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Thema: HEILUNG

  1. #1
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    HEILUNG

    Wenn unsre Wunden heilen sollen,
    gelingt dies nur im Raum der Zeit.
    Lasst uns auf die Zukunft hoffen.
    Steht sie als Heilsbringer bereit?


    .
    Geändert von Alfred Plischka (11.06.2018 um 02:31 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Alfred,

    welche Lösung ist nicht mehr weit, die Zukunft?
    Falls ja: Ist denn die Zukunft eine Lösung, ist sie nicht viel eher das Problemfeld, von dem wir nicht wissen, ob es uns ein gutes oder ein weniger gutes Ende beschert?

    Liebe Grüße

    Sabine
    Wir lesen uns!

  3. #3
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    Liebe Isaban,
    die Zukunft als Element der Zeit ist sicher auch Problemfeld, allerdings versöhnt die Zukunft auch mit der Vergangenheit, wenn die Vergangenheit auch Narben hinterlässt. In medizinischem Bereich gibt es die sogenannte Narbensalbe, die man anwendet, damit die Narben nicht verhärten. Wenn die Zukunft als Element von Zeit im Sinne des Selbsterhaltungstriebes des Menschen keine Heilungsfunktion hätte, müsste der Mensch konsequenterweise Selbstmord begehen. Ich habe mich an der Lebensweisheit orientiert: Die Zeit heilt alle Wunden.

    Liebe Grüße
    Alfred

  4. #4
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    Eventuell,

    Ist die Genesung nicht mehr weit

    ?

    MfG
    Metallist
    ...
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    Herz ist nicht mit dir.
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  5. #5
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    Lieber Alfred,

    der Spruch "die Zeit heilt alle Wunden" ist eine reine Floskel, die man von sich gibt, wenn man genau weiß, dass die Heilung noch verflixt lang auf sich warten lässt. Die Lösung eines Problems bietet er nicht wirklich, er tröstet auch nicht, er vertröstet lediglich. Das als "Narbensalbe" zu betrachten, damit die Narbe nicht verhärtet - ist ganz gewiss Ansichtssache.

    Sowohl Zeit als auch Zukunft sind Begriffe, die im Sinne des Textes nur funktionieren, wenn man ihnen einen Rahmen gibt.

    Wenn du schreibst, dass die Lösung nicht mehr weit sei, muss erst ein Problem angesprochen, ein Bezug zum Problem dargestellt werden. Das ist bei deinem Text nur bedingt der Fall.
    Klar, man hat den Titel, V1 und 2 vor Augen und kann sich an den Fingern abzählen, dass es irgendwie um Heilung geht. Wir wissen jedoch nicht einmal, ob der Wundschmerz das Problem ist, ob schlichtweg der Heilungsprozess das Problem darstellt oder die Zeit, die dieser bis zum Abschluss benötigt.

    Wie lange die angesprochene Heilung dauert, wann der Wundschmerz vorbei ist, ist - wie auch im Leben - den Worten nicht zu entnehmen.

    Die Behauptung, die Lösung sei nicht mehr weit kommt mir - je nach Auslegung - entweder vor, als würde ein Erwachsener auf einer Autofahrt ein kleines Kind vertrösten, das ständig fragt: "Sind wir gleich da?", oder aber wie eine Drohung: "Die (End/Er-) Lösung ist nah!", was nicht unbedingt ein gutes Ende, beziehungsweise eine angenehme Lösung des Problems bedeuten würde.

    Indem wir auf die Zukunft hoffen,
    ist diese Lösung nicht mehr weit.
    Wird im Bezug auf Heilung wirklich auf die Zukunft gehofft, oder nicht viel mehr auf den Abschluss des Heilungsprozesses? Ich würde das Letztere annehmen, wenn es nicht gerade darum geht, ein Hirn aus einem sterbenden Körper zu entfernen, damit es fachgerecht eingefroren und in ferner Zukunft irgendwem oder -was eingepflanzt werden kann (und nee, auf sowas hoffe ich nicht, ich wollte nur eine Science-Fiction-Vision bebildern).

    Zudem: Was bedeutet "nicht mehr weit? "Nicht weit" bedeutet "nah". Was ist nah? Welche Zukunft ist nah? Die in 5 Minuten, die in 10 Minuten, nächsten Dienstag, in einer Woche, einem Monat, einem Jahr, in diesem Jahrhundert, im nächsten, im nächsten Jahrtausend?

    Man kann zwar, wenn man denn unbedingt will, sagen "Die Zeit ist gekommen", dann weiß man, dass ein Zeitabschnitt beendet ist, der angedachte Termin ist jetzt erreicht.
    "Die Zeit ist nah" aber sagt eigentlich nichts aus, außer dass man noch weiterwarten muss - wie gesagt, sowohl Zeit als auch Nähe sind sehr dehnbare Begriffe.
    Toll wäre es natürlich, wenn man Datum und Uhrzeit genannt bekäme, das klappt bei einem Heilungsprozess nicht wirklich, man kann bestenfalls schätzen, wie lange es eventuell dauern könnte, aber das funktioniert bei schmerzhaften körperlichen Missbildungen, Hirnschädigungen, tiefen seelischen Verletzungen, Querschnittslähmungen, Krebskrankheiten, Trauerfällen, Trennungsschmerz und Weltuntergängen etc. eher selten.
    Kann man keinen genauen Termin nennen, ist so eine Antwort praktisch keine Antwort.

