Thema: Leer

  1. #1
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    Leer

    In meinem Zimmer,
    allein und frustriert,
    hab kein Schimmer,
    was draussen passiert.

    Hör' lautes Gebrüll,
    hör' wie meine Mutter weint,
    und meinem Vater verneint,
    dass ich Erwartungen nicht erfüll.

    Halt' meine Ohren zu,
    ertrag's nicht mehr,
    denn egal was ich tu,
    wegen dir fühl' ich mich leer.

  2. #2
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    "Schäl Sick"
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    Zitat Zitat von labl2 Beitrag anzeigen
    In meinem Zimmer,
    allein und frustriert,
    hab kein Schimmer,
    was draussen passiert.

    Hör' lautes Gebrüll,
    hör' wie meine Mutter weint,
    und meinem Vater verneint,
    dass ich Erwartungen nicht erfüll.

    Halt' meine Ohren zu,
    ertrag's nicht mehr,
    denn egal was ich tu,
    wegen dir fühl' ich mich leer.
    Hallo Labl2,

    in Deinem Text fällt mir zunächst ein Widerspruch ins Auge: Das LI hat keinen Schimmer, was draußen passiert, hört aber andererseits genau, was passiert (lautes Gebrüll und auch, was gesagt wird). Dafür klingt mir die erste Strophe schön gleichmäßig im Walzertakt. Der Takt fliegt mir aber dann in der zweiten Strophe um die Ohren. Vielleicht besser so?

    Höre lautes Gebrüll
    meine Mutter, die weint,
    und mein Vater verneint
    dass ich ....

    Na da verließen sie mich. Erwartungen ist ein Wort, dass ich hier auch nicht in den Rhythmus gepresst kriege mit seinem xXxx. Aber vielleicht kannst Du ja aus dem Beispiel wenigstens für dich Schlüsse ziehen, wie man über alle Strophen eines Gedichts den Rhythmus gleichmäßiger durchzieht.

    Die letzte Strophe gibt Rätsel auf: Wegen wem fühlt das LI sich leer? Wegen Vater/Mutter? Oder wegen jemand anderem, der mit der Szene nichts zu tun hat? Man könnte die Antwort darauf offen lassen und gleichzeitig einen schöneren Rhythmus hinbekommen wenn man z. B.

    Ich will meine Ruhe
    ertrag es nicht mehr
    denn egal was ich tue:
    Ich fühle mich leer.

    schreibt?

    LG
    Richmodis

    Ich möchte meinen Beitrag noch ergänzen:

    Man kann S1 und S2 auch so lesen, dass es kein Widerspruch ist, sondern sich das LI erst einmal orientieren muss, was da draußen eigentlich los ist.

    Zum Inhalt möchte ich auch noch etwas loswerden:

    In manchen Familien ist das vermeintliche (?) Fehlverhalten der Kinder nur einer von vielen willkommenen Anlässen für Eltern, sich zu streiten. In dem Moment, wo das Kind im Zimmer sitzt, den Streit um sein Verhalten ertragen muss und spürt, dass es beiden nicht um konstruktive Lösungen geht, sondern darum, Recht zu behalten, geht es nicht mehr um das Kind und Kindeswohl selbst. Es gerät aus dem Fokus. Ist das Kind noch klein, befindet es sich in einer schlimmen Lage. Ist es schon so alt, dass es um Orientierung geht (Schulabschlussphase, Überlegungen zur Berufswahl, zur Lebensgestaltung) und sind die Streitereien ein Dauerzustand, hilft es vielleicht, sich klarzumachen, dass es gar nicht mehr um es selbst geht und (vielleicht mithilfe Außenstehender, wie Beratungsstellen) zu schauen, was es selbst werden/tun will, und nicht, was die Eltern von ihm erwarten.
    Geändert von Richmodis (24.06.2018 um 17:27 Uhr)

  3. #3
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    Hallo Richmodis,

    Besten Dank für deine Rückmeldung. Deine Vorschläge gefallen mir sehr gut!
    Dein Anliegen wegen dem Widerspruch in der S1 möchte ich erklären. Ich wollte eigentlich damit ausdrücken, dass das LI lediglich partiell was mitkriegt, aber v.a. sieht LI nicht was sich auf der non-verbalen Ebene abspielt (evt. Handgreiflichkeiten..).

    S3 bezieht sich insgeheim auf LI's Vater, der nie zufrieden zu sein scheint und u.a. die Mutter für das LI verantwortlich macht. Das LI ist irritiert, sucht natürlich den Fehler bei sich selbst und macht sich dafür verantwortlich, dass seine Mutter weint. Diese Leere entstand beim LI über Jahre hinweg, wie sich zu verstehen gibt.

    LG Labl2

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