Thema: 20 Bars

  1. #1
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    20 Bars

    Eure Schweigen lähmt mich wie'n beschissner Bürgerorden
    die Homis chilln mein Konto brüllt: "Was is aus dir geworden!"
    Einer jagt nach Kohle, dem Anderen reicht Kinderkacke
    Die Hitze schlaucht, mein Herz das braucht ne weiche Winterjacke.

    Und 20 Bars* die meinen Ärger still in Champagner tauchen.....*Musiktakt. Tempo: 80 Schläge/Minute
    die Homis grillen Ganter, ich kann mir nich mal Kohle kaufen
    Am Ende ist die Ente gar, und ich flieg aus der Wohnung
    Wenn man nutzlos Texte schreibt, reicht das als Belohnung

    Bin loser Loser, Betbruder von Blenderschwestern
    die mit den Schwester shoppen gehn und über Penner lästern,
    welche schlummern auf den Bänken mit dunkelroten Augen
    Ghostdichter, Namenlose, öffentliches Klo für Tauben

    Keine Angst, ich battle nicht, und betteln wär noch schlimmer.
    Wie schön, dass ich noch schreiben kann in mei'm Berliner Zimmer
    Wär ich Rapper, schrieb ich fetter- wär fies, perverser Killer.
    So schließ ich als Exschwiegersohn mein Lied und werde stiller

    Die Sonne knallt auf meine Tag, wer traurig ist verdorrt.
    Ich halte meine Ärger fest, sonst geht die Sau nicht fort
    Zum Trost für mich und andre Fremde sag ich in 20 Bars:
    Wer sein verschwitztes Zeug nicht mag, der wasche sich, das war's
    Genau so, oder eben ganz anders!

  2. #2
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    Hallo Artname,

    Wortfüße - nennen wir es doch einfach Hebungen und Senkungen. Es rennt ja niemand weg. Aber wenn es bloß die richtigen wären! Wie willst du denn das in Musik verpacken? Das geht ja munter durcheinander in den Strophen.

    Inhaltlich kommt mir das vor, als ob das Liedgedicht nach dem 20. Kognak geschrieben wurde - alles Scheiße! Und warum eigentlich immer Bars? Zuviel im Bukowski geschmökert?

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

  3. #3
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    Wenn du dir die Mühe machst, zu googeln, erfährst du, dass ein "Bar" ein musikalischer Takt ist, in dem sich jeweils eine Zeile. Und zwar bei Rap und beim Hiphop. die Zeilenbrechung eines Raptextes wird von den für Sprechgesang verwendeten Takten geprägt. 20 Bars heißt also 20 Takte gesprochener Rapmusik.

    Der Unterschied zwischen Gedichteform und Raptext ist folgender: Während die meisten Gedichteformen eine fest definierte Metrik/Zeile haben, darf in einer Zeile metrisch ALLES stehen, was (deutlich verständlich) in einem Takt untergebracht werden kann. Weitere Einschränkungen gibt es nicht. Ein Takt hat 16 Sechzehntel. Bei einem Tempo von ca. 90 Herzschlägen pro Minute kann ein guter Rapper leicht und verständlich 16 Silben pro Takt unterbringen. Hiervwerden im Prinzip Sechszehntel skandiert. Soviel zur Theorie der Bars.

    Das schrieb ich jetzt nicht konkret für Dich. Vielleicht hören ja andere mit dieser Erklärung mehr heraus als...ähm... Scheiße.

    Tja und mit Drogen liegst du bei mir extrem falsch. Aber da du so liebenswürdig fragst: Wie sieht es in dieser Beziehung bei Dir aus?
    Geändert von Artname (30.07.2018 um 17:42 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  4. #4
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    Hallo Artname,

    Da ich von Musik nichts verstehe, habe ich keine Ahnung wie ich mir dieses "20 Bars-Prinzip" vorstellen muss, dabei wollte ich immer schon so einen Text schreiben mit so einem pubertär-nihilistischen (Groß)stadt-Pathos (ich liebe zB auch "Guten Morgen Berlin"). Kann man - also du mir - das so erklären, dass ich es ohne Musikwissen verstehen kann, also übers Versmaß/Metrum?

    Gern gelesen!

    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Wow! So ab zweite Zeile habe ich von allein angefangen zu rappen, und so war´s ja nun gedacht. Thema passt auch super zum Genre.

    Keine Angst, ich battle nicht, und betteln wär noch schlimmer.

    Die ähnlichen Verben kriegt man im Rap gehört eigentlich nicht unterschieden, doch der Zusammenhang erklärt´s. Ist ein voll raffinierter Rap-Vers.

    Gern Gesang-gesprochen!
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  6. #6
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    Ok. Albaa. auf deine Verantwortung.

    EDIT: Kurzanleitung einen Raptext zu checken:

    A) Nimm mit den Fingern den Rhythmus auf: 1 2 3 4 - 1 2 3 4
    B) Finde raus, wo die Endreime sind. die fallen fast immer auf die "4" . Danach beginnt die neue Zeile (Bar).

