1. #1
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    In Ruhe reift die Liebe

    Es wickelt sich der Morgen aus dem Schal,
    die Sonne hat den Hals noch in der Schlinge,
    geduldig warten all die Schmetterlinge,
    bald schon fällt das erste Licht ins Tal.

    Ein Mädchen treibt die Kühe auf die Alm,
    von tausend Blumen pflückt es nur die eine
    und hilft damit dem Käfer auf die Beine.
    Ein Windstoß wehte ihn von seinem Halm.

    Kniehoch steht ein Baum im satten Gras,
    im kühlen Schatten sitzt ein Hirtenjunge,
    die Süße eines Sommers auf der Zunge,
    im Korb das reife Obst - von dem er aß.

    Der Tag, vom Duft der Wiesen fein gewürzt,
    entkleidet sich im Sog der Dämmerstunde,
    schon geht der Mond auf seine erste Runde,
    bevor ein Sternenmeer die Nacht beschürzt.

    Es wickelt sich der Morgen aus dem Schal,
    die Sonne hat den Hals noch in der Schlinge,
    doch zwei gehn Hand in Hand, sind guter Dinge,
    und küssen sich schon bald das erste Mal.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  2. #2
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    Hallo AndereDimension,

    oh mein Gott ist das schön...
    Es wickelt scih der Morgen aus dem Schal,
    die Sonne hat den Hals noch in der Schlinge
    ... was für eine Metapher... ,

    oder das hier..
    Der Tag, vom Duft der Wiesen fein gewürzt,
    entkleidet sich im Sog der Dämmerstunde,
    Das ist für mich, einfach perfekt. Schöner kann mans gar nicht in Worte fassen.
    Hier machen es die inhaltlichen Kleinigkeiten aus, die das Ganze soooo großartig machen.
    Wahnsinn.. so möcht ich es auch irgendwann mal können..

    Chapeu,
    mfg. Behutsalem
    Mein NeuestesVom Himmel
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  3. #3
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    @AD


    Grüße.

    Ja nicht schlecht, die Metapher sind eins A.

    Für“ Es wickelt“ funktioniert auch : Es kämpft- ist aber einsilbig.

    Der Metrik Wechsel V1 Z 4 ist gewollt?

    Zitat: pflückt es nur die eine / eine oder Eine?
    Zitat: „und hilft damit dem Käfer auf die Beine.“ Ist sehr, sehr sinnig.

    Zitat: „im Korb das reife Obst - von dem er aß.“ (klingt reimgeschuldet)
    Im tiefen Sinnen, er die Welt vergaß

    Sehr stark, mein Favorit:

    Der Tag, vom Duft der Wiesen fein gewürzt,
    entkleidet sich im Sog der Dämmerstunde,
    schon geht der Mond auf seine erste Runde,/erste? gibs mehr? /lange Runde
    bevor ein Sternenmeer die Nacht beschürzt.

    Return
    Nicht schlecht Herr Specht, Daumen hoch.

    Ähm
    @Behutsalem

    Ich muss dir leider mitteilen, dass viele deiner Texte, die ich kenne, ebenfalls Leuchttürme der Lyrik sind.
    Also, nicht das eigene Licht ausblasen.

    Verzeih AD musste ich loswerden.
    Tschüss.

  4. #4
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    hallo AD,

    ein schönes gedicht, wenn auch ein *durchmischtes*, wie ich finde. stimmung, gefühl kommen sehr gut rüber, gute und lyrische wortwahl. auch inhaltlich gibt es nicht viel zu meckern. ein paar punkte habe ich aber doch anzumerken.

    gleich die ersten beiden zeilen geben mir rätsel auf, es will sich bei mir kein rechtes bild im kopf ergeben. was soll das bedeuten, dass sich der morgen aus dem schal wickelt? einen schal trägt man, wenn es kalt ist oder man erkältet, krank ist. vielleicht noch aus modischen gründen. aber weshalb sollte ein morgen einen schal tragen, was soll der schal sein, die nacht? wenn sich der morgen aus seinem pyjama wickeln/schälen würde, oder aus einem handtuch (nach der dusche), würde ich das nachvollziehen können, aber den schal kann ich nicht zuordnen. die sonne mit der schlinge um den hals aus z2 ist zudem für mein empfinden ein zu düsteres bild für einen erwachenden morgen und passt nicht mit dem schal zusammen. und wieso sollte sie gehängt werden? ich persönlich finde die bilder zwar originell, aber zu schief, was den zusammenhang betrifft.

    in z4s1 komme ich ein wenig aus dem takt wegen der fehlenden silbe. eine mögliche lösung wäre: bald schon fällt erstes licht ins *müde/kühle/grüne* tal. *irgendwas geeignetes einsetzen.

    in s3z1: ein kniehoher baum ist nicht wirklich hoch. falls der schatten in z2 von ihm kommen soll (und so lese ich es), wird es da nicht viel schatten zum sitzen geben. mach ihn doch wenigstens hüfthoch. ich denke aber, dass du vielleicht sagen wolltest, dass das gras kniehoch ist und darin ein baum steht? da das außerdem die zweite zeile im gedicht ist, bei der ich ins stolpern gerate, würde ich sie ebenfalls auf zehn silben angleichen, es sei denn, du hast diese stolperfallen in s1z4 und s3z1 mit absicht eingebaut. wenn ja, dann erschließt sich mir nicht der sinn. aber was weiß ich schon …

    ja und dann beinhaltet dein gedicht wirkliche highlights, z. b. solche zeilen wie *die Süße eines Sommers auf der Zunge* oder auch die gesamte vierte strophe, die wunderschön ist.

    ich habe dein gedicht sehr gern gelesen und mich ebenso gern mit ihm beschäftigt.

    liebe grüße
    lilisarah

  5. #5
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    Das ist soooo wunderschön lieber AD!
    Deine Wortwahl, die starken Bilder die den Sommer zärtlich einfangen....

    Großes Kompliment!

    Ich hab mich gern in diese Welt geträumt.
    Natur pur....

    Liebe Grüße
    Wüstenblume
    So bin ich nur als Kind erwacht,
    so sicher im Vertraun
    nach jeder Angst und jeder Nacht
    dich wieder anzuschaun.
    Ich weiß, sooft mein Denken misst,
    wie tief, wie lang, wie weit - :
    du aber bist und bist und bist,
    umzittert von der Zeit.

  6. #6
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    Wenn alles Kuh und Blume ist kann ja nur Heimatfilm rauskommen. Senderechte liegen dann wohl da im Gras wo das erste bald sich mal was anderes zeigen als nur Bergkuppen und tausendjährige Eichen stattfindet. Und der Förster, a la Poet der Natur freut sich dass es wieder nicht sehr viel komplizierter war als die eigene Vorstellungskraft.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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