1. #1
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    Vorstadtelegie

    Tag,
    der sich neigt,
    aus Licht,
    aus Stundengesang
    in die Nacht, in den Rauch.
    Und aus der Tiefe des Wolkengebirgs
    das Schweigen.

  2. #2
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    Hallo Rumpelstilz,

    mit wenigen Worten hast Du viel Stimmung erzeugt, leise schwingend, ein wenig wehmütig.
    Nur den Rauch kann ich in dem Sommerabendbild logisch nicht so recht unterbringen. Er soll, vermute ich, die Leichtigkeit und Vergänglichkeit unterstreichen, während das schweigende Wolkengebirge etwas Massives, Statisches hat, was ungewöhnlich ist und mir gut gefällt.

    LG
    Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  3. #3
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    Hallo Okotadia,

    schön, dass du mal reingesehen hast. Dankeschön.

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

  4. #4
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    Hallo Rumpelstilz

    Schön gemacht, man merkt, dass es ein sehr bewusst gestaltetes Stück Sprache ist.
    Es erinnerte mich, vielleicht wegen des Aufbaus und wegen des Rauchs, ein wenig an Brecht'S:

    DER RAUCH
    Das kleine Haus unter Bäumen am See
    Vom Dach steigt Rauch
    Fehlte er
    Wie trostlos dann wären
    Haus, Bäume und See.


    Aber ich schleiche schon die längste Zeit darum herum, weil mich trotz des positiven ersten Eindrucks, irgendetwas stört. Bis zum Rauch gefällt mir deins gut, aber dann verlierst du mich. Wenn ich schreibe "der Tag, der sich neigt" dann verlangt das nach einer Fortsetzung nach der Aufzählung, was denn nun mit dem Tag sei. Aber da kommt ein neuer Abschnitt, der "wesensfremd" ist. Und in diesem Abschnitt fehlt dann das Verb, also muss man "neigt" mitlesen: Aus den tiefen des Wolkengebirgs neigt sich das Schweigen?? Ja wohin denn? (Du meinst wohl auch eher Stille, denn zu diesem Naturbild passt "Schweigen" nicht wirklich) Also irgendwie lässt mich das etwas ratlos zurück - was will das Gedicht von mir? Weshalb diese Bilder ausgerechnete eine Vorstadtelegie ergeben sollen, ist mir auch nicht klar? Nichts außer dem Rauch deutet überhaupt auf Stadt hin und schon gar nicht auf Vorstadt. Na vielleicht steh ich auch nur auf der Leitung? Bin gespannt auf deine Antwort!

    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Hallo albaa,

    das Brecht-Gedicht ist der Schauspielerin Käthe Reichel gewidmet, sie war seine Geliebte. Der Rauch zeigt ihm, dass er erwartet wird.
    Mein Rauch hat eine andere Bedeutung: als Metapher, für Vergängliches. Die letzten zwei Verse sind eine Ellipse. Ein Verb ist hier also nicht nötig.
    Danke für deine Fragen.

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

  6. #6
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    Hallo Rumpelstilz

    Worüber Brecht schrieb, wusste ich schon. Worüber du schreibst, weiß ich immer noch nicht.
    Dass bei deinen letzten beiden Versen etwas fehlt ist auch klar. Der Fachausdruck "Ellipse" mag allerdings nichts darüber aussagen, was nun fehlt. Aber bei einer Ellipse sollte das Fehlende einfach/logisch vom Leser ergänzt werden können, was hier nicht der Fall ist; hier fehlt etwas Wesentliches: das Verb.
    Meine Frage, "Warum Vorstadt?", hast du auch übersehen.

    Lieben Gruß
    albaa

  7. #7
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    Hallo albaa,

    zunächst zur Ellipse: Das ist eine lyrische Stilfigur, so wird die Auslassung eines Wortes bezeichnet, also des dir fehlenden Verbs. Du kannst das ergänzen mit "steigt das Schweigen". Vielleicht findest du ein zutreffenderes Wort.

    Die Vorstadt ist der Ort, an dem ich dieses Gedicht geschrieben habe.

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

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