Thema: nordlicht

  1. #1
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    nordlicht

    ich schmecke noch den traum unserer begegnung auf meiner zunge. dein geruch ist wie schwerer wein, nach holz, dunkler erde, wachholder. er sinkt auf meine haut wie eine schwalbe in die kühle des abends. darunter etwas süßes, der duft eines milchlamms, satt und voll trunkener seligkeit. deine haarspitzen tanzen an meiner schläfe, kitzeln, locken. ich singe deinen namen, doch dein name trägt nur eine melodie: herzklopfen.

    der versuch, dich in worte zu fassen, misslingt. silben purzeln aus meinem atem, schwimmen wie kleine verzweifelte tiere im schaum der wellen, driften ab.

    du bist nordlicht.


    -------------------------

    aalbasmod


    ich schmecke noch den traum unserer begegnung. dein geruch - holz, dunkle erde, wachholder - sinkt auf meine haut wie eine schwalbe in die kühle des abends. darunter etwas süßes, der duft eines milchlamms, satt und voll trunkener seligkeit. deine haarspitzen an meiner schläfe, kitzeln, locken. ich singe deinen namen, seine melodie: herzklopfen.

    der versuch, dich in worte zu fassen, misslingt. silben purzeln aus meinem atem, strampeln wie kleine verzweifelte tiere in der strömung, driften ab.

    du bist nordlicht.

    --------------------------

    krügerrand version


    ich schmecke noch den traum unsrer begegnung

    dein geruch
    nach holz, dunkler erde und wachholder
    tanzt auf meiner haut
    in der kühle des abends
    darunter etwas süßes
    der duft eines milchlamms
    satt und voll trunkener seligkeit

    deine haarspitzen an meiner schläfe
    kitzeln locken
    dein name
    seine melodie sehnsucht
    sein rhythmus herzklopfen

    der versuch
    dich in worte zu fassen
    misslingt
    silben stolpern aus meinem atem
    treiben wie kleine ertrinkende tiere
    in der strömung
    driften ab

    du bist nordlicht
    Geändert von lilisarah (16.09.2018 um 10:02 Uhr)
    *kinder, hört auf, euch zu streiten!*
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  2. #2
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    ich schmecke noch den traum unserer begegnung auf meiner Zunge. dein geruch - ist wie schwerer wein, nach holz, dunkler erde , wachholder. er sinkt auf meine haut wie eine schwalbe in die kühle des abends. darunter etwas süßes, der duft eines milchlamms, satt und voll trunkener seeligkeit. deine haarspitzen tanzen an meiner schläfe, kitzeln, locken. ich singe deinen namen, doch dein name trägt nur eine melodie: herzklopfen.

    der versuch, dich in worte zu fassen, misslingt. silben purzeln aus meinem atem, schwimmen (?) wie kleine verzweifelte tiere im schaum der wellen, driften ab.

    du bist nordlicht.
    Liebe lilisarah!
    Schön diese Sinnesverwirrung. Für mein Gefühl könnte man noch etwas straffen (siehe die Unterstreichungen). Allenfalls überhaupt alle Satzzeichen weglassen. Mir gefällt auch das ohne Umbruch schreiben. Bei "schwimmen" bin ich nicht sicher, ob es wirklich zu dem "verzweifelt" passt. Hier passte vielleicht eher ein Bild wie Kampf gegen die Strömung zum Himmel (Nordlicht) hin. Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich machen konnte?

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (10.08.2018 um 20:16 Uhr)

  3. #3
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    liebe albaa,

    ich freu mich, dass du meinen ersten versuch in lyrischer prosa so positiv aufgenommen hast. ich bin mir nicht sicher, ob ich dich komplett richtig verstanden habe, stelle aber mal eine überarbeitete version, wie ich mir den text nach deinen anregungen vorstellen könnte, drunter. das straffen fällt mir trotzdem schwer, denn ich versuche ja gerade, mehr wörter zu verarbeiten als in einem gedicht nötig wären und mich damit der prosa anzunähern, mit der ich mich bislang noch nicht wirklich beschäftigt habe.

    danke!
    liebe grüße
    lilisarah
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  4. #4
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    Zitat Zitat von lilisarah Beitrag anzeigen

    das straffen fällt mir trotzdem schwer, denn ich versuche ja gerade, mehr wörter zu verarbeiten als in einem gedicht nötig wären und mich damit der prosa anzunähern, mit der ich mich bislang noch nicht wirklich beschäftigt habe.
    Liebe lilisarah,

    Also zunächst findeich, das gehört eigentlich in die Lyrik-Abteilung. Wie man lyrische Prosa schreibt, weiß ich nicht, also auch nicht, ob man da "mehr Worte als im Gedicht notwendig wären" schreiben muss. Vielleicht mag Perry etwas dazu sagen, der schreibt ja schon lange lyrische Prosa.

    Für mein Gefühl muss es vor allem bei einem so kurzen Text (egal ob Form oder frei) immer um Präzision gehen. zB. Wenn du schreibst:

    ich schmecke noch den traum unserer begegnung auf meiner Zunge.
    dann muss der Zunge über das Schmecken hinaus eine Bedeutung zukommen. Die Zunge schmeckt an sich nur die Grundgeschmäcker. Aber das ist vermutlich nicht gemeint. Dann hätte es zB. sinngemäß geheißen: Auf meiner Zunge schmecke ich noch das Bittere/Süße/Umami ... unserer Begegnung. Die Zunge kann aber darüber hinaus an allen möglichen körperlichen Genüssen beteiligt sein, aber: "Ich schmecke den Traum auf meiner Zunge" führt weg von jeder Sinnlichkeit mit der ich "Zunge" verbinde. Der Satz ist somit für mich eigentlich eine (unsinnliche) Leerformel. Ich vermute, das LI schmeckt nicht den Traum, sondern erinnert sich, wie das LI schmeckte, die Küsse und die Haut usw. die es küsste/leckte. Also es stellt sich die Frage, wie transportiert man dieses Erlebnis zum Leser, egal welches Mascherl, der Text hat.

    Ich denke nur laut. Du kannst das ganz anders sehen/spüren. Vielleicht ist das ja ganz bewusst so geschrieben, weil sich Erinnerung verflüchtigt und eben nur mehr ein Abklatsch des Erlebens ist. Aber interessanter Weise erinnert man Gerüche und Geschmäcker sehr gut, samt der Gefühle, die damit verbunden waren. Wie auch der weitere Text zeigt. Die Einleitung ist ein bissl schwach. Aber das ist jedenfalls Meckern auf sehr hohen Niveau.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (13.08.2018 um 22:27 Uhr)

  5. #5
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    liebe albaa,

    ob das nun freie lyrik oder lyrische prosa ist oder was auch immer sein mag, ist eigentlich auch nebensächlich. ich persönlich habe es unter lyrische prosa eingeordnet und deshalb in den prosabereich eingestellt.


    deine gedankengänge zur vermaledeiten zunge kann ich gut nachvollziehen und teile sie einerseits. in diesem licht ist der satz eine leerformel für den leser. für mich als autor steckt da allerdings mehr drin und das ist mein andererseits. wenn du etwas erlebst, wo du nachträglich das gefühl hast, dass es nicht real gewesen sein kann, dann kommt es dir in der erinnerung tatsächlich wie ein traum vor, obwohl du vom verstand her genau weißt, dass es real war. wie du schon sagt, gerüche und geschmäcker erinnern dich realer, als du selbst glauben magst, aber das gefühl ist das eines traumes.

    aber was solls, wer braucht schon zungen.


    danke für dein intensives beschäftigen!

    liebe grüße
    lilisarah
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