1. #1
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    herzschlagfinale

    ich vermisse die wankelmütigkeit früherer sommer
    das frösteln in den schafskalten juninächten
    hat sich in ärmelloses schattensuchen gewandelt

    du sagst tornados und starkregen seien warnungen
    einer sich immer heftiger wehrenden natur
    gegen die auswüchse menschlicher untugenden

    jetzt stehen wir nebeneinander an der baumgrenze
    unser blick fliegt schnurstracks dem gipfel zu
    während im tal das echo pochender herzen verhallt
    Geändert von Perry (10.06.2018 um 00:48 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Perry,

    ein schwieriger Text. Ich sehe seine Oberfläche, tiefere Schichten und Bedeutungen hingegen scheinen sich vor mir zu verstecken.

    S1: Wie kann man Wankelmütigkeit vermissen?
    Ist es besser oder schlechter, wenn man fröstelt oder wenn man Schatten suchen muss, hat beides irgendeine Relevanz?

    Irgendwie packt der Text mich nicht, weil mir m. E. n. zuviel der Story zwischen den Zeilen fehlt.

    du sagst tornados und starkregen seien warnungen
    einer sich immer heftiger wehrender natur
    gegen die auswüchse menschlicher untugenden
    S2: Was sagt das über LI und LD aus, wie soll ich das in meine Gedankengänge zwischen S1 und S3 einbauen?


    S3: Ich kann dieses "jetzt stehen wir nebeneinander an der Baumgrenze" nicht wirklich zuordnen. Man könnte es vielleicht als das Nebeneinander an der Grenze zur Trennung interpretieren, aber die Blicke, die dem Gipfel zufliegen (vielleicht dem Gipfel eines Streites, dem Augenblick der Trennung?) und das im Tal verhallende Echo der Herzen (Sind die Herzen jetzt tot, kommen die jetzt in den Himmel?)- ich kann nur raten, habe zu wenig Infos. Ist der Gipfel positiv konnotiert, das Tal negativ? Geht es um Himmel und Erde, um Grab und Wiederauferstehung, um Realität und Traum?

    Der Text lässt mich außen vor, vermag nicht, mich mitzureißen. Ich erkenne die bedeutungsvollen Verbindungen zwischen den Strophen nicht. Für mich enthalten die ersten beiden Strophen nicht genug, was mich zu einer Verbindung, einer Erkenntnis, zu einem Nachspüren, zur letzten Strophe hinführt. Vielleicht liegt es ja nur an mir, womöglich habe ich einfach ein Brett vorm Kopf und kann deshalb die tiefere Bedeutung nicht erkennen - hilf mir bitte auf die Sprünge.

    Liebe Grüße

    Sabine
    Wir lesen uns!

  3. #3
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    Hallo Sabine,
    danke für dein Interesse und das Hinterfragen.
    Ich kann Dir nur meine Intention darlegen, ob sie geeignet ist jeden Leser zu erreichen weiß ich nicht.
    Auf der realen Bildebene ist es ein umweltkritischer Text der in der Aussage gipfelt, wir sind kurz vor dem finalen Untergang.
    Auf der übertragenen Ebene erzählt der Text von zwei Menschen, die am Ende ihres gemeinsamen Wegs angekommen sind und das Ziel (Gipfel) vor sich sehen. Das Tal (Vergangene etc.) mit all seinen mühevollen und freudigen Herzschlägen bleibt zurück bzw. wird leiser angesichts der Hoffnung auf das was (vielleicht) noch kommt.
    Ich hoffe, es hilft Dir etwas weiter, denn mehr Erläuterung gibt die gewählte Form nicht her und möchte ich auch nicht transportieren.
    LG
    Perry

  4. #4
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    Hallo Perry,

    ah, ok. Der Gipfel irritierte mich sehr, da ich ihn nicht mit dem Ziel, dem Ende des gemeinsamen Weges in Zusammenhang bringen konnte, für mich sind Ziele meist positiv konnotiert, das Ende einer Beziehung dagegen eher negativ - ein reiner Übertragungsfehler also.
    Vielen Dank für die Aufklärung.

    Liebe Grüße

    Sabine
    Wir lesen uns!

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