1. #1
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    Eine Sonntagsträumerei

    Am Sonntag wirkt mein Viertel wie verträumt.
    Kaum bellt ein Hund. Auf Dächern gurren Tauben.
    Die halbe Welt steht still. Man will’s nicht glauben
    und denkt, ein Gott hätt hier mal aufgeräumt.

    Es riecht nach Gras und irgendwie nach Baum.
    Man hört die Uhren ticken. Fenster gähnen.
    Man könnte beinah sich im Himmel wähnen.
    Das täuscht. Es ist ja bloß ein Sonntagstraum.

    Denn montags geht der Krach dann richtig los.
    Der Tiefbau gräbt, man hört die Männer fluchen,
    die irgendwas jetzt bei den Rohren suchen.
    Es dröhnt und dröhnt gewaltig mitleidlos.

    Nur fort wünscht man sich in ein stilles Tal.
    Denn selbst im Hause zittern nun die Wände,
    wer draußen bastelt, hat wohl tausend Hände.
    Herrgott, was Ruhe ist, das war’s dann mal.

    Doch wie gesagt, am Sonntag ist nichts los.
    Vermutlich schläft er durch, mein Nachbar Krause,
    und selbst der Tiefbau macht jetzt eine Pause –
    als ginge nun der Tageslärm auf Moos.

  2. #2
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    Die Frechheit, Nachbar Krause und einen Gott im selben Schnarchzug zu nennen, ist an sich sehr originell und bietet viel Potential.
    Reime wie mitleidlos/richtig los machen mir Freude.
    Als Ganzes macht es mich ein wenig ratlos: Soll ich nun hier eine Metapher lesen oder eher dort? Soll ich dieses als Realität ansehen oder eher jenes?
    Soll ich Krause gucken oder Gott?
    Diese Gegensätzlichkeit im Stil wäre möglicherweise konsequenter zwischen Sonntag und Montag einsetzbar? Zu verteilen auf S1/4 bzw. S2/3.
    KP
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  3. #3
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    Hallo Kaspar,

    nein, keine Metapher, lies es realistisch. Mit Metaphern bin ich immer sehr sparsam, und wenn es eine ist, wirst du als kluger Leser es verstehen.
    Wenn man so will, enthält der Text eine einzige Metapher, finde sie.

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

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