Thema: Nudelstern

  1. #1
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    Nudelstern

    Da schwimmt so ein Schweigen
    im Salz in der Suppe
    Belanglosigkeiten
    erweichen im Blick
    hüpft Sagnichts von Zunge
    zu Zunge und springt un-
    gewortet dann wieder zurück.

    Da wächst ein Vermissen
    im Trockengemüse,
    da zwitschert die Meise
    vorm Fenster davon,
    singt leise, ganz leise:
    Na, war es das schon?
    Wir lesen uns!

  2. #2
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    Liebe Isaban,

    nachdem uns MiauKuh in „Unscharfe Beobachtung“ mit den letzten Dingen unterhalten hat, dachte ich als bekennender Pastafari unter Deinem Titel das Fliegende Spaghetti-Monster anzutreffen, finde aber noch Schelmischeres: schweigende Buchstabennudeln. Beredt sind hier, außer leise, ganz leise die Meise, nur die vielfältigen Assonanzen und Reime. So burlesk formuliert, wird die Klage über die allgegenwärtigen Belanglosigkeiten schon wieder zum Trost.

    Womit ich aber nix gesagt haben will

    Michael

    P.S.
    Hab's nochmal gelesen, da erst fiel mir auf, wie schön hier der Daktylus federt, das ist wahrhaft kein „Trockengemüse“.
    Geändert von Michael Domas (18.06.2018 um 23:39 Uhr) Grund: P.S.
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    Am Do., 27.9, ist bei "poetry trifft Poesie" der Slammer Christofer mit f mein Gast.
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  3. #3
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    Hallo Michael,

    wolltest du mir durch die Blume sagen, dass das, was der Text aussagen sollte zu subtil angelegt ist?

    Liebe Grüße

    Sabine
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  4. #4
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    ums himmels willen, wir sind hier erklärte anhänger von subtilitäten und würden nie etwas durch die blume sagen, wenn es subtiler geht!
    formale schönheit konkurriert sehr gerne mit subtilem inhalt.
    und diesmal schneidest du die wurst nur einmal direkt in die suppe (mit "im Salz in der Suppe").

    ich wage nicht, mir vorzustellen, was andere sich unter "burlesk" vorstellen. sollte es aber heissen "prägnant, eingängig, gefällig, clownesk, poetisch" oder ähnlich, dann wäre ich gerne mit einverstanden. (naja, bis auf die versalzene suppe, die ja bei verliebtheit vorkommen soll).

    kp
    Geändert von kaspar praetorius (21.06.2018 um 17:31 Uhr)
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  5. #5
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    Wie wärs für S1 V2 mit

    als Fettaug der Suppe

    im Sinne von burlesk

    Gerne gelesen

    Lieben Gruß
    albaa

  6. #6
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    Liebe Isaban,

    nicht durch die Blume, da hat Kaspar recht, sondern durch die Nudel sag ich, Dein Text spricht vom hüpfenden Sagnichts. Oder hab ich ein Schweigen überhört?

    Kaspars Auffassung von „burlesk“ kann ich nicht ganz folgen, ist der Text denn „eingängig“? Mein bundesdeutscher Duden versteht, vielleicht anders als der Schweizer, unter burlesk: „derb-komisch, lustig, possenhaft, spaßig, witzig; (bildungssprachlich) skurril; (umgangssprachlich) ulkig; (verstärkend) urkomisch; (bayrisch, österreichisch umgangssprachlich) gspaßig“.

    Und das Salz in der Suppe ist das Gegenteil von „versalzen“. Vor allem aber, albaa, bitte keine „Fettaugen“ nicht.

    Isaban, lass nun nicht ungewortet, „was der Text aussagen sollte“

    Michael
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  7. #7
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    "derb-komisch, lustig..." - meine schlimmsten Befürchtungen werden wahr. wie wär's zusätzlich mit "zum lachen reizender versuch, auf einer teflonschicht öltropfen festzukleben"? ich fand den text nur an der genannten stelle derb-komisch, sonst eher verspielt nachdenklich. nun bin ich mir nicht sicher, ob das eine das andere oder das andere das eine zu bestimmen vermag. ob dieses dilemma etwa gar absicht war. das gute an toten dichtern ist, dass man sie nicht um verwortung bitten kann.
    kp

  8. #8
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    Ihr Lieben,

    ich bin nicht tot, mir wurde nur ein Daumen stillgelegt, was das Schreiben enorm erschwert und so das Vergnügen durch die Foren zu tingeln definitiv mindert. Verzeiht also bitte, wenn ich mich zurzeit rar mache, meine Auftritte eher kurz gestalte und ausnahmsweise allen gleichzeitig antworte - mit Gips tippt es sich so schlecht.

