Sonetten 1, dann sollte dieses Sonett ganz vorne stehen. In Sachen Sonetten-Lektüre auf hohem Niveau wird man hier geholfen.., da ist Dotcom Nummero Uno.
    lg fietje

  3. #3
    Registriert seit
    Apr 2018
    Beiträge
    72
    Hallo Friedhelm,

    hervorragend geschüttelt, nicht gerührt!

    Herzliche Grüße
    Tynset

  4. #4
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    161
    Danke Fietje und Tynset fürs Lesen und Kommentieren.

    Liebe Grüße
    Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  5. #5
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    161
    Hi! Ich weiß nicht, ob man das hier sagen darf. Inzwischen ist das Gedicht in einem anderen Lyrikforum als Werk des Monats ausgezeichnet worden.

    LG Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  6. #6
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    2.378
    Hallo Friedhelm,

    ich verneige mich vor dem König, nein Kaiser, ach was sag ich: Gott der Schüttelreime!!! Dies ist wohl eines deiner allerbesten. Chapeau!!

    LG
    Richmodis

    (mich würde mal interessieren, ob Du so im Alltag überhaupt ohne Schüttelreimsuche denken und sprechen kannst )

  7. #7
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    216
    Na endlich. Ich hab dich schon vermisst, lieber, lieber Professor Schlurch:

    Ach, wenn davon nur eine Maid erwachte.
    Denn ohne ihn, den großen Schüttelrowdy
    verschlief sie Schönes. Seine Rüttelschau, die
    ist toll, man wünschte, dass er weiter machte

    Doch mich packt wahrlich blanker Zorn. So dank ich
    dir herzlich, mir hier so die Show zu klauen.
    Das ist für mich, wie tief ins …
    Du bist in meinem Fleisch der Dorn! So zank ich.

    Doch andrerseits - wie schön, mit dir zu zanken.
    Ich pinsle einfach süßen Schleim, mein Richter:
    Wie geil du schreibst! Es ist mir Zier, zu danken.

    Dass du nun traurig senkst die Lider, wußt‘ ich,
    Weil er dich kränkt, der Dankesreim, mein schlichter.
    Doch mit dir wird’s im Forum wieder lustig.





    LG, Eddigeh
    Geändert von eddigeh (07.07.2018 um 17:52 Uhr) Grund: Die Langeweile ließ mich noch dran basteln
    "Ich pass' immer auf zu dir"

  8. #8
    Registriert seit
    Apr 2017
    Ort
    Hattersheim am Main
    Beiträge
    522
    Lieber Friedhelm,

    Schwierigkeitsgrad zehn, würde ich sagen - und hervorragend gemeistert!

    Liebe Grüße,
    Stefan
    Komische Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  9. #9
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    161
    Hi! Vielen Dank Richmodis. Zu deiner Frage, ein Schüttler ist meistens ständig am Schütteln, so auch ich, und sogar auf dem Krankenbett, als ich dieser Tage wegen einer vermuteten Herzmuskelentzündung in Stuttgarter Katharinenhospital war.

    Lieber alter Freund eddigeh, es freut mich besonders von dir zu hören und dann mit einem geschüttelten Feedback. Danke auch dir.

    Herzlichen Dank auch dir, lieber Stefan, ein Lob von dir freut mich besonders, du bist ja selbst auch ein großartiger Schüttelreimer.

    LG Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  10. #10
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    2.355
    Lieber Friedhelm,

    Schüttelreime sind völlig uninteressant
    im Grunde saulangweilige Kurriositäten und Wortsalate.
    Dort aber wo sie dennoch spannend unterhalten,
    besteht für mich die ganz dünne Luft von hoher Ausnahmekunst.
    viel zu hoch, um jemandem dort das Wasser zu reichen,
    viel zu unerreichbar für den NormaloDichter ,
    und damit völlig uninteressant für mich,
    dieses nachahmen zu wollen.
    Vierzehn Zeilen, fünfzehn Punkte
    volle Punktzahl & Staunen,
    mehr habe ich dafür nicht übrig.

    L.G.A.

  11. #11
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    161
    Hi Anjulaenga,

    herzlichen Dank für dein Feedback, das mich etwas zwiespältig berührt, auch wenn ich darin ein großes Lob erkenne. Schüttelreime sind allerdings keine saulangweiligen Kuriositäten, der Schüttelreimer ist keineswegs nur ein Wortjonglierer, auch wenn er damit nicht selten purer Nonsens verbindet. Möglich sind auch geschüttelte Lebensweisheiten und Gedichte voller Poesie. Ich kenne da einen Kollegen, der sämtliche Sonette Shakespeares in Schüttelsonette voll poetischer Schönheit übertragen hat.

    LG Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  12. #12
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    2.355
    Hab mich falsch ausgedrückt, lieber Friedhelm, wenn dich mein Kompliment zwiespältig berührt hat.
    Bei meinen Schüttelversuchen ist noch immer eine langweilige Nummer draus geworden, trotz stundenlangem Rumgetrickse. Ähnliches sah ich aber auch schon bei anderen.
    Ein geshaketer Shakespeare ist da jenseits meiner Vorstellungswelt, und ganz einfach eine andere Liga, wie auch dein obiges Dingens.
    So, jetzt hast du ein zweites mal ein Kompliment bekommen, und ich hoffe, diesmal ist es für dich klar und eindeutig. L.G.A.

  13. #13
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    161
    Danke, Anjulaenga, für die Klarstellung, und noch mal für deine Lob. Aber mit der Loberei ist es so eine Sache:

    Zum Himmel soll man keine Lober heben,
    oft tiefen Fall muss, wen man hob, erleben.
    Indessen kann wohl kaum man Heber loben,
    die Bier und Wein trotz fetter Leber hoben.

    Lg Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Sonett
    Von Nudelnmitsoße im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 25.03.2014, 00:43
  2. Sonett
    Von Cailyn im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 22.04.2013, 22:13
  3. Sonett K3
    Von Dr. Karg im Forum Erotik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 08.12.2011, 22:02
  4. Gutes steckt im Sonett! (mein Beitrag zur Sonett-Diskussion)
    Von Lachmalwieder im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 04.07.2007, 19:53
  5. Ein Sonett
    Von babbelnet im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 04.12.2005, 15:05

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden