Thema: Für Aron

  1. #1
    Jazemel Guest

    Für Aron




    In deinem Atem gehen Einsamkeit und klare Augen
    du singst nicht von Blumen und dem Lied der Wolken,
    sondern von zerwarteten Tagen und gedachten Nächten.
    Erkletterst schwankend eine bleiche Knochenleiter
    und schleifst das Licht toter Sterne.

    Du bist kein gefügiger Träumer, kein halber Atemzug,
    kein Flüstern in Gras und Schilf, sonder unruhiger Horizont.
    Sitzt nicht nachts vor Türen im Wunsch etwas zu spüren,
    fällst wie verfallen den Worten zu und greifst
    aus der Ferne in ihre Nächte, wie ein Traumschakal.

    Aus all deinen Schmerzen hast du Stille gemacht
    und doch liegt ein Summen auf dämmriger Grenze,
    von der du ins Dunkle greifst und Worte
    auf das kalte Pflaster streust.
    Und all deine Straßen führen aufs Papier.


    Geändert von Jazemel (16.08.2018 um 10:42 Uhr)

  2. #2
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    Soll doch dieses kleine Kunstwerk nicht wegen meiner off-topic Diskussion mit Hans untergehen.

    Ist jetzt nicht leicht für mich einen Kommentar abzugeben...der nicht in die Kategorie "Spam" fällt...da mich dieses Gedicht als Ganzes anspricht...ohne da jetzt Zeile für Zeile hervorheben zu wollen. Es ist halt einfach stimmig...rhythmisch...rund und "musikalisch"...ohne in eine Richtung abzudriften. Um auch etwas zu hinterlassen: "nachts statt Nachts" und für "verfallen" würde ich mir ein Synonym (gefügig, ausgeliefert, ....) suchen...da Du unmittelbar davor "fällst" schreibst - was zwar kein Verbrechen...aber auch nicht notwendig ist.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  3. #3
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    Liebes ...

    ... ich heisse Aron ... Du tauchst in meinen Gesang und siehst meinen Namen nicht ... das muss Liebe sein ...
    Die Vergeblichkeit des Lebens mit Lebendigkeit beschämen. Aron Manfeld

  4. #4
    Jazemel Guest


    Hi AD,

    danke für den Fingerzeig bezüglich 'nachts'. Das muss natürlich kleingeschrieben sein.
    Das 'verfallen' kurz nach dem 'fallen' müsste nicht sein und gleichzeitig muss es doch unbedingt sein.

    Ich brauche das verfallen wegen des mehrfachen Wortsinns. Nun könnte man zwar dem 'fallen' zu Leibe rücken,
    und ich habe auch länger darüber nachgedacht, doch ist es ähnlich wie mit dem 'verfallen'.
    Es ist das passende Wort Taumeln, gleiten, sinken, rasen, stürzen etc. würde alles nicht passen,
    den Sinn und das Bild ändern. Zudem mag ich den Klang 'fällst wie verfallen den Worten zu' sehr.

    Danke fürs bergen und kommentieren.

    Hi Aron,

    jep, Liebe zur Literatur.
    Mich hat es gestört dass gleich der erste Kommentar zu deiner "Frau im Rückspiegel"
    einem Stück Haushaltsrolle glich, das etwas ekeliges wegwischt, nur weil der Text nicht
    in der allgemein üblichen, gefälligen Art geschrieben ist, ohne dass sich damit wirklich beschäftigt wurde.

    Ich hätte nun im Faden weiter schreiben und argumentieren können, aber das wäre wirklich lang, sehr lang geworden.
    Nicht dass ich da die Arbeit scheue, nur bezweifel ich, dass es wirklich von nutzen gewesen wäre.
    Also hab ich die Zeit lieber in einen Tribut gesteckt, der all deine Texte umfasst.

    Und ja, keine Ahnung warum ich deinem Namen ein zweites a aufgedrängt habe. Vielleicht ist mir der alttestamentarische
    Aaron im Hinterkopf herumgespukt, auch wenn ich nicht weiß, was der in meinen atheistischen Hirn zu suchen hat.
    Das lass ich von der Moderation noch ändern.


  5. #5
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    Hallo Jazemel,

    ist nachvollziehbar. Dann solltest Du auch tatsächlich nichts ver-ändern, denn Authentizität geht, zumindest nach meinem Verständnis, vor allem.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  6. #6
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    Hallo Jazemel,

    Du traust dich was, ausgerechnet für Aron ein Gedicht zu schreiben! Aber ich verstehe gut, was dich da angetrieben hat.
    Schade, dass fast alle von deinem lyrischen Kaliber verschwunden sind. Mich wundert, dass Aron noch in Foren schreibt. Immerhin sind Arons Texte zumindest besser als 90 Prozent aller Forenlyrik, wenn sie auch mit der Zeit eintönig werden und zweifellos auch epigonenhaft sind, aber immerhin gescheit, durchdacht, in gutem Deutsch verfasst, gut beobachtet und nicht verlogen (Um nicht falsch verstanden zu werden: 90 Prozent, selbstverständlich inklusive meiner eigenen Texte. Ich sehe auch keine Entwicklungsmöglichkeit mehr und treffe im Forum kaum noch auf geistig oder auch technische Inspiration, Herausforderung oder gar Vorbilder.)

