Thema: Laret.

  1. #1
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    Laret.

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    Manchmal ahne ich in der Ferne ein Winken, als wäre Deine Hand dort in den Wipfeln der Bäume versteckt. Und dann scheinen die Wimpern mir taubedeckt diesen Blick zu verstellen und alles ist fort. Und nur meine Hand gräbt in der Erde, als wollte sie alles erneut aufwühlen, herausgraben zwischen den Wurzeln; schiebt Blätter beiseite, kratzt Moos, und unter den Nägeln sammelt sich all dieses Alte. Dort ist nichts, sagt mein Kopf und das Herz lacht ihn aus und zeigt diesem Kopf die Erinnerungen und all dieses Warme, was blieb, immer blieb, auch im durchscheinend Werden des Lebens verblieb.

    Manche Tage sind drohend, sind schon am Morgen verbraucht, und als überzöge der Frost meine Fenster mit eisigen Schleiern, bleibt mein Blick in mir drin. Aber dann steigt es hoch, dies Erinnern und ich weiß, Du hättest gewollt, dass die Zeit mir nicht wertlos verstreicht; dass ich rieche und schmecke, dass ich spüre und atme und das tue, was geht. Dass ich weiterhin liebe. Und als nähmst Du mich heute wie damals beim Arm und zeigtest mir alles in dem Abglanz des Dich umgebenden Leuchtens, wird es lichter um mich herum. Und dann irgendwann überwiegt dieses Glück, Dich gekannt, Dich geküsst, Dich erlebt zu haben und zu wissen, dass dieses Wir durch das Erinnern an Dich in mir immer noch ist und verbleibt - macht es leichter.

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    Geändert von linespur (08.08.2018 um 19:07 Uhr)
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  2. #2
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    Hallo Nina,

    Wow! Wieder ein so ein schöner Text! Wie bei "Ehrenhalber" von Behutsalem mit einem schulmäßigen "Aufarbeitungsende", was mich nicht sehr überzeugt, aber das mag an mir liegen. Ich denke das wirklichen Leben ist anders, viel unberechenbarer und wankelmütiger. Aber vielleicht soll es ja gerade den Selbstschutz/betrug darstellen, wie man eben so Bewältigungsmuster aus Lebenshilferatgeber aufruft, um mit dem Schmerz fertig zu werden und man sich leichter damit tut, wenn das Herz allmählich kälter wird, kälter werden muss, um die vielen Abschiede zu ertragen.

    Egal, wie auch immer. Es ist für mich eine schöne lyrische Prosa, Sprachkunst.

    Sehr gerne gelesen!

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Grüße Dich Albaa,

    Du hast das Schwarz getroffen: Wenn es nach Jahren noch immer genauso schlimm schmerzt und urplötzlich, doch oft, alles weint, das Drinnen und Draussen, dann muss etwas Tröstliches her.

    Ich habe gestern erfahren, dass einem entfernten Freund das Mädel, die Maid, sein Leben verstarb; noch nicht einmal dreißig. Ich wollte ihm etwas Tröstendes schreiben. Als es dastand merkte ich, dass ICH meinen Trost suchte. Doch tröstet mich nichts. Ich hoffe, nein bete darum, dass ihn etwas tröstet; ein Text oder andere Nähe, ein Sinn, der erfüllt, etwas Glaube ...

    Herzlich
    Nina
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  4. #4
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    Trostsuche? Ja, vermutlich entstehen auch die meisten meiner Texte so, selbst wenn man es ihnen nicht anmerkt .

    Herzlich
    albaa
    Geändert von albaa (08.08.2018 um 22:00 Uhr)

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