    Der Text handelt von der Beziehung zweier Menschen, die in einem Haus/einer gemeinsamen Wohnung leben und es velernt haben, miteinander zu reden, sich dem anderen mitzuteilen - die Beziehung steht vor dem Aus. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, die Meise zwitschert es vor dem Haus. Das Salz in der Suppe (das, was die Suppe schmackhaft macht, was dem Leben die Würze geben sollte, was die Beziehung ausgemacht hat) hat seine Bedeutung verloren, ist zu Nichtssagendem verkommen. Es werden nur noch Belanglosigkeiten ausgetauscht.

    Ich wollte diese Belanglosigkeiten für sich sprechen lassen, was aber offensichtlich nicht gelungen ist, wie die freundlichen Kommentare zeigen. Ab in die Tonne damit.

    Euch allen vielen Dank für die Rückmeldungen.

    Thumb-up-Grüße

    Sabine
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  9. #9
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    Hopp in die Tonne, hopp aus der Tonne!
    Ein Daumen im Gips bedeutet nicht, dass man sich gleich wegwirft, denn das wäre echt burlesk!
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  10. #10
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    Was machst du denn mit Texten, die ganz offensichtlich nicht das rüberbringen, was sie rüberbringen sollten, die aber zu komplex aufgebaut sind, um dieses Scheitern an einzelnen, zu reparierenden Textstellen festzumachen? Zeig mir die Stelle, die den Text vermasselt und ich bau sie um. Sollten die Haken allüberall schlummern - hopp und weg.
    Wir lesen uns!

  11. #11
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    Also ich meine (meinte?), hinter deinen Zeilen ein schleichendes Drama zu erkennen, für dessen Stillstand oder Fortschreiten leise Andeutungen in essbarer Form die Druckknöpfe und Sensoren darstellten. Ich habe mich deshalb mit der mir möglichen Energie gegen des Literaten Domas Burlesk-Idee gestemmt. Und dabei die für mich einzig "derb-grob-übertreibende" Stelle genannt. Aber darauf, ob die Botschaft ankommt oder nicht, hat dies keinen Einfluss, und die ganze Geschichte dahinter ist nicht meine Suppe. Ich staune nur, dass du folgerst, dein Text bringe "ganz offensichtlich nicht das rüber...., was (er)rüberbringen sollte.." Habe wohl alles von Beginn weg falsch verstanden, sorry.
    KP
    Geändert von kaspar praetorius (26.06.2018 um 16:02 Uhr)
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  12. #12
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    Liebe Sabine,
    bei all den klugen Kommentaren wage ich es kaum noch zu sagen, dass es Dir selbst mit stillgelegtem Daumen gelungen ist, dem lieben Michael einen Dakytlus vorzuzaubern, wo ich Amphibrachys lese:

    Da schwimmt so ein Schweigen
    xXx xXx
    im Salz in der Suppe
    xXx xXx
    Belanglosigkeiten
    xXx xXx
    erweichen im Blick
    xXx xX
    hüpft Sagnichts von Zunge
    xXx xXx
    zu Zunge und springt un-
    xXx xXx
    gewortet dann wieder zurück.
    xXx xXx xX

    Anapäste ließe ich mir auch noch gefallen (wobei am Anfang der Verse allerdings regelmäßig ein Takt fehlen würde).

    Liebe Grüße,
    Festival

  13. #13
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    Liebe Sabine,

    „hopp und weg“? Das ist nicht Dein Ernst. Hier ist nichts „vermasselt“ und nichts „umzubauen“. Dass es um das „Schweigen“ („in der Beziehung zweier Menschen“) geht, ist absolut deutlich und habe ich auch in meinen Kommentaren mehrfach aufgegriffen.

    Bemerkenswert finde ich, wie gesagt, dass diese Geschichte aber nicht in der Form einer bitteren Klage, sondern so, tja, poetisch erzählt wird, dass ein Trost darin enthalten ist, es sich also eher wie ein Versöhnungsangebot liest statt als eine Anhäufung von Vorwürfen, wie sie oft in solchen Beziehungssituationen ätzen.
    Den entdramatisierenden Effekt kündigt ja schon der Titel an. Die Auseinandersetzung um das Wort „burlesk“, die Kaspar „mit der ihm möglichen Energie“ und unter Verengung des Begriffs geführt hat, trägt sicher wenig dazu bei, die dichterischen Mittel zu benennen, die diesen Effekt hervorbringen.
    Sicher aber gehört die Metrik dazu. Ob die nun amphibrachisch ist („Belanglosigkeiten“ ein Amphibrach, im Ernst, Festival?) oder daktylisch halte ich für einen akademisches Problem.

    Und so stimme ich mit Kaspar doch darin überein: „Ich staune, dass du folgerst, dein Text bringe "ganz offensichtlich nicht das rüber...., was (er)rüberbringen sollte.."

    Daumen hoch

    Michael
    Geändert von Michael Domas (26.06.2018 um 15:51 Uhr)
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