1. #1
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    Schwarzes Dunkel


    Schwarzes Dunkel,


    umfassender
    als eine Nacht
    im Untertagebau
    umhüllt mich unbewusst im Traum,
    bedroht mich nicht, beruhigt tief.
    Ein Auge innwärts blickend ahnt
    die Formen, Körper und Kristalle .

    Vor meinen Füßen ein dunkler Mund.
    Beherzt und ohne Furcht und Angst,
    wie tief es gehen kann,
    lass ich mich fallen.
    Irgendwo und irgendwann
    spür ich den festen Grund,
    daraus sich schwarz ein Baum zur Höhe windet.

    Allmählich stanzen Stamm und Äste,
    Zweige und Blätter ihre Umrisse aus.
    Alles Schwarze beginnt vibrierend
    in lebendigen Facetten zu leuchten.
    Mit einem Male begreife ich
    Dunkelheit als Rückseite des Lichts,
    notwendig wie Ein- und Ausatmen für mich,
    denn jedes Eine braucht das Andere für sich.
    Geändert von Carolus (13.06.2018 um 23:50 Uhr) Grund: Anregungen durch Beitrag von Rumpelstilz

  2. #2
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    Hallo Carolus,

    ein dialektisches Gedicht: Zwei Seiten, die einander widersprechen, dennoch zusammengehören, das Licht und das Dunkel, eines wäre nichts ohne das andere. Eine Erkenntnis, die positiv ist. Das Gedicht erscheint mir aber etwas zu abstrakt, du hättest dies an einer realistischen Beobachtung beweisen sollen. Denn nur die Praxis, also ein realistischer Vorgang, beweist die Richtigkeit deiner Behauptung. Das Lyrische erscheint mir deshalb leider in deinem Gedicht etwas zu kurz gekommen.

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

  3. #3
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    Hallo liebe(r) Rumpelstilz,
    dein Beitrag hat mir gefallen und mich nachdenklich gemacht. Dafür ein freundliches Dankeschön!

    Zwei kurze Stellen erscheinen mir wichtig: "Das Gedicht erscheint mir aber etwas zu abstrakt" und "Das Lyrische erscheint mir deshalb leider in deinem Gedicht etwas zu kurz gekommen."

    Zur ersten Feststellung möchte ich dir beipflichten. Ich habe versucht, eine kurze Traumvision ohne Pathos, Empathie, gleichsam wie ein distanzierter Beobachter in Worte zu fassen. Ein Versuch, ein Experiment, wenn du so willst.
    Deine zweite Feststellung über "das Lyrische" ist m.M.n nur zutreffend und folgerichtig im Hinblick auf meine Intention. Natürlich liegt dieser Aussage eine bestimmte Vorstellung vom Lyrischen zu Grunde, Ich ahne, wie diese Vorstellung sich definieren könnte.
    (Ich werde anschließend das "Schwarze Dunkel" lyrisch aufhellen und hoffe, es trifft einigermaßen zu.)

    Lieben Gruß
    Carolus

  4. #4
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    Hallo Carolus,

    dein Gedicht hat mir gut gefallen, weil ich während des Lesens das Gefühl hatte in eine kleine Filmsequenz einzutreten...Kopfkino! Ich denke, dass dir dies in deinem Gedicht gelungen ist, weil du einen soliden roten Faden spinnst in der "Handlung" (die zwar keine richtige Handlung ist, aber eben ein Ablauf oder so...k.a.).

    Auch gut gefallen mir die Beschreibungen des Sinnlichen. Einerseits spielen sie mit dem Tastsinn:"umhüllen","spüren", "fester Boden" und andererseits mit dem Sehsinn: "Formen", "Umriss", lebendige Facetten, die leuchten...und das passt ja gut, da man normaler Weise nur im Licht sehen kann und sich seinen Weg im Dunkeln ertasten muss.

    Beneidenswert gut finde ich auch die letzte Strophe, weil du es in dessen ersten Hälfte geschafft hast eine Art Höhepunkt der "Handlung" herzustellen: "alles vibriert", "lebendige Facetten leuchten" und die Pointe in der zweiten Hälfte dem Leser in einem gelungenen Spannungsbogen hinschmettern kannst...nice!

    cheers, abcdefg

  5. #5
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    Hier hast du die Worte gefunden, die geschrieben werden mussten, um als Antwort das zu hören was du schreiben wolltest damit Licht und Dunkel jeweils nach Belieben ihren Platz tauschen können da deine Bewegung Wellen durch beides schlägt. in dem wir mit dir Ein- und ausatmen können was du letztendlich weswegen auch immer geschrieben hast.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  6. #6
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    Hallo abcdef,

    Ein herzliches Dankeschön fürs Reinschauen, Anschauen und Kommentieren!
    Über deine Anerkennung habe ich mich sehr gefreut.

    Mit sicherer Einfühlung hast du Aufbau und gedankliche Abfolge ( der "Handlung"). ferner "die Beschreibungen des Sinnlichen" ("spielen...mit dem Tastsinn...mit dem Sehsinn") heraus gestellt und gewürdigt. Dahinter vermute ich eine(n) empfindsame(n) Schreiberin/er, der/dem ich viele fördernde Impulse in diesem Forum wünsche. Nochmals danke!

    Herzlichen Gruß
    Carolus





    Lieber Schulz und Sühne,

    gratuliere!
    Mit den Worten "damit Licht und Dunkel jeweils nach Belieben ihren Platz tauschen können da deine Bewegung Wellen durch beides schlägt." hast du absolut ins Zentrum der zutreffenden Interpretation (auch der Intention, des Aufbau wie des Inhalts) getroffen.
    Fühle mich richtig verstanden.

    Dafür vielen Dank!
    Carolus

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