Ich hab die Pest, da kennt mich keiner mehr,
die Pest, die widerlich nach Armut mufft.
Das Kleingeld fehlt, ich renn ihm hinterher,
ich bin wohl nicht genügend ausgebufft.

Der treue Angestellte, der ich war,
ist lange schon passé. Nun bin ich stellenlos,
ein Kunde auf dem Amt, bin austauschbar,
die geben mir den letzten Gnadenstoß.

Mit Fünfundfünfzig hat man ausgedient.
Ich war mein halbes Leben gut genug –
beim Abschied hat der Chef mich angegrient,
mir ist noch heute so, als war’s ein Spuk.

Und nie, ich schwör’s, hab ich mal aufbegehrt.
War stets loyal und machte niemals Stunk.
Erst heute weiß ich: War total verkehrt,
denn vor drei Jahren kam die Kündigung.

Man klagt ja nicht, man zieht Fassaden hoch.
Noch immer habe ich so was wie Mut,
versteck mich nicht im letzten Mauseloch.
Nur manchmal überfällt mich nackte Wut.

Ich komm nicht los von meiner Armutspest.
Mich tröstet nicht, wenn’s andern mieser geht.
Und seh ich die, das gibt mir dann den Rest,
für mich, wer weiß, ist alles schon zu spät.

Wer profitiert von meinem Hundeleben?
Wer wird das dumme Minus mir begleichen?
So’n reiches Land – muss es da Arme geben?
Vielleicht, denk ich. Sonst gäb’s ja keine Reichen.