1. #1
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    Wenn sich zwei streiten ...

    Wenn sich zwei streiten ...

    Zwei Kannibalen stritten feste
    um ihres Vaters Überreste.
    Ein Dritter sollte hier entscheiden,
    doch der entschied sich für die beiden ...
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  2. #2
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    Hallo Eremit,

    das ist süß. Liest sich angenehm. Und es hat Witz (ich zumindest musste lachen). Was passiert denn nun mit des Vaters Überresten? Kann ich die haben?

    Danke für dein Gedicht. Viele Grüße

    Henrik

  3. #3
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    Hallo Eremit,

    wenn ich schon "zwei" im Titel lese, muss ich reingucken.
    Ich find Dein Klappenhorn ebenso spaßig. Gefällt mir.
    (Man könnte "doch" in V4 auch durch "und" ersetzen, wär beides gut)

    Grüßle
    Richmodis

  4. #4
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    Servus Eremit,

    salomonisch gelöst
    schöne Pointe - gefällt mir!

    Liebe Grüße,
    Stefan
    Komische Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  5. #5
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    Lieber Eremit,

    eine makabre Geschichte die noch weiter gehen kann

    Er aß sie auf bis auf die Knochen,
    die Innerein hat er erbrochen.
    Dann hat sein Messer er gewetzt
    und fragte sich, wenn fress ich jetzt.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  6. #6
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    Hallo Eremit,

    ja - sehr hübsch. Und Richys Vorschlag macht den Witz noch feiner. Die Spannung könnte mit einem Zeilenumbruch dann auch noch ein bisschen länger gehalten werden. Etwa so:

    Zwei Kannibalen stritten feste
    um ihres Vaters Überreste.
    Ein Dritter sollte hier entscheiden,
    und der entschied sich...
    für die beiden.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  7. #7
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    Lieber Eremit,

    so einen trockenfurzigen Vierzeiler hatte ich hier nicht erwartet. Klasse Pointe
    Dem Vorschlag Verbalcarpaccios könnte ich mich nicht anschließen,
    wär mir zu sehr Trommelwirbel.
    und bevorzuge den trockenen Hüftschuss ggf. mit "und" in der 4.Zeile ( Richmodis )
    und Punkt am Ende. der sitzt (ohne ... zum Schluss ).
    L.G.A.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Anju
    wär mir zu sehr Trommelwirbel.
    Jupp - den brauchts hier nicht. Ohne ist der Gag tatsächlich trockener. Aber auch das "doch" ist - wenn auch kein Trommelwirbel - zumindest ein Heben der Drumsticks. Richmodis' "und" hält sie hinterlistig flach.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  9. #9
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    Vielen Dank für Euren Feedback und Eure Einlassungen,

    Die Wirkung der Klappis basiert m.E. darauf, dass im ersten Teil das Verbindende zwischen zwei Akteuren (zwei Knaben im klassischen Sinne) dargestellt wird und im zweiten Teil der Leser mit einem unerwarteten Anachronismus konfrontiert wird. An der Schnittstelle findet man zumeist eine sprachliche Doppelbödigkeit. Der Gag hier sollte darin bestehen, dass mal umzudrehen. Am Anfang Stand in Form des Streites die Gegensätzlichkeit, am Ende das so nicht erwartete gemeinsame Schicksal.

    Nun zu dem "Trommelwirbel", lieber VC. Der passt m.E. nicht zu den Klapphornversen. Ich liebe diese Verse gerade wegen ihres kurzen trockenen Witzes, ein Witz der sich vorzugsweise wie ein guter Wein oder Whisky erst im Abgang richtig entfaltet.

    Das „doch“ in der letzten Zeile ist mir wichtig. Der „Dritte“ wird ja (nebenbei bemerkt in der dritten Zeile) fast beiläufig eingeführt. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verb, auf „entscheiden“ und soll den Leser darauf vorbereiten, dass es im Streit zwischen den beiden Kannibalen einen Sieger und einen Verlierer geben wird. Mit diesem Fokus soll auch gleich von der Elosion abgelenkt werden. Mit „doch der“ soll dann das Augenmerk stärker auf ihn, den Entscheider (nicht den dritten Kannibalen!) gerichtet werden. Am Ende ist er allein der Nutznießer seiner Entscheidung und die eigentlichen Akteure werden zu passiven Objekten degradiert – ganz im Sinne von, wenn sich zwei streiten, dann freut sich der Dritte. Das „doch“ soll die inhaltliche Folgerichtigkeit aufreißen, die darin besteht, dass der Dritte entscheiden soll und dann eine Entscheidung trifft. Der Leser soll nach dem „doch“ eigentlich ein „er hatte keinen Bock“ oder ein „ich kann mich da nicht entscheiden“ erwarten. Er soll auf eine Wendung vorbereitet werden (bei einem Klapphorn erwartet man dies gewöhnlich). Die Wendung liegt dann aber nicht in der Frage, ob er entscheidet oder ob er nicht entscheidet, sondern im Ergebnis seiner Entscheidung, die so niemand erwartet, obwohl im Nachhinein diese Möglichkeit durchaus in Betracht gezogen werden könnte:
    ein Dritter [Kannibale] sollte hier entscheiden

    LG Eremit
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
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