Thema: Achilles

  1. #1
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    Achilles

    Ach, Achilles! Er galt nur als schlichter,
    eher unbedeutender, kleiner Dichter.
    Ganz früh bereits zog es den Kleinen ans Wasser.
    Dort wurd er meist nass, sogar manchmal noch nasser.

    Er liebte es, frisches Wasser zu fühlen,
    am Aquadukt, um Gefühle zu kühlen
    und folgerte damals im Grunde sehr richtig:
    der Ton macht Musik, und nur das ist hier wichtig.

    So lauscht' er dem Plätschern dem Ton und dem Fließen,
    an seinen Händen, das Wasser zu Füssen,
    er liebt diese Stille an einsamsten Plätzen.
    Bald sprudelten selbst aus ihm Wörter in Sätzen.

    Noch starben Buchstaben buchstäblich in Fülle.
    Die Lyrike war anfangs noch klägliche Hülle.
    Den Ablauf des Fließens in fallender Richtung
    verhindert' am Ende die richtige Dichtung.
    .
    Wobei ihn das Reimen im Innern erregte.
    Und weil ihn Chryseis Schicksal bewegte,
    lief jener im Zorne schnaubend umher...
    so sah es zumindest der gute Homer.

    ...verletzbarer Held und ein Pfeil von Paris
    der Held ist schon tot, - großes Drama- und dies:
    der Kriegsheld als Dichter wird teils ignoriert,
    weil keiner Achilles Verse kapiert.


    Überarbeitete Version von Verbalcarpaccio:


    Beim Zeus, der Achilles! Er galt nur als schlichter,
    trivialer, verkannter, belangloser Dichter.
    Ganz früh bereits zog es den Kleinen ans Wasser.
    Dort wurde er nass meist, und manchmal noch nasser.

    Wie liebte er es, frisches Wasser zu fühlen,
    den Zorn zu beruhigen, Gefühle zu kühlen,
    und folgerte damals im Grunde sehr richtig:
    der Ton macht Musik, und nur das ist hier wichtig.

    Er lauschte dem Plätschern, dem Tonfall beim Fließen
    des Wassers entlang seinen Händen und Füßen
    in einsamer Stille an einsamsten Plätzen.
    Bald sprudelten selbst aus ihm Wörter in Sätzen.

    Noch starben Buchstaben buchstäblich in Fülle.
    Die Lyrik war anfangs noch klägliche Hülle.
    Den Abfluss des Fließens in fallender Richtung
    verhinderte letztlich die richtige Dichtung -

    wobei ihn das Reimen im Innern erregte.
    Und weil ihn das Schicksal Chryseis‘ bewegte,
    lief zornschnaubend jener nun wieder umher...
    so sah es zumindest der gute Homer:

    „...verletzbarer Held und ein Treffer von Paris;
    Achilles krepiert!“ - großes Drama- doch wahr ist:
    der Kriegsheld als Dichter wird oft ignoriert,
    weil keiner Achilles... Verse kapiert.
    Geändert von Anjulaenga (08.09.2018 um 23:22 Uhr) Grund: Überarbeitung Verbalcarpaccio

  2. #2
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    Selbstbildanalyse hier mal im geschichtlichen gesucht. Was spielt wann und wo die Rolle dass es den mitreisst der es sich schuldig war? Also sind die Leute mit Mehrfachbegabung zwecks mangelnder Ressourcen zu dem Teil ihrer Persönlichkeit verdammt der nicht so schwer im Magen liegt?
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Lieber Terrorist,

    du hast es mit der Selbstbildanalyse mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht, der wirklich im Argen liegt. Danke, A,

  4. #4
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    Und vergiss es alt und weise sein zu wollen Denn dann wird die Mythologie unversehens zur Idee wie es jenseits weiter geht. Wenn wir dieses Achillesleben hier hinter uns gebracht haben. Und ab welcher Commitmentstufe ein Gedicht mehr ist als nur Kunstform liegt an der Erkenntnis ihrer manchmal kläglichen Hülle.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Lieber Terrorist,

    solange ich noch jung und altklug bin, und es mir an Erfahrung fehlt, habe ich noch das Ziel, alt und weise sein zu wollen, bis ich später den kläglichen Rest meiner Hülle erkenne. Spätestens dann aber werde ich bestimmt vergessen haben, jemals alt und weise gewesen sein zu wollen. Mein Fazit:
    die Commitmentstufe eines Gedichtes ist im Grunde Wurscht. Wir werden Achilles schwache Verse nie begreifen, auch wenn wir bereit wären, dafür teures Versengeld zu zahlen. L.G.A.

