1. #1
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    Der Poltergeist

    DER POLTERGEIST
    © Sonnenwende

    Der Poltergeist kommt in der Nacht
    wenn alles friedlich schläft,
    er klopft aufs Blech von einem Dach,
    denn das ist sein Geschäft.

    Er poltert, weil er poltern muss,
    das ist ja sein Talent,
    er bringt vom Jenseits einen Gruß,
    vom Liebsten, den man kennt.

    Er kommt nicht nur bei Vollmond an,
    und selten bei dem Regen,
    mal ist er Frau, mal ist er Mann,
    mal ist er nicht zu gegen.

    Der Poltergeist hat einen Mut,
    den muss man ihm auch lassen,
    davor ist mancher auf der Hut,
    man kriegt ihn kaum zu fassen.

    Erblickt man einmal sein Gesicht
    bei einem Nachtgepolter,
    erkennt man ihn im Scheinwerferlicht,
    dann fragt man sich, was wollt er?

    *

  2. #2
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    Hallo Sonnenwende,

    inhaltlich für mich ein schwung- und humorvolles Gepoltere mit rätselhaftem Schluss. Wer war da wohl nachts (z. B. am Kühlschrank?).

    Die letzte Strophe würde ich etwas abändern, weil das Scheinwerferlicht den bis dahin schön durchgezogenen Rhythmus (drei-/vierhebigen Jambus) störend durchbricht. Wie wär es mit:

    Und sieht man ihn doch mal im Licht
    bei seinem Nachtgepolter
    erkennt man plötzlich sein Gesicht
    und fragt sich dann: Was wollt er?

    Ein Vorschlag. Es gibt sicher auch noch andere Lösungen.
    "Aber es muss gehen, andere machen es doch auch!"
    Loriot

  3. #3
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    Danke, Richmodis für den positiven Kommentar. Der Vorschlag gefällt mir sehr gut. Aus dem habe ich eine neue Variante entwickelt.

    *

    Trifft ihn ein Scheinwerfer mit Licht
    bei seinem Nachtgepolter,
    erkennt man plötzlich sein Gesicht,
    dann fragt man sich: Was wollt er?

    *

  4. #4
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    hmm ... grübel:

    Da muss als erster
    ein andrer Vers her.
    Scheinwerfer ohne Licht
    gibt es - aus meiner Sicht -
    wohl eher nicht

    LG
    Richmodis
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    Loriot

  5. #5
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    Hey Sonnenwende, ich mag das Gedicht auch, denn die Geschichte liest sich leicht.
    Zwei Kleinigkeiten und ein Gemeckere zur letzten Strophe:
    S3Z2: Selten bei dem Regen, das "dem" dürfte dem Metrum geschuldet sein, denn es geht ja um Regen im Allgemeinen. Besser wäre "nur bei Regen" oder "mal bei Regen", aber beide Wörter hast du kurz davor oder danach gebraucht. Da hilft wohl nur, den Regen zu ersetzen mit einem dreisilbigen Wort (z.B. Gewitter) oder eine gute Erklärung zu finden, warum du hier auf eine Senkung verzichtest und damit ein Xxx einschiebst.

    Dasselbe S4Z1: Hat einen Mut, auch hier geht es nicht um einen spezifischen Mut. Dass du hier bei 4-hebig bleiben willst, verstehe ich bestens. Wie wärs mit "hat wirklich Mut"?

    Die letzte Strophe wurde ja bereits bearbeitet. Dennoch finde ich die neue Fassung nicht optimal:
    Scheinwerfer XXx oder meinetwegen Xxx fällt als einziges Wort im ganzen Gedicht aus dem gewählten Metrum. Und gibt es denn auch Scheinwerfer ohne Licht? Ich stelle mir vor, wie ich nachts durchs Haus schleiche, um dem Poltern auf den Grund zu gehen. Dafür verwende ich eher eine Taschenlampe als einen Scheinwerfer.
    Vorschlag Z1: "Trifft ihn ein Taschenlampenlicht", wobei "trifft" als starkes Verb eigentlich betont werden sollte. XxxXxXxX
    Dann vielleicht (ich kann auch mit der Kerze durchs Haus schleichen):

    Doch sieht man ihn im Kerzenlicht
    bei seinem Nachtgepolter,
    erkennt man plötzlich sein Gesicht
    und fragt sich dann: "Was wollt er?"
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  6. #6
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    Hallo Sonnenwende!