    Vielleicht habe ich auch deshalb deinen Text hier als eine Art Nachruf auf Dichtung gelesen, die mich berühren kann. In diesem Sinne:

    Sehr gerne gelesen.

    Lieben Gruß
    albaa

  7. #7
    Jazemel Guest
    Hi AD,

    das sehe ich ebenso.

    Hi albaa,

    ich glaube das Epigonenhafte gehört dazu.^^ Die Banalität der Schönheit...oder so.
    Ich bin sehr froh, dass Aron hier noch schreibt, ebenso, dass es noch User gibt, die nicht mit einer Schablone über die Texte weghuschen, sondern sich damit beschäftigen.
    Was die Stagnation angeht glaube ich, es ist ein normaler Prozess. Ich stelle nichts mehr ein, das Gedicht für Aron war die Ausnahme.
    Momentan gibt es bei mir nichts, was ich ins Forum stellen möchte. Erstens um mich nicht selbst wiederzukäuen, zweitens, weil ich noch nicht, so wie Aaron, bereit bin, den Y-Schnitt zu vollziehen, alles freizulegen und mir selbst eine Blöße zu geben. Da müssen vielleicht noch ein oder zwei Jahrzehnte ins Land gehen.

    Forenflauten sind etwas normales, habe ich festgestellt. Ebenso ein gewisser Überdruss und es heißt ja nicht, dass die Schweigsamen nicht mehr schreiben, sie stellen nur nicht ein. Zumindest finde ich das einen tröstlichen Gedanken.
    Warten wir den Sommer und die Herbstgedichte ab und schauen dann mal.

  8. #8
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    Jazemel ist die geborene Moderatorin - sie weiss genau, wann sie mich und die Leserschaft bedienen muss. Kuss.
    Die Vergeblichkeit des Lebens mit Lebendigkeit beschämen. Aron Manfeld

  9. #9
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    Sehr stimmungsgeladenes Gedicht,

    hat mich sehr angesprochen, auch wenn ich nicht Aron bin.

    Klitzekleiner Hinweis: kein Flüstern in Gras und Schilf, sonder unruhiger Horizont.

    dem sondern fehlt sein n.

    Aber es fühlt sich falsch an den Makel anzumerken!

  10. #10
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    In deinem Atem gehen Einsamkeit und klare Augen
    du singst nicht von Blumen und dem Lied der Wolken,
    sondern von zerwarteten Tagen und gedachten Nächten.
    Erkletterst schwankend eine bleiche Knochenleiter
    und schleifst das Licht toter Sterne.

    Du bist kein gefügiger Träumer, kein halber Atemzug,
    kein Flüstern in Gras und Schilf, sonder unruhiger Horizont.
    Sitzt nicht nachts vor Türen im Wunsch etwas zu spüren,
    fällst wie verfallen den Worten zu und greifst
    aus der Ferne in ihre Nächte, wie ein Traumschakal.

    Aus all deinen Schmerzen hast du Stille gemacht
    und doch liegt ein Summen auf dämmriger Grenze,
    von der du ins Dunkle greifst und Worte
    auf das kalte Pflaster streust.
    Und all deine Straßen führen aufs Papier.
    Jaz drückt hier ihre Liebe zu mir aus - bisher hatte noch nie jemand über mich geschrieben. Jaz, wenn Du das liest - komm bitte zurück!
    Die Vergeblichkeit des Lebens mit Lebendigkeit beschämen. Aron Manfeld

  11. #11
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    1.172
    Hi, Aron,

    mir bist zu fremd,
    um über dich zu schreiben!
    Doch wenn ich Festivals Geschichten les,
    dann frag ich mich:
    Warum, warum,
    muss Aron nur so traurig sein?

    LG, Cara

  12. #12
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    Hi, Aron,

    mir bist zu fremd,
    um über dich zu schreiben!
    Doch wenn ich Festivals Geschichten les,
    dann frag ich mich:
    Warum, warum,
    muss Aron nur so traurig sein?

    LG, Cara
    Liebe Cara,

    ich habe mich eben nur so gefreut, weil Jaz etwas über mich geschrieben hat - sonst bekomme ich kaum Wertschätzung.
    Die Vergeblichkeit des Lebens mit Lebendigkeit beschämen. Aron Manfeld

  13. #13
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    Lieber Aron,
    vielleicht könntest du mal ein nicherotisches Thema wählen?!
    Nichts für ungut!
    ich meine ja nur so!
    Dein Vorbild Hans Fallada konnte neben den ernsten Themen recht humorvoll sein!

    LG, Caea

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