Thema: Halsband

  1. #1
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    Halsband

    Dein Kuss war die Rose, die rote,
    im Meer der schwarzen Blüten,
    vertrieb alle Schatten
    und brachte den Duft hinein
    in mein mit Grau bemaltes Leben.
    Wie konnte es dich geben?
    Nach fünfundzwanzig Jahren,
    die jedes Jahr wie hundert waren.

    Mein Halsband ist noch immer dein.
    Ich trage es
    mit Stolz
    und ziehst du dran
    komm ich zu dir,
    bei Fuß zu deinen Beinen.

  2. #2
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    Lieber Miaukuh,

    zunächst war ich romantisch verklärt von Deinen ersten Zeilen,
    im zweiten Abschnitt frage ich mich jedoch,
    ob Dein Protagonist ein verkappter Masochist ist
    (auch Masochisten können ja starke Liebe empfinden, allerdings in einem Abhängigkeitsverhältnis).

    Insofern: Gefällt mir gut,
    ich frage mich aber, ob die Intention des Gedichts in der Liebe oder in der Abhängigkeit liegt (oder in beidem).
    Sollte die Liebesbeziehung bewusst am Ende - durch das Halsband - durch den Leser hinterfragt werden,
    könnte man das ja eventuell in einer dritten Strophe weiter ausführen.

    Liebe Grüße,
    Georg
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  3. #3
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    1.759
    Hallo Miaukuh,

    Weil ich gerade von Perry Metaphorik auf höchsten Niveau gelesen habe, fällt mir hier einiges auf, was dir vielleicht helfen könnte, aus
    dieser guten Idee ein richtig gutes Gedicht zu machen:

    Dein Kuss war die Rose, die rote,
    im Meer der schwarzen Blüten, - gut
    vertrieb alle Schatten - nach den schwarzen Blüten ist das überflüssig
    und brachte den Duft hinein gut
    in mein mit Grau bemaltes Leben. gemalt wurde schon genug "schwarz - Schatten - grau" - das hat alles keinen Mehrwert sind nur Leerstellen
    Wie konnte es dich geben? Diese Frage sollst du als Dichter nicht stellen, sondern den Leser mit deinem Text dazu bringen, sich dieser Frage zu stellen.
    Nach fünfundzwanzig Jahren,
    die jedes Jahr wie hundert waren. Leerformeln, das bringt nichts für den Text

    Mein Halsband ist noch immer dein. Das hat dann was, aber der Vers ist hässlich, wozu dieses "noch immer dein" in einem modernen freien Vers?
    Ich trage es
    mit Stolz
    und ziehst du daran
    komm ich zu dir,
    bei Fuß zu deinen Beinen. - diese Verse sind viel zu umständlich und unlogisch: wenn man am Halsband zieht braucht der Hund nicht mehr herkommen, da ist er eh schon bei Fuß! also:

    Ich trage dein Halsband/
    trage es stolz/
    ziehst du an der Leine/
    komm ich
    bei Fuß!


    Je kürzer ein Gedicht, umso mehr Präzision braucht es. Bei diesem habe ich das Gefühl du hast es einmal schnell zwischen Zähneputzen und Kaffeetrinken geschrieben, ohne wirklich Lust dazu.

    Lieben Gruß
    albaa

  4. #4
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    Zitat Zitat von Georg C. Peter Beitrag anzeigen
    [...]
    zunächst war ich romantisch verklärt von Deinen ersten Zeilen,
    im zweiten Abschnitt frage ich mich jedoch,
    ob Dein Protagonist ein verkappter Masochist ist
    (auch Masochisten können ja starke Liebe empfinden, allerdings in einem Abhängigkeitsverhältnis).
    [...]
    Hey Georg ,

    danke für deinen Kommentar! Du hast den von mir dargestellten Zwiespalt exakt hervorgehoben.
    Hier liebte jemand eine Frau, der er ziemlich hörig war, warum auch immer.
    Dann war sie lange nicht da und plötzlich ist sie es wieder und küsst ihn und alles ist wie früher.
    Was die Intention betrifft, nun ... du hast es so verstanden wie es dastand und auch gemeint war.