    Ich habe Dein Gedicht sehr gern gelesen. Es ist beruhigend und das komplette Gegenteil von dem was man über Poltergeister im Film zu lernen vermag (zornig und rachsüchtig ist definitiv schlimmer als ein Gruß der Liebsten aus dem Jenseits). Dein Poltergeist ist ziemlich liebenswert und ja, süß! <3

    Allerdings verstehe ich die vierte Strophe nicht so recht, da sie meiner Ansicht nach inhaltliche Diskrepanzen enthält. Zum einen hat er im ersten Vers Mut -> in welcher Hinsicht? Zum anderen bekommt man ihn kaum zu fassen, was für mich das absolute Gegenteil, nämlich ängstlich und scheu impliziert.

    Hilf mir da ein wenig auf die Sprünge, sofern es nicht zu viel verlangt ist.

    Es grüßt

    der Schluckspecht
    Geändert von Sagittarius A* (09.06.2018 um 09:49 Uhr)

  7. #7
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    Hallo Ihr Lieben Autoren,
    die Ihr mir helfen wollt, aus dem Gedicht das Optimum herauszuholen.

    Das Gedicht hat eine Geschichte:
    Mein Nachbar täuscht vor, der Poltergeist aus dem Jenseits zu sein, obwohl ich ihn längst erkannt habe. Er schleicht sich nachts auf mein Grundstück, wo ich als Frau alleine wohne in einem 90 Jahre alten Haus. Er war heuer 70 und ich bin 61 und sein Sohn ist 50. Das sind die zwei Poltergeister, die nachts auf mein Blechdach klopfen um Punkt Mitternacht oder um Punkt 3 Uhr, zum Beispiel, mal der Sohn, mal dessen Vater, mal ein Komplize von diesen, das geht seit Jahrzehnten so.

    Erst war ich der Meinung, in meiner Fantasie, es sind meine Großeltern oder meine Mutter aus dem Jenseits, bis ich einen zum ersten Mal erblickt habe gegen 5 Uhr früh, als es schon dämmerte.
    Ich habe Bewegungsmelder mit 500-Watt-Scheinwerfern, die gehen kurz an, wenn man am Haus vorbeigeht und dann wieder aus und wenn ich nicht schnell genug bin, aufstehen, zum Fenster laufen und hinausschauen, ist derjenige wieder im Dunklen, also aus dem Lichtkegel heraus und ich kann es nicht mehr erkennen, ob es der übergewichtige Sohn oder der übergewichtige Vater vom Sohn ist, oder ein Komplize, den sie beauftragt haben. Oder ich sehe gar keinen, wurde aber von Klopfgeräuschen geweckt. Wie Ihr seht, ist mein Gedicht nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruht auf einer Tatsache, was viele Jahre immer wieder mal schubweise vor sich geht, natürlich nur bei Schönwetter. Das Gewitter scheuen sie.
    Das Ganze ist kein Verschaukeln und kein liebevoller Streich, sondern die wollen mich fertigmachen und mir Angst machen. Das hat Strategie. Oder sie haben einfach Spaß daran, das weiß ich nicht so genau. Aber ich habe keine Angst.
    Diese Leute sind sehr kriminell, und verursachen auch Schäden auf meinem Grundstück, aber ich komme dagegen nicht an. Das ist der Hintergrund von dem Gedicht.
    Mit lieben Grüßen
    Sonnenwende

    PS.: Kriminelle kriegt man schwer zu fassen! Der muss nicht scheu sein, aber lichtscheu ist er. Und er leugnet es konsequent, obwohl er gesehen hat, dass ich ihn gesehen habe und ihm gesagt habe, dass ich ihn erkannt habe. Trotzdem setzt er dieses Poltergeist-Spielchen fort.

    Trifft ihn Bewegungsmelderlicht
    bei seinem Nachtgepolter,
    erkennt man plötzlich sein Gesicht,
    dann fragt man sich: Was wollt er?

    *
    Geändert von Sonnenwende (09.06.2018 um 14:06 Uhr)

  8. #8
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    Liebe Sonnenwende,

    dann passt das Bewegungsmelderlicht natürlich bestens. Aber auch wenn man die Vorgeschichte nicht kennt, fände ichs witzig.

    Die reale Story ist ja mindestens genauso gruselig wie ein echter Poltergeist.

    Kommen die morgen Nacht vorbei,
    lauf raus, sie anzupöbeln
    und hilft dies nicht, würd ich die zwei
    mal ordentlich vermöbeln.
    "Aber es muss gehen, andere machen es doch auch!"
    Loriot

  9. #9
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    Wow, das klingt nun definitiv beängstigend, mit einer würzigen Prise bitteren Beigeschmacks verfeinert. Und vermutlich sind diese Begrifflichkeiten untertrieben... Und doch ist der, meiner Meinung nach, leichtfüßige Umgang mit der Gesamtsituation des LI ziemlich bemerkenswert.

    Vielen Dank für die Aufklärung!

    Es grüßt

    der Schluckspecht

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