    Wenn man sagt: "Die Lösung/Zukunft ist nah" hat man zwar nicht gelogen, aber im Grunde nichts über den Zeitrahmen ausgesagt, außer dass die Lösung des Problems vermutlich (auf die eine oder andere Wiese) irgendwann in der Zukunft liegt. Klar dürfte sein, dass "Zukunft" immer in der zum Erlebten nächsten Nanosekunde beginnt und definitionsgemäß nie endet; es wird also ein absolut unüberschaubarer Zeitraum bis zur Problemlösung anvisiert - und was diese Zukunft bringt, wann sie etwas bringt und ob einem gefällt, was sie bringt, das alles bleibt unerwähnt. Es wird also nichts von Relevanz ausgesagt, es wird keine "Lösung" aufgezeigt, es wird bestenfalls- wie bei ungeduldigen, unverständigen, knatschigen, nervigen kleinen Kindern während einer längeren Autofahrt - lediglich vertröstet: "Wir sind gleich da."

    Aber vielleicht ist meine Sicht der Dinge ja eine besonders hinterfragende oder verbissene und andere sehen das ganz anders.

    Liebe Grüße

    Sabine
    Wir lesen uns!

  6. #6
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    Liebe Sabine,
    du hast sicher nicht Unrecht, wenn du so unerbittlich den Finger in die "Wunde" legst.Du machst das auch sehr akribisch und überzeugend.
    Vielleicht werde ich auch zu sehr vom Prinzip einer sich irgendwann erfüllenden Hoffnung beseelt, die sich erfüllen wird, weil der Mensch eigentlich ohne das "Prinzip Hoffnung" nicht leben kann, ich weiß es auch nicht hundertprozentig.

    LG Alfred

  7. #7
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    Liebe Sabine,
    ich habe den Text umformuliert und damit der Interpretation mehr Raum gegönnt.

    LG Alfred

  8. #8
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    Oha, lieber Alfred,

    betrachte mal deine Verbesserung unabhängig von den beiden ersten Versen:

    Lässt uns auf die Zukunft hoffen,
    dass sie die Lösung hält bereit.
    Liebe Grüße

    Sabine
    Wir lesen uns!

  9. #9
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    Liebe Sabine,
    das passiert, wenn man zu flüchtig agiert
    LG. Alfred

  10. #10
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    Lieber Alfred,

    da gibt es auch noch diese stilsitisch nicht wirklich begründbare Invesion im letzten Vers.

    LG Sabine
    Wir lesen uns!

  11. #11
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    Liebe Sabine,
    diese verdammten Inversionen - eine bei mir fast unausrottbare Krankheit. Wahrscheinlich bin ich nach ihnen süchtig. Müsste jetzt eigentlich das Thema noch mit einem Fragezeichen versehen, weiß aber nicht, wie das geht! (?)

    LG Alfred

  12. #12
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    Lieber Alfred,

    das kannst du hier unter "Titeländerung" bei der Moderation beantragen.

    https://www.gedichte.com/showthread....C3%A4nderungen

    LG Sabine
    Wir lesen uns!

  13. #13
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    Hallo Alfred Plischka,

    so wird ein Schuh daraus:

    Wenn unsre Wunden heilen sollen,
    gelingt dies nur im Raum der Zeit.
    So lasst uns auf die Zukunft hoffen.
    Hält sie die Antwort schon bereit?


    Ansonsten ist mir das zu verkürzt und allgemein, denn welche Wunden sollten das sein? - und haben wir alle die gleichen Wunden? Und selbst wenn; hilft uns allen die gleiche Behandlung?


    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  14. #14
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    Hallo zusammen,

    A.D.s Version gefällt mir ebenfalls.

    LG Sabine
    Wir lesen uns!

  15. #15
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    Liebe Isaban, "Zeit heilt alle Wunden" ist für mich schon eine recht spannende Floskel. Vor allem, wenn ich das auf die Seele beziehe. Die seelische Verfassung ist eng an die vorherrschende Moral gebunden. Gerade erleben wir ein drastischen Umschwung. Die gebeutelten Moralisten können aufatmen und sich nun für die Schmähungen der Freizügigen rächen. Für Viele vielleicht eine überraschende Wende. Einige allzu Freizügige beginne die Inquisition am Horizont zu ahnen. Und so schlägt das Heilende, die Freiheit, späte Wunden... - Die Zeit heilt also nicht alle Wunden... die Zeit heilt höchstens die Zeit. Oder schlägt späte Wunden

    Ich mag aber generell Gedichte nicht, die brennende Fragen an die Zukunft weiterschieben. Sag ich jetzt mal öffentlich, um mir eine gelegentliche Nachahmung dieser verfluchten Unsitte zu erschweren. .

    lg
    Geändert von Artname (10.06.2018 um 21:26 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

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