    Romantisch und doch ein Halsband, ja, klar geht das!

    Es weiter ausführen halte ich für möglich, vielleicht irgendwann? Hm ...

    Liebe Grüße

    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen
    Hallo Miaukuh,

    Weil ich gerade von Perry Metaphorik auf höchsten Niveau gelesen habe, fällt mir hier einiges auf, was dir vielleicht helfen könnte, aus
    dieser guten Idee ein richtig gutes Gedicht zu machen:

    Dein Kuss war die Rose, die rote,
    im Meer der schwarzen Blüten, - gut
    vertrieb alle Schatten - nach den schwarzen Blüten ist das überflüssig
    und brachte den Duft hinein gut
    in mein mit Grau bemaltes Leben. gemalt wurde schon genug "schwarz - Schatten - grau" - das hat alles keinen Mehrwert sind nur Leerstellen
    Wie konnte es dich geben? Diese Frage sollst du als Dichter nicht stellen, sondern den Leser mit deinem Text dazu bringen, sich dieser Frage zu stellen.
    Nach fünfundzwanzig Jahren,
    die jedes Jahr wie hundert waren. Leerformeln, das bringt nichts für den Text

    Mein Halsband ist noch immer dein. Das hat dann was, aber der Vers ist hässlich, wozu dieses "noch immer dein" in einem modernen freien Vers?
    Ich trage es
    mit Stolz
    und ziehst du daran
    komm ich zu dir,
    bei Fuß zu deinen Beinen. - diese Verse sind viel zu umständlich und unlogisch: wenn man am Halsband zieht braucht der Hund nicht mehr herkommen, da ist er eh schon bei Fuß! also:

    Ich trage dein Halsband/
    trage es stolz/
    ziehst du an der Leine/
    komm ich
    bei Fuß!


    Je kürzer ein Gedicht, umso mehr Präzision braucht es. Bei diesem habe ich das Gefühl du hast es einmal schnell zwischen Zähneputzen und Kaffeetrinken geschrieben, ohne wirklich Lust dazu.

    Lieben Gruß
    albaa
    Liebe albaa,

    hab großen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und die Ratschläge. In dieser Versform, so frei, bin ich nicht Zuhause und nehme gerne Ratschläge entgegen. Wie es geschrieben wurde, hast du erkannt einfach nur so ...

    Die Idee lag in den ersten beiden Zeilen. Was ich daraus machte, war wohl leider zu wenig für dich, verzeih, wenn ich dich enttäuscht habe.

    Hier finde ich aber die Leerformeln, die du bemängelst, durchaus nicht verkehrt, weil sonst der Zusammenhang den ich beabsichtigte darzustellen nicht herauskommt.

    Das lyrische Ich ist lange von "ihr" getrennt gewesen und plötzlich ist sie wieder da. Ihr Kuss ist die Farbe in seinem Grauleben.
    Ich möchte eure, deine albaa und deine Georg, Vorschläge noch intensiver überdenken und werde die von Georg vorgebrachte Idee nicht nur um eine sondern mehrere Strophen zu einer Geschichte weiterentwickeln.

    Damit verliere ich zwar die Notwendigkeit der Präzision, weil es länger wird, aber der Stoff dahinter ist mehr.

    Manchmal treten Menschen ins Leben, sind weg ... und dann haben sie trotzdem wieder die Hand über einen.
    Das geht, keine Ahnung welcher Zauber das ist, aber ein Halsband trifft die Beschreibung, sei es nun dieses maschoistische, oder dieses Verlangen und die Empfindung jemandem anders gegenüber, die wie so eine Leine ist, an der der andere nur ziehen muss und schon, wie du schreibst, albaa

    steht man

    bei Fuß

    Liebe Grüße, ich setze mich noch mal an das Gedicht, es wird danach sehr anders sein.

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