1. #1
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    Osnabrück im Lila des Herbstes

    Damals hätte ich nach Hamburg gehen können
    Doch hatte Angst vor der Härte vor der Kälte
    Lieber Biederkeit und etwas überlegen sein

    Ich rannte jedes Wochenende in die Disco
    In Kneipen und ausser Saufen war nicht viel
    Fabulierte im Suff vor Studenten die meine
    Beteuerungen sofort vergassen wie ich sie

    Aus Einsamkeit fuhr ich oft zurück nach Hannover
    Um mit Mädels zu schlafen die Gott für mich
    Abgehakt hatte
    Was ich wusste doch unempfindliches Fleischen
    Schien besser als nichts

    Mir kam die Welt vor wie ein fickendes Laufrad
    Vor dem ich stand

    Was mache ich falsch fragte ich mich
    Warum kann ich nichts festhalten
    Warum denke ich beim Eindringen
    An die Schachweltmeisterschaft 1985
    Und warum wollen die hübschen Mädels
    In Osnabrück mit mir keinen Kontakt

    Jörg hatte viele Bekannte
    Mich auch
    Er trank immer so
    Dass er normal wirkte
    Ging nicht auf Wahrheitsfindung
    Sinnsuche
    Wie ich
    Auch wenn das bei mir vielleicht
    Nur Pose war

    Jörg sagte
    Vielleicht wärst Du glücklicher
    Wenn Du als guter Hauptschüler
    Gleich mit fünfzehn arbeiten
    Gegangen wärst Aron
    Anstatt Dein Leben mit Reflexion
    Zu vergeuden

    Der Himmel über Osnabrück war lila
    Als er das
    Sagte
    Aron Manfeld

  2. #2
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    Lieber Aron,

    Ach, wie ich deine pubertär-selbstreflexive Diskurslyrik um das zweifelhafte Selbstbild des LI mag!
    Aber vielleicht liegt das auch nur daran,
    dass ich gerade die Mölltalleitn gehört habe:
    Wånns mih außastrågn in an hölzern Schrågn, tuats mih auf d´Sunnaseitn einelegn.
    Jedenfalls ein schönes Ende der Sinnsuche.

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Wer das Zeug für die Hauptschule hat, der sollte es auch wagen eine zu besuchen. Von Hannover nach Osnabrück - die Wahrheit liegt in der Sache...selten darüber. Giftige Abfallstoffe gibt es überall...auch im Wald. Der Protagonist tut nichts dagegen. Er könnte den Spieß umdrehen und selbst Mädchen abhaken, mit denen dann Gott schläft. Wir haben es hier vermutlich mit zwei Welten zu tun - der Kunst zu leben und das Leben als Kunst. Dein Protagonist ist zu beneiden...er ist frei...muss nichts mehr machen - und er wohnt vermutlich in einem Kühlschrank...hat die höchste aller möglichen Existenzen erreicht. Naja, fast. Wer Unterlegenheit demonstrieren will, der darf nicht so sein wie die anderen.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Gut gemacht, Aron

    das Ficken als mechanischer Vorgang im Hamsterrad der Sinnsuche und ganz am Ende als Kontrast der einzig sinnliche Moment: ein lila Himmel, der dem Leser sagt, dass vielleicht doch noch nicht aller Tage Abend ist.

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  5. #5
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    Der Protagonist tut nichts dagegen. Er könnte den Spieß umdrehen und selbst Mädchen abhaken, mit denen dann Gott schläft.
    Bis 30 tuen sie das mit uns, Adi.
    Wer Unterlegenheit demonstrieren will, der darf nicht so sein wie die anderen.
    Erklär das mal genauer - warum nicht Überlegenheit?
    das Ficken als mechanischer Vorgang im Hamsterrad der Sinnsuche und ganz am Ende als Kontrast der einzig sinnliche Moment: ein lila Himmel, der dem Leser sagt, dass vielleicht doch noch nicht aller Tage Abend ist.
    Rätselhaft - ist der, der sich vom Ficken befreit und zur Liebe übergehen kann, reif?
    Aron Manfeld

  6. #6
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    Um Liebe ging es mir nicht, sondern um Sinnlichkeit.
    Das LI spricht in Deinem Gedicht über das Ficken wie über das Abarbeiten eines Triebes jenseits des sinnlichen Genusses. Aufs Essen übertragen würde man sagen: Der Hunger treibt es rein und der Ekel würgt es runter.
    Die Wahrnehmung des farbigen Himmels ist dagegen etwas angenehm Sinnliches, das zudem auf hoffnungsvolle Weise symbolträchtig wirkt.
    Könnte eine Tür zur Liebe sein, muss aber nicht.

    Ist das jetzt weniger rätselhaft?

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

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