    Hier nun etwas ausführlicher:

    Ich kürze mal die Entstehung des Raps radikal. Wichtigstes nonverbalen Voraussetzung: Die Entstehung von Loops. Das sind 2-4 Musiktakte, die früher aus bestehenden Werken ausgeschnitten wurden, und später auf diese Kürze produziert wurden. Auch Beats genannt. Diese Beats liegen unter dem gesprochenen Wort. Bilden die Grundbausteine: die Zeilen ... die Takte.... die BAR. Das ist das Selbe, sind nur Synonyme.

    1. Ein Takt besteht aus vier Herzschlägen: 1 2 3 4. Ein etwas erhöhter Puls schlägt ja ca. 80 Schläge / pro Minuten. Das ist das normale Raptempo beim Vortrag. Vier dieser Herzschläge bilden einen 4/4-Takt. Ein Viertel besteht aus zwei Achtel. Also passen maximal 8 Achtel in einen Takt. Ein Achtel wiederum besteht aus 2 Sechzehntel. Also passen maximal 16 Sechszehntel in einen Takt.

    2. Wenn man so einen Takt (Bar) zählt, dann betont der Mensch automatisch die Eins und die Drei lauter als die Zwei und die Vier. (Im Musikloop unter der Sprache hingegen wird die Zwei und die Vier betont. )

    Wenn man also normal zählt, dann:
    "Eins zwei Drei vier" (Viertel) LAGSAM
    "Eins und zwei und Drei und vier und" ( 8 Achtel) ZÜGIG
    "Ein se und te Zwei e und te Drei e und te vier er und te" (16 Sechszehntel) SCHNELL

    Man kann ein Viertel auch in Triolen teilen

    1 und te 2 und te 3 und te 4 und te (12 Achteltriolen) recht SCHNELL

    Fazit: Einen Takt nennen die Rapper wie gesagt BAR. Und im Text ist eine Bar = eine Zeile. In so einer Zeile können also bis zu sechzehn Silben gesprochen werden, wenn auf jedes 16tel gesprochen wird.

    3' Jetzt etwas zu Musik und Vortrag . In den Beats wird die 2 und die 4 lauter gespielt. Die 1 und die 3 betont der Mensch von Natur aus stärker. Beim Rappen hört der Rapper auf die 2 und 4 in der Snare (kleine Trommel), um zu wissen, ob er noch im richtigen Fluß (Flow) ist. Der Flow ist für den Vortrag das Wichtigste. Rap MUSS schnell und aggressiv gesprochen werden. Damit aus dem Tromelfeuer der Worte einige Worte herausragen, müssen die Schlüsselworte herausragend betont werden.

    4. Klar ist, dass gewöhnlich auf der 1 2 3 4 die Schlüsselsilben liegen - und dahinter kommen die weniger betonten Silben. Wie bei den Versfüßen Trochäus oder Daktylus. Der versierte Rapper betont manchmal anders als der Duden. Das ist kein Unvermögen, sondern Kalkül: Falch geßbrochenes fellt mehr aufff.

    Klingt alles etwas komplizierter als es ist. Nimm mal meine erste Zeile. ich markiere mal MEINE Betonung

    Eure Schweigen lähmt mich wie'n beschissner Bürgerorden 12 schnelle Sechszehntel und abschließend 2 langsamere Achtel

    Nun zu dem 2. formalen Bestandteil: den Reime. Die klassische Zeile endet oft mit einem Doppelreim. In den ersten vier Bars lauten meine Endreime "Bürgerorden" , "dir geworden"l Kinderkacke" , Winterjacke" ... Aber ein guter Rapper sorgt für weitere Lautverwandschaft in so BAR - Zeile über Assonanzen bzw Alliterationen oder Binnenreime.

    5. Noch was zum Tonfall. Man benutzt einen kräftigen Strassenjargon, mit dem man einen Rivalen schlecht macht (disst) oder eine Beute anlockt.

    Das ergibt sich schon aus der Herkunft des Raps: die Slams. Verbalen Schlachten (Battle), fanden in den Getthos unter Jugendlichen regelmäßig statt. Wie ein Boxturnier eingeteilt mit Vorrunde, Viertelfinale. Halbfinale, Finale. Das Publikum entscheidet per Beifall , welcher Rapper am überzeugendsten war. Faszinierender Weise sind diese Battle Freestyle: Spontan, ohne jedes Hilfsmittel. 10 Sekunden Konzentration und dann eine einminütige Trommelfeuer. Einer beginnt zu dissen und der Andere muß direkt darauf antworten.. WAHNSINN. Siehe den Film mit Eminem "Eight Miles" Die Rapper üben wie Irren täglich Reimketten, legen sich einige Standartantworten zurecht. Aber trotzdem: Für mich sind Rapper geniale Silbenjongleure!!!!

    Kürzer kann ich es unter Zeitdruck nicht erklären. Ausführlicher und damit verständlicher im Gespräch allemal...

    ALLES KLAR.?

    --------------

    Herzlichen Dank Arkadier für deine liebenswürdige Zustimmung zu meinen 20 Bars. Ich schrieb sie innerhalb von 2 Stunden. Für einen Tonträger würde ich länger daran arbeiten. aber die Bars scheinen mir nicht mißlungen zu sein. Meine ich auch.

    lg


    Geändert von Artname (31.07.2018 um 12:54 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

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