  6. #6
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    Hallo Anjulaenga,

    um deinen Achilles schleiche ich schon ein paar Tage herum, um herauszufinden, ob das Einstreuen eher grober Verse (mit metrischen Brüchen, achtloser Zeichensetzung und Betonungsverschiebungen) nun Achilles' magere Verskunst unterstreichen bzw. parodieren sollen, oder ob du hier eine schöne Idee mit durchaus sehr geschickten Versen zu oberflächlich verballert hast. Ich komme zu keinem Ergebnis...

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  7. #7
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    Lieber Verbalcarpaccio,

    im Vortrag funktioniert das Gedicht recht gut, auf dem Papier hast du bestimmt recht. Für Verbesserungsvorschläge und - hinweise bzgl. Zeichensetzung und Rhythmus bin ich jederzeit dankbar. Hier sind keine Holprigkeiten gewollt. Nur fällt es mir manchmal schwer, die eigenen Unzulänglichkeiten mit der erforderlichen Distanz zu betrachten. Ich werde aber mein Gedicht bestimmt noch einige Male überarbeiten.
    Danke für deinen Kommentar,
    L.G.A.

  8. #8
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    Moin Anjulaenga,

    ja, auf diese Diskrepanz zwischen vorgetragenem und selbstgelesenen Text stößt man immer wieder. Übrigens selbst bei Heinz Erhardts Gedicht "Viele Verse", in dem er auch dieses Achilles-Wortspiel aufgreift. Beim Vortragen kann man wohl sehr viel ausgleichen - mir fehlt es da an Erfahrung.

    Okay, dann lass ich mal meine Gedanken hier liegen:

    Rhythmisch hast du überwiegend auf daktylische Verse mit vier Hebungen gebaut. Die eignen sich mMn auch sehr gut für ein humorvolles Gedicht, das einen archaisch, kampfbetonten Anstrich erhalten soll.
    Diesen Rhythmus würde ich durchgängig beibehalten und gegebenenfalls (nur, wo es sinnvoll ist) mit ihm brechen (mal eine Senkung weglassen, das bringt Verzögerung ins Lesen, oder auf einen kompletten Versfuß verzichten, das macht die Stelle knackiger. Letzteres möglichst in beiden sich reimenden Versen, aber auch hierbei kann man Ausnahmen machen).

    Zur Verdeutlichung zwei "saubere Verse" (ich nenne sie jetzt einfach mal so)
    Ganz früh bereits zog es den Kleinen ans Wasser.
    Dort wurd er meist nass, sogar manchmal noch nasser.
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxXx

    und zwei "gestörte"
    Er liebte es, frisches Wasser zu fühlen,
    am Aquadukt, um Gefühle zu kühlen

    xXxxXxXxxXx
    xXxXxxXxxXx
    In beiden Versen fehlt eine unbetonte Silbe. Bei beiden kann ich keinen sprachlichen Grund dafür erkennen. Den ersten könnte man leicht mit einem mindestens ebenbürtigen Adjektiv "glätten". Beim zweiten wird es schwierig, weil du sicher auf dem Aquädukt bestehen möchtest. Diese Lösung ist zugegebenermaßen eher halbherzig, soll nur der Verdeutlichung dienen.

    Er liebte es, plätscherndes* Wasser zu fühlen, *ich sehe gerade, dass Plätschern noch kommt - vlt. fließendes?
    am Stadt-Aquädukt, um Gefühle zu kühlen

    So gibt es auch weitere Verse, bei denen Korrekturen eher leicht und andere, wo es schwer sein wird. Z. B. der Buchstabenvers, bei dem das schöne Wortspiel nicht verloren gehen darf. Ich hätte schon Lust, mich an einer neuen Version zu versuchen, um zu sehen, was geht und was nicht.

