Thema: Der Suechtige

  1. #1
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    Question Der Suechtige

    Ich finde es fuerchterlich edgy und deswegen will ich es auch niemanden zeigen eigentlich. Aber es hat mir wirklich geholfen (nein ich bin kein Teenager, sondern 24 und wahrscheinlich am Ende einer langjaehrigen Beziehung angelangt) und ein wenig Kritik haette ich dann doch gerne darauf

    Rose meiner Pein,
    erblicke aber fuehle nicht,
    umsorge aber weiche stehts zurueck.

    Stich, Stich du betoerendes Gift, lass mich nicht los,
    zerreiss mich doch, aber nur ein wenig,
    betoer dich doch, aber nie genug.

    Suechtig der Hoffnung,
    hörig der Erleichterung,
    soll doch der Rausch mich ganz erlegen,
    soll doch die Woge mich zerbrechen.

    Du stuermisches Licht, durchflute mich,
    zu schoen um mich zu verschliessen,
    zu feurig um dich zu erfassen.

    So friss mich ganz,
    schlucke oder spuck mich aus,
    denn nichts verzehrt mehr als die Daemmerung.
    Geändert von Ballowii (10.08.2018 um 01:20 Uhr)

  2. #2
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    Wenn ich eins über Sucht und (ehemals) Süchtige (=dein Titel) gelernt habe, dann dass es immer nur ganz oder gar nicht gibt. Die Sucht ist zu bedienen oder auszumerzen, etwas dazwischen geht nicht. Leider wird diese - auf Sucht bezogen absolut richtige! - Strategie dann auf alle Lebensbereiche angewandt, auch auf Beziehungen. Der Wunsch des lyrischen Ichs (LI) nach "nur ein wenig" wird ungehört verklingen. Dabei gälte es genau mit der Dämmerung umgehen zu lernen, erkennen, dass manches erträglicher wird, wenn nicht nur in den Kategorien Tag oder Nacht, schwarz oder weiss gedacht wird. Du zeichnest hier ein LI, welches zwischen "nur ein wenig" und "alles oder nichts" schwankt, und ich frage mich, ob das gewollt ist oder dir beim Schreiben irgendwie die Stringenz entglitten ist.

    Formal:
    S2Z3 und 4: "doch, aber ..." finde ich nicht schön. "Zereisse mich, doch nur ein wenig" / "betöre dich (mich??), doch nie genug"
    S3Z1: Süchtig NACH Hoffnung. Was heisst "süchtig DER Hoffnung"?
    S4Z1: Kann Licht stürmisch sein?
    Geändert von Gugol (10.08.2018 um 09:37 Uhr)

  3. #3
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    Danke mal für das sehr gute Input

    @ ganz oder garnicht: Der Punkt ist, dass der Zwischenzustand (die Dämmerung) das ist was am meisten weh tut. Der Süchtige kommt nie ganz von seiner Sucht weg, obwohl er weiß, dass sie ihm schadet, weil sie ihm nicht genug schadet um ihn wirklich ausreichend zu motivieren konkretere Schritte einzuleiten. Er wünscht sich ein ganz oder garnicht, komplett zerstört oder geheilt zu werden, aber bekommt immer genug von beidem um nicht aus zu können, sodass er langsam zerfällt.

    @Formal:
    S2Z3: bin ich auch der Ansicht bezüglich des "aber doch", bei dem mich und dich bin ich mir noch nicht sicher.
    S3Z1: Was hälts du von "Süchtiger der Hoffnung"?
    S4Z1: Ja stimmt schon gleißend wäre wohl besser. Wollte halt vermeiden, dass es irgendwie religiös klingt

    Das wäre meine neue Version:

    Rose meiner Pein,
    erblicke aber fühle nicht,
    umsorge aber weiche stehts zurück.

    Stich, Stich du beflügelndes Gift,
    lass mich nicht los,
    zerreiße mich, doch nur ein wenig,
    betöre mich, doch nie genug.

    Süchtiger der Hoffnung,
    hörig der Erleichterung,
    soll doch der Rausch mich ganz erlegen,
    soll doch die Woge mich zerbrechen.

    Du gleißendes Licht, durchflute mich,
    zu schön um mich zu verschließen,
    zu feurig um dich zu erfassen.

    So friss mich ganz,
    schlucke oder spuck mich aus,
    denn nichts verzehrt mehr als die Dämmerung.
    Geändert von Ballowii (10.08.2018 um 10:46 Uhr)

  4. #4
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    Ja, in Bezug auf Sucht bedeutet Dämmerung eine nie endende Qual. Deshalb meine Bemerkung oben in Gedankenstrichen, dass dort nur ganz oder gar nicht Erlösung bringt, nur hinaustreten ins Tageslicht und zwar bis ans Lebensende.
    Aber das Leben besteht ja nicht nur aus Sucht, und aufgrund deiner einleitenden Worte sowie der gewählten Rubrik ging ich davon aus, dass du eben auch über eine Beziehung schreibst. Und da gibt es nicht nur Tag oder Nacht. Da liegt mal mehr, mal weniger Nähe drin (auch mal gar keine für unbestimmte Zeit) - Dämmerung eben.
    Ja die neue Version finde ich besser. Auch "Süchtiger der Hoffnung" geht, fand es erst seltsam, verstehe aber was du damit meinst.

    P.S.: Fairerweise will ich anmerken: Ich habe keine persönliche Suchterfahrung, was ich hier schreibe ist also nicht selbst erlebt, sondern Sekundärerfahrung/angeeignete Überzeugung. Aus Distanz ist es immer leichter zu "wissen wie es geht" und ich masse mir deshalb nichts an.

  5. #5
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    @Ballowii

    Grüße.

    Zitat:


    Rose meiner Pein,/Rose meines Schicksals??

    erblickte aber fühlte nicht,
    umsorgte, aber wich steht’s zurück.

    Stich, mich betörendes Gift,
    wieder und wieder.
    Zerreiße mich, aber nur ein wenig,
    verzaubere mich doch, entführe mein herz.

    So süchtig der Hoffnung,
    verfallen der Erleichterung,
    soll doch der Rausch mich blenden,
    solln die Wogen mich zerbrechen.

    Du stürmisches Licht, durchflute mich,
    hebe mich hoch, verbrenne mich.
    Schick ihr deine Blitze zu
    so feurig, um sie zu entzünden.

    Das wäre mein Vorschlag, angelehnt an deinen ersten Text.
    Natürlich, ist Alles nicht genauestens „abgewogen“ worden, man brauch auch etwas Zeit, sich in dein Denken hinein zu finden und zu guter Letzt sind paar Worte geschrieben worden, deren Sinn ich momentan nicht folgen konnte. Deshalb habe ich paar Passagen nach meinem Bauchgefühl verändert.
    Der Text selber, lebt nicht nach metrischen Gesetzen, kannst du später verändern wenn du magst.
    Tschüss.
    Geändert von horstgrosse2 (12.08.2018 um 10:18 Uhr) Grund: Verändert, noch mehr Adrenalin gespritzt, grins

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