Einwanderung früher

©Hans Hartmut Karg
2018

Aus einem Hungerland gekommen,
Eng eingepfercht auf einem Kahn:
Zur Neuen Welt nun mit genommen,
Zur Freiheit, die kein leerer Wahn.

Sogleich lernte man Sprachen
Und passte sich der Fremde an.
Das Gastland war die großes Sache,
Mit der das Leben erst begann:

Die Freiheit, Freundschaft, offenes Leben,
Beruf, Freizeit und erste Liebe –
So wollte man dem Gastland geben
Zurück etwas von Freiheitsliebe.

Natürlich war nicht alles gut,
Man musste sich zuerst einrichten.
Doch mitgebracht hatte man Mut,
Um seine Chancen frei zu sichten.

Gesellschaften und Gastkulturen
Wollen nicht überwältigt werden,
Zerstört seh'n Tradition, Strukturen,
Nur hören Ansprüche, Beschwerden.

Kein Gastland ist wirklich dagegen,
Wenn Fremde in Erinnerung schwelgen.
Einwanderung wird dann zum Segen,
Wenn langsam diese blassen, welken.

Von Anfang an war man auch fleißig,
Strebte gern nach dem eigenen Glück.
Und schon mit frühen Fünfundreißig
Trug seinen Wohlstand man im Blick.

Man schaute früher nicht danach,
Wie man sich billig legen konnte
Aufs hohe Hängemattendach,
Wo man sich nur recht faul besonnte.

Vielmehr war man gerne bereit
Im Gastland völlig aufzugehen
Und mit Fleiß, Sprache und Arbeit
Zum Neuen auch mental zu stehen.

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