    Zu Rechtschreibung/Grammatik:
    - Aquädukt
    - S3V1: Komma nach Plätschern
    - S4V2: Lyrik_

    und, ich bitte schon vorher um Absolution, der Reim Paris - und dies ist ein typischer Kargscher. Darfst du den überhaupt nutzen?

    Dafür habe ich noch ein schönes Beispiel für das sinnvolle Weglassen einer Senkung gefunden:
    weil keiner Achilles Verse kapiert.
    An der Stelle, wo die Senkung fehlt (vor Verse), kann man prima eine (ganz) kurze Lesepause einlegen, was etwas mehr Betonung auf die Pointe bringt, wenn man das möchte.

    Soweit erstmal...

    lg VC



    Hallo Anjulaenga,

    ohne zu wissen, ob es dir recht ist, habe ich einfach mal dran rumgebastelt und hier und da Veränderungen so vorgenommen, wie ich (ganz subjektiv natürlich) sie für sinnvoll erachtet habe. Möglicherweise habe ich dabei aber auch Konstrukte kaputtgemacht, die dir wichtig waren - dann habe ich sie nicht erkannt. Aber ist ja auch egal, denn im Vergleich der Texte erkennst du sicher besser, was ich meine, als wenn ich dir meine Gedanken umständlich ausführen würde.

    Beim Zeus, der Achilles! Er galt nur als schlichter, Dein doppeltes "ach" war auch nicht übel. Ich habs trotzdem mal rausgenommen, weil es mir nicht entscheidend erschien.
    trivialer, verkannter, belangloser Dichter.
    Ganz früh bereits zog es den Kleinen ans Wasser.
    Dort wurde er nass meist, und manchmal noch nasser.

    Wie liebte er es, frisches Wasser zu fühlen,
    den Zorn zu beruhigen, Gefühle zu kühlen,
    und folgerte damals im Grunde sehr richtig:
    der Ton macht Musik, und nur das ist hier wichtig.

    Er lauschte dem Plätschern, dem Tonfall beim Fließen In dieser Strophe erschien mir ein fließenderer Satz den Fluss besser zu unterstützen
    des Wassers entlang seinen Händen und Füßen
    in einsamer Stille an einsamsten Plätzen.
    Bald sprudelten selbst aus ihm Wörter in Sätzen.

    Noch starben Buchstaben buchstäblich in Fülle. Hier habe ich am längsten überlegt, dann aber die Betonungsverschiebung zugunsten des Wortspiels in Kauf genommen.
    Die Lyrik war anfangs noch klägliche Hülle.
    Den Abfluss des Fließens in fallender Richtung
    verhinderte letztlich die richtige Dichtung -

    wobei ihn das Reimen im Innern erregte.
    Und weil ihn das Schicksal Chryseis‘ bewegte,
    lief zornschnaubend jener nun wieder umher...
    so sah es zumindest der gute Homer:

    ...verletzbarer Held und ein Treffer von Paris;
    Achilles krepiert!
    “ - großes Drama- doch wahr ist:
    der Kriegsheld als Dichter wird oft ignoriert,
    weil keiner Achilles... Verse kapiert.
    In dieser Strophe war mir dreimal "Held" einfach zu viel

    Insgesamt hat mir die Bearbeitung viel Spaß bereitet. Vor allem ist mir die Botschaft deines Textes auch erst dabei richtig klar geworden. Eine Weile musste ich nämlich rätseln, warum du gerade das Wasser als zentralen Punkt gewählt hast. Aber ja, es galt ja, den Zorn des Achilles im Zaum zu halten. Wie's letztlich gelang, haben wir bei Homer erfahren.

    lg VC
    Geändert von Claudi. (25.09.2018 um 16:48 Uhr) Grund: Doppelpost zusammengeführt
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  9. #9
    Registriert seit
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    Lieber Verbalcarpaccio,

    ja, überzeugt, das fließt wesentlich flüssiger dahin. Habe deine Version einfach unter meine gestellt, es macht einfach mehr Spaß, diese zu lesen.
    Vielen lieben Dank für deine große Mühe und Arbeit, wie kann ich dir das wieder gut machen?
    Wenn du mal eine kleine Auftragsarbeit brauchst ( Gedicht zum Geburtstag, Firmenjubiläum Scheidung, egal), dann hast du noch einen bei mir gut!
    L.